Recklinghausen: Polizei findet miefende Box in Wohnung von Lars H.
Aktualisiert

RecklinghausenPolizei findet miefende Box in Wohnung von Lars H.

Unfreundlich, seltsam, ein Messie: Eine zweite Hausdurchsuchung und die Befragung der Nachbarn zeichnet ein Bild des 44-jährigen Lars H., in dessen Wohnung Marvin K. entdeckt wurde.

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Marvin K. wurde am 20. Dezember 2019 im Schrank eines Mannes gefunden, gegen den Beamte des Fachkommissariats für Sexualdelikte ermittelten.

Marvin K. wurde am 20. Dezember 2019 im Schrank eines Mannes gefunden, gegen den Beamte des Fachkommissariats für Sexualdelikte ermittelten.

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Mit einem Aufruf suchte die Polizei in der Sendung «Aktenzeichen XY» nach Marvin. Dabei ging offenbar ein wichtiger Hinweis ein.

Mit einem Aufruf suchte die Polizei in der Sendung «Aktenzeichen XY» nach Marvin. Dabei ging offenbar ein wichtiger Hinweis ein.

Die Mutter konnte Marvin nach zweieinhalb Jahren wieder in die Arme schliessen.

Die Mutter konnte Marvin nach zweieinhalb Jahren wieder in die Arme schliessen.

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Die Polizei von Nordrhein-Westfalen führte am Samstag weitere Durchsuchungen in jener Wohnung in Recklinghausen durch, in der am Tag zuvor der 15 Jahre alte Marvin K. entdeckt wurde. Die Behörden hatten die Wohnung des 44-jährigen Lars H. am Freitag untersucht, weil gegen den Mann der Verdacht auf Kinderpornografie besteht. Dabei entdeckten die Beamten durch Zufall Marvin versteckt in einem Schrank.

Was fand die Polizei bei der zweiten Durchsuchung?

Am Samstagmorgen rückte die Polizei mit einem Lastwagen an, um die Wohnung von Lars H. leerzuräumen und Beweismittel sicherzustellen. Die Beamten mussten allerdings einen Mundschutz tragen: Im Treppenhaus soll es laut «Bild-Zeitung» stark nach Urin gerochen haben. Zudem sollen die Ermittler in Hs. Wohnung im dritten Stock Kartons mit einem stinkenden Inhalt entdeckt haben. Unter den Dutzenden von Schachteln, die die Polizei räumte, waren einige, aus denen eine undefinierbare Substanz tropfte. In einer weiteren Box soll es Kinderwindeln gehabt haben, wie «Focus» berichtet. Die Kriminaltechniker beschlagnahmten auch Müllsäcke, ein Trolley und Wäschekörbe.

«Jeder Quadratmeter der Wohnung wird von uns auf links gedreht», sagte ein Polizeisprecher. Wenn die Räume weitgehend leer geräumt seien, soll auch ein Datenspürhund zum Einsatz kommen. Die ersten beschlagnahmten Geräte und Datenträger werden bereits ausgewertet.

Wer ist Lars H.?

Der 44-jährige Lars H. lebte seit rund zehn Jahren in der Wohnung seines 77-jährigen Vaters. Dieser soll die Miete bezahlt haben. Vor einigen Jahren habe H. noch als Hausmeister in einem Altenheim gearbeitet. Auch habe er regelmässig bei einem Sportverein geholfen, berichtet «Bild». Beide Stellen verlor er aber von einem Tag zum anderen. Seither soll der Mann mit der Stoppelfrisur und dem glatt rasierten Gesicht arbeitslos gewesen sein. Die völlig zugemüllte Wohnung soll er nur selten verlassen haben.

Was wussten die Nachbarn?

Die Nachbarn beschreiben den 44-Jährigen als «einen seltsamen Typ», der sich immer jünger ausgegeben habe, als er war. «Er hing auch viel mit Männern Anfang 20 herum», sagt der 55-jährige Peter M., dessen 38-Quadratmeter-Wohnung direkt an die durchsuchte Wohnung angrenzt, zu «Bild». Im Mehrfamilienhaus kam auch immer wieder der Verdacht auf, dass H. seinen Vater schlug. «Ab und zu hörte man Schreie. Aber es war der Alte, kein jüngerer Mann», behauptet Peter M.

Keiner der Nachbarn habe Marvin K. jemals gesehen. Eine Nachbarin sagt zu «RTL»: «Alle sind geschockt, dass sowas hier in der Nachbarschaft passiert. Der Herr H. war früher oft betrunken und sein Vater kann schon länger nicht richtig laufen. Die waren zuletzt immer total unauffällig», sagt die Frau. Ein anderer Nachbar erzählt, dass Lars H. immer sehr unfreundlich gewesen sei.

Wo ist Marvin jetzt?

Der 15-jährige Marvin wurde nach einer ersten Befragung durch die Polizei ins Spital gebracht, wo sein psychischer Zustand fachärztlich untersucht wird.

Am Samstagabend hat der Haftrichter einen Haftbefehl wegen «einer schwerwiegenden Sexualstraftat» gegen den verdächtigen Lars H. erlassen.

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