Aktualisiert 23.06.2015 17:04

Attentat von CharlestonPolizei fasst Dylann Roof (21) bei Verkehrskontrolle

Die Polizei hat Dylann Roof gefasst. Der 21-Jährige soll letzte Nacht neun Schwarze in einer Kirche erschossen haben. Er wurde in Shelby, North Carolina, verhaftet.

von
gux
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Der mutmassliche Neunfach-Mörder Dylann Roof ist am 19. Juni 2015 per Video im Gerichtssaal im amerikanischen Charleston erschienen. Er wurde erstmals vorgeladen. (Centralized Bond Hearing Court)

Der mutmassliche Neunfach-Mörder Dylann Roof ist am 19. Juni 2015 per Video im Gerichtssaal im amerikanischen Charleston erschienen. Er wurde erstmals vorgeladen. (Centralized Bond Hearing Court)

Keystone/AP
Dabei konnten sich die Familienangehörigen der Todesopfer direkt an Roof wenden. Einige vergeben ihm und hoffen, dass er für seine Taten Reue zeigt.

Dabei konnten sich die Familienangehörigen der Todesopfer direkt an Roof wenden. Einige vergeben ihm und hoffen, dass er für seine Taten Reue zeigt.

AFP/joe Raedle
Er soll in der Emmanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston neun Menschen erschossen haben: Dylann Roof (21).

Er soll in der Emmanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston neun Menschen erschossen haben: Dylann Roof (21).

Chuck Burton

Charleston, South Carolina: Dylann Roof (21) soll in der methodistischen Emanuel-Kirche neun Schwarze, drei Männer und sechs Frauen, erschossen haben. Danach floh er. Rund 20 Stunden nach der Tat ist es der Polizei gelungen, Roof im etwa 1300 Kilometer entferten Shelby, North Carolina, zu fassen. Justizministerin Loretta Lynch bestätigte die Festnahme.«Ich kann bestätigen, dass ein Verdächtiger in Gewahrsam ist», sagte Lynch am Donnerstag. Einzelheiten nannte sie nicht.

US-Medien berichten unter Berufung auf Polizeiquellen, Roof sei während einer Verkehrskontrolle gefasst worden. Polizeichef Greg Mullen bestätigte auf einer Pressekonferenz, ein Bürger habe Roof in seinem Wagen erkannt und die Polizei alarmiert. Er habe sich widerstandlos festnehmen lassen. Man gehe davon aus, dass er als Einzeltäter agierte.

Bereits in der Nacht hatten die Ermittler Aufnahmen einer Überwachungskamera ausgewertet und der Öffentlichkeit den Täter mit seinem schwarzen Fluchtauto präsentiert. Polizeichef Greg Mullen hatte die Öffentlichkeit zur Vorsicht aufgerufen, wie «The Post and Courier» berichtet.

«Ihr nehmt uns unser Land. Ihr müsst verschwinden»

Überlebende der tödlichen Attacke berichteten, Roof habe sich über eine Stunde lang in der Kirche aufgehalten, bevor er seine Waffe zückte und schoss. Wie «Post and Courier» unter Berufung auf eine Augenzeugin berichtet, habe der Schütze sie verschont, damit sie der Welt erzählen könne, was passiert sei.

Roof soll zudem gesagt haben, dass er gekommen sei «um Schwarze zu erschiessen». Die Überlebende des Attentates erzählt, der 21-Jährige habe erklärt: «Ich muss es tun. Ihr vergewaltigt unsere Frauen. Ihr nehmt uns unser Land. Ihr müsst verschwinden.»

Wie lokale Medien berichten, war Roof aktenkundig: Er sass wegen Kokainbesitzes in Haft. Irritierend: Auf seinem Facebook-Account wird ersichtlich, dass Roof mit vielen Afroamerikanern befreundet war.

Kirche mit hoher Symbolkraft

Der Anschlag hat hohe Symbolkraft: Die Emmanuel African Methodist Episcopal Church ist in den Südstaaten nicht nur die ältesten Kirche ihrer Art, sie wurde seit ihrer Gründung 1816 auch zum Symbol gegen den Südstaaten-Rassismus: Bis 1865 hielten Schwarze hier im Geheimen die ansonsten für sie verbotenen Gottesdienste ab. 1822 wurde die Kirche von weissen Rassisten niedergebrannt und 1834 wieder aufgebaut.

Drei Überlebende – und ein Kind, das sich tot stellte?

Acht Personen starben noch am Tatort im Stadtzentrum, ein neuntes Opfer verstarb im Krankenhaus. Wie die Polizei an der Pressekonferenz mitteilte, überlebten drei Anwesende die Attacke. Medienberichte, wonach ein fünfjähriges Kind sich tot stellte, um dem Schützen zu entkommen, bestätigte sie nicht.

Unter den Todesopfern ist laut New York Times Clementa Pinckney, demokratischer Senator im Landesparlament. Der 41-Jährige war zudem Pfarrer an der Emanuel-Kirche, die zu den ältesten Kirchen im Süden der USA gehört. Auch Pinckneys Schwester soll den Angriff nicht überlebt haben.

Die Polizei spricht mittlerweile offen von einem «Hate crime»: «Wir gehen von einem Verbrechen aus Rassenhass aus», so Polizeichef Mullen.

Entsetzen im ganzen Land

«Der einzige Grund, warum jemand in eine Kirche geht und betende Menschen erschiesst, ist Hass», sagte Bürgermeister Joseph P. Riley. «Es ist die hinterhältigste Tat, die man sich vorstellen kann, und wir werden diese Person vor Gericht bringen.» Die Eindrücke vom Tatort bezeichnete er als «das Schlimmste, das ich je gesehen habe.» Die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, teilte am Donnerstagmorgen mit, dass man die Motive für solch eine Tat in einer Kirche niemals verstehen können werde.

#PrayforCharleston macht auf Twitter die Runde. Mehrere Präsidentschaftskandidaten, darunter Hillary Clinton und Jeb Bush, sowie Celebritys wie Taylor Swift und Solange Knowles bekundeten via Twitter ihr Entsetzen über die Tat. Viele User monierten, dass sich der US-Präsident zu der Tragödie noch nicht zu Wort meldete. Mittlerweile hat das Weisse Haus angekündigt, dass sich der Präsident um 15:45 Uhr Ortszeit zu der Tragödie äussern wolle.

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