12.07.2019 02:47

Trauerbewältigung

Polizei erklärt Angehörigen Unglück am Unfallort

Familien dürfen nach einem tragischen Verkehrsunfall meist den Unfallort besichtigen und Blumen niederlegen. Doch können solche Gedenkstätten für andere Lenker zur Gefahr werden?

von
juu
1 / 11
In Waldstatt AR ist es am Sonntag, 07.07.2019, zu einem tragischen Unfall gekommen.

In Waldstatt AR ist es am Sonntag, 07.07.2019, zu einem tragischen Unfall gekommen.

Kapo AR
Dabei kam der 25-jährige Ratheepan Ravindran ums Leben.

Dabei kam der 25-jährige Ratheepan Ravindran ums Leben.

privat
Auto und Töffs waren das Hobby des gelernten Mobil-Assistenten.

Auto und Töffs waren das Hobby des gelernten Mobil-Assistenten.

Vergangenen Sonntag wurde Ratheepan Ravindran bei einem Unfall in Waldstatt AR tödlich verletzt. Der 25-Jährige hatte die Kontrolle über seinen Töff verloren und war in einer Kurve gegen die Leitplanke geprallt. Durch den Aufprall zog er sich schwerste Verletzungen zu und verstarb noch an der Unfallstelle. Nun befinden sich dort Blumen und Kerzen, um dem gelernten Automobil-Assistenten zu gedenken. Platziert wurde der Trauerschmuck von Ratheepans Familie und das, obwohl es in der Kurve nach der Hundwilertobelbrücke kein Trottoir gibt.

Haben Angehörige also ihr Leben riskiert, um an den Unglücksort zu pilgern? «Nein», sagt Bruder Pratheepan Ravindran. Ihm und seiner Familie sei von der Polizei angeboten wurden, die Unfallstelle zu besichtigen. «Dabei wurden wir von Polizisten begleitet. Sie erklärten uns dort auch, wie der Unfall genau geschah», erzählt er gegenüber 20 Minuten.

Keine Besichtigung bei zu gefährlicher Unfallstelle

Auf Anfrage bei der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden bestätigt man dies. «Bei uns ist es vielfach der Fall, dass man den Angehörigen eine solche Besichtigung anbietet», sagt Mediensprecher Marcel Wehrlin. Bei dieser würde man die Angehörigen darauf hinweisen, dass man so etwas nur in Begleitung der Polizei machen dürfe. Auf eigene Faust hinzugehen sei in den meisten Fällen schlicht zu gefährlich.

In den Kantonen Thurgau und St. Gallen bietet man eine Begleitung zum Unfallort nur auf Wunsch der Angehörigen an. Laut Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, versucht man dann einen einmaligen Gang zur Unfallstelle zu ermöglichen. Aber auch dabei gibt es Ausnahmefälle: «Wenn die Unfallstelle, wie im Falle des am Mittwoch tödlich verunfallten 26-jährigen Beifahrers, auf der Autobahn liegt, kann das zu einem Problem werden», so Schneider. Ob die Gefahr tragbar wäre, würden die zuständigen Polizeiposten entschieden.

«Telefongespräche sind gefährlicher als Kreuze»

Laut dem Basler Verkehrspsychologen Urs Gerhard kann es für die Angehörigen der Opfer wichtig sein, den Unfallort nochmal zu besuchen. «Für die Betroffenen kann es eine Art der Kommunikation sein, um den Hinterbliebenen nahe zu kommen und um sie zu trauern.» Dies sei aber individuell. So würden manche Betroffenen lieber zu Hause trauern, da sie sich beobachtet fühlen würden.

Und was löst der Trauerschmuck am Strassenrand bei den Autofahrern aus, könnten sie dadurch gar abgelenkt werden? «Wir denken ja beim Fahren meist an etwas», sagt dazu der Verkehrspsychologe. «Wenn wir nicht allzu tief in Gedanken versunken sind, ist dies nicht gefährlich.» Viel gefährlicher seien Telefongespräche mit und ohne Freisprechanlage, weil diese Antworten erforderten, die je nach Komplexität die Aufmerksamkeit viel stärker beeinträchtigen könnten.

Der Verkehrspsychologe hält es für möglich, dass Autofahrer wegen des Trauerschmucks sogar extra vorsichtig fahren. Dieses Verhalten habe er bei sich selbst schon beobachtet. Zudem würde es zum Nachdenken anregen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.