In Rettungsgasse gefahren: Polizei ermittelt jetzt gegen den Topmanager
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In Rettungsgasse gefahrenPolizei ermittelt jetzt gegen den Topmanager

Ein Topmanager ist mit seinem Auto mitten durch die Rettungsgasse gefahren. Nun ist bei der Polizei eine Anzeige eingegangen.

von
Jennifer Furer

Das Video zeigt, wie der Mann in der Rettungsgasse fährt (Video: Leser-Reporter). 20 Minuten zeigt dieses Video, weil der Leser-Reporter filmte, während er im Stau stand und dabei nicht fuhr.

Rechts und links reihen sich die Autofahrer auf der A 3 in Richtung Chur in einer Rettungsgasse ein. Nur einer fährt zwischen der Kolonne hindurch: ein Topmanager in seinem weissen BMW.

Nachdem 20 Minuten den Vorfall publik gemacht hatte, ging bei der Polizei eine offizielle Anzeige ein. Nun ermitteln die Behörden gegen den Topmanager, wie Florian Frei, Sprecher der Kantonspolizei Zürich, sagt. Zuvor sei dies nicht möglich gewesen, weil die Polizei gar keine Kenntnis vom Vorfall hatte.

Richter entscheidet über Strafe

Zuerst werde jetzt eruiert, wer der Fahrer des weissen BMW war, so Frei. Danach müsse angeschaut werden, wegen welcher Tatbestände sich der BMW-Fahrer strafbar gemacht haben könnte.

«Ein in der Rettungsgasse fahrender privater Lenker macht sich grundsätzlich des Überholens einer stehenden Kolonne oder des links Vorbeifahrens schuldig», sagt Frei. Über die Höhe der Strafe entscheidet der zuständige Richter.

«Ich stand extrem lange im Stau»

20 Minuten hat den Mann kontaktiert und darauf hingewiesen, dass es ein Video seiner Fahrt gibt. Der Topmanager bestreitet, die Rettungsgasse missbraucht zu haben. «Ich war auf dem Weg nach Hause und stand extrem lange im Stau», sagt er. Er sei auf der linken Spur gestanden, als er Rettungskräfte und Polizei habe vorbeifahren sehen.

500 bis 600 Meter vor der Ausfahrt Wädenswil hätten sich die Autos auf dem Pannenstreifen eingereiht, so der Manager. Er habe angenommen, dass all diese Autos abfahren würden. Die rechte Fahrspur sei frei gewesen. Er habe diese dann auch genutzt.

«Ich habe zu keiner Zeit die Polizei oder Rettungskräfte behindert», sagt der Manager. Es sei nie seine Absicht gewesen, einen persönlichen Vorteil aus der Situation zu ziehen. «Ich würde nie absichtlich das Leben anderer Menschen riskieren.»

Das droht Fahrern, welche die Rettungsgasse missachten

Wenn sich Autofahrer nicht an das Bilden einer Rettungsgasse halten, droht ihnen eine Verzeigung durch die Polizei. Über die Höhe der Strafe entscheidet der Richter, wenn der Fall überhaupt bei dieser Instanz landet. Zwei Beispiele: 1. Ein Mann (55) fuhr im Mai 2015 auf der A3 in Richtung Basel in der Gasse den Rettungskräften hinterher. Das Bezirksgericht Dietikon bestrafte ihn mit einer Busse von 500 Franken. Hinzu kamen Verfahrenskosten von 430 Franken. 2. Ein Lieferwagen reihte sich im Januar beim Schöneichtunnel in eine Rettungsgasse ein. Das Heck des Fahrzeuges ragte jedoch auf die Strasse. Die Rettungskräfte konnten nicht passieren, weil die Gasse dadurch zu eng war. Der Lenker blieb straffrei, weil niemand das Kennzeichen notiert hatte.

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