Aktualisiert 15.02.2011 14:40

Aufruhr in Bahrain

Polizei erschiesst Trauernden vor dem Spital

Während einer Prozession für einen Tags zuvor getöteten 21-jährigen Demonstranten hat die Polizei erneut eine Person tödlich verletzt. Die Folge war ein neuer Massenauflauf.

von
Brian Murphy, AP
Trauernde protestieren vor dem Spital in Manama, während die Leiche des Tags zuvor geöteten Demonstranten in ein Leichenfahrzeug geladen wird, 14. Februar 2011.

Trauernde protestieren vor dem Spital in Manama, während die Leiche des Tags zuvor geöteten Demonstranten in ein Leichenfahrzeug geladen wird, 14. Februar 2011.

Einen Tag nach Beginn der Proteste im Golf-Staat Bahrain hat sich die Lage weiter zugespitzt. Trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen versammelten sich am Dienstag mehrere tausend Demonstranten auf dem zentralen Platz der Hauptstadt Manama. Sie kündigten an, dort ausharren zu wollen, um ihrer Forderung nach mehr politischen Freiheiten Nachdruck zu verleihen. Wenige Stunden zuvor war ein zweiter Demonstrant bei Zusammenstössen mit der Polizei getötet worden.

Zu den Zusammenstössen kam es während einer Prozession für einen 21-Jährigen, der am Tag zuvor bei Protesten getötet worden war. Sicherheitskräfte gingen am Dienstag mit Tränengas und scharfer Munition gegen die rund 10 000 Trauernden vor. Nach Angaben des Krankenhauses, vor dem sich die Menge versammelt hatte, starb ein 31-Jähriger an Verletzungen durch Schrotschüsse bei Tumulten auf einem Parkplatz des Hauses.

Im Anschluss an den Zwischenfall zogen sich die Sondereinsatzkräfte zunächst zurück und liessen zu, dass sich der Trauerzug weiter durch die Hauptstadt in Bewegung setzte.

Der 21-Jährige war am Montag bei Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften getötet worden. Mindestens 25 Menschen wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt, bei denen ebenfalls Tränengas sowie Gummigeschosse zum Einsatz kamen.

Die Demonstranten waren einem Aufruf der Opposition zu einem «Tag des Zorns» gefolgt. Jugendgruppen und Menschenrechtsaktivisten in Bahrain hatten im Internet am Jahrestag der Verfassung von 2002 zu einer Grossdemonstration nach dem Beispiel der Massenproteste in Ägypten aufgerufen.

Innenminister verspricht Aufklärung

Innenminister Raschid bin Abdulla al Chalifa erklärte in einer Stellungnahme sein «aufrichtiges Beileid und tiefe Sympathie» für die Familie des getöteten 21-Jährigen. Der Minister versprach umfassende Ermittlungen zu dem Fall. Sollte sich zeigen, dass übermässige Gewalt gegen die Demonstranten angewandt worden sei, werde Anklage erhoben, sagte Al Chalifa.

Die grösste Oppositionsbewegung in Bahrain, Al Wefak, verurteilte das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten und erklärte zugleich, dass das Ziel der Proteste nicht die Absetzung des herrschenden Regimes sei. Gefordert werde lediglich eine demokratische Öffnung des politischen Systems sowie mehr Einfluss für das Parlament.

Besänftigung durch Geldgeschenke

Die schiitische Bevölkerungsmehrheit in Bahrain wirft der sunnitischen Führungsschicht Diskriminierung vor. In einem offenen Brief an König Hamad bin Isa al Chalifa verlangte das bahrainische Zentrum für Menschenrechte unter anderem die Auflösung der Sicherheitskräfte, die strafrechtliche Verfolgung von korrupten Beamten sowie die Freilassung von 450 inhaftierten Aktivisten und religiösen Anführern.

Die Regierung hatte bereits vergangene Woche versucht, die Aktivisten mit einer Reihe von Zugeständnissen zu besänftigen. So versprach der Monarch jeder Familie umgerechnet rund 2000 Euro und kündigte mehr Pressefreiheit an.

Das kleine Königreich, nicht grösser als die Stadt New York, ist als Sitz der 5. Flotte der US-Marine insbesondere für die USA von Bedeutung. Etwa 70 Prozent der rund 525 000 Einwohner des Landes sind Schiiten. Nach der Festnahme schiitischer Aktivisten war es bereits im vergangenen Jahr zu Zusammenstössen gekommen.

Erneut Proteste in Jemen

Rund 3000 Demonstranten haben am Dienstag im Jemen den fünften Tag in Folge gegen die Regierung protestiert. In Sprechchören forderten sie den Rücktritt von Präsident Ali Abdullah Saleh. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein, um die Protestaktion in der Hauptstadt Sanaa aufzulösen. Den Demonstranten gelang es aber, ihren Protestmarsch von der Universität in die Innenstadt fortzusetzen, wo bereits zahlreiche Polizisten stationiert waren. Auch etwa 2000 Anhänger der Regierung versammelten sich im Stadtzentrum. Es wurde erwartet, dass sich den Protesten noch hunderte weitere Teilnehmer anschließen würden. (AP)

EDA lockert Warnung für Tunesien

Nach Frankreich und Deutschland hat nun auch die Schweiz die Reisehinweise für Tunesien modifiziert. Weiterhin wird von Touristen- und nicht dringenden Reisen abgeraten. Ausgenommen sind gemäss EDA hingegen Reisen in die Hauptstadt Tunis und die Badeorte an der Küste. Noch immer befinde sich das Land in einer politischen Krise. Reisenden, die Tunis oder die Küste besuchen, wird geraten, Kundgebungen und grosse Menschenansammlungen zu meiden. Die Anweisungen der lokalen Behörden seien zu beachten, insbesondere Ausgangssperren, schreibt das EDA weiter. Der Tourismus ist für Tunesien der wichtigste Devisenbringer. Über 350 000 der rund 10 Millionen Tunesier arbeiten in diesem Sektor. (SDA)

TUI Suisse, Hotelplan und Kuoni teilten am Dienstag mit, sie bieten ab sofort wieder Reisen nach Tunesien an. (rub)

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