Aktualisiert 04.02.2013 16:33

Krise in Ägypten

Polizei foltert jungen Aktivisten zu Tode

Die jüngsten Demonstrationen in Ägypten haben zwei Todesopfer gefordert. Ein Demonstrant wurde nicht wie behauptet bei einem Autounfall getötet, sondern gefoltert. Der andere erschossen.

Die jüngsten Krawalle in Ägypten haben zwei weitere Todesopfer gefordert. Lokale Medien berichteten, der junge Aktivist Mohammed al-Guindi sei im Al-Hilal-Spital in Kairo am Montag an den Folgen schwerer Misshandlungen gestorben.

Er gehörte zur Bewegung des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Hamdien Sabahi. Guindi war während der Proteste gegen die islamistische Regierung am zweiten Jahrestag der «Revolution des 25. Januar» mit einem Polizeioffizier aneinandergeraten.

Der 28-Jährige verschwand und soll später in ein Gefängnis der Ordnungspolizei gebracht worden sein. Vor einer Woche wurde er bewusstlos und mit inneren Blutungen in ein Spital eingeliefert. Das Innenministerium gab an, er habe einen Autounfall gehabt.

In sozialen Netzwerken kursierten Fotos des Mannes, die ihn mit blauen Flecken und Schlagspuren im Gesicht im Bett liegend zeigen. Nach Oppositionsangaben ergab ein vorläufiger medizinischer Bericht, dass Guindi mit harten Gegenständen geschlagen und mit Elektroschocks traktiert wurde und gebrochene Rippen hatte.

Auf Twitter und Facebook wird Guindi bereits als Symbol des Kampfes gegen Polizeigewalt verehrt. Mehrere Hundert Menschen versammelten sich auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo, um an seinem Totengebet teilzunehmen.

Zweiter Aktivist gestorben

Der 20-jährige Amr Saad, ein weiteres Mitglied der Volksbewegung, starb gemäss Informationen der Zeitung «Al-Masry Al-Youm» an den Folgen einer Schussverletzung.

Diese hatte er sich bei einer Strassenschlacht zwischen Demonstranten und der Polizei vor dem Präsidentenpalast zugezogen. Damit sind in Ägypten, wo sich die regierenden Muslimbrüder und die säkulare Opposition bekämpfen, seit dem «Revolutionsjubiläum» am 25. Januar 55 Menschen bei Krawallen ums Leben gekommen.

Lage in Nord-Sinai angespannt

Unbekannte beschossen nach Informationen aus Sicherheitskreisen am Montag den zivilen Flughafen der ägyptischen Stadt Al-Arisch. Verletzt wurde offenbar niemand. Die Angreifer hätten eine Panzerfaust eingesetzt, hiess es. Der Flughafen blieb geöffnet. Ein Armeesprecher dementierte den Bericht über den Angriff.

Die Sicherheitslage in der Provinz Nord-Sinai, die an Israel und den Gazastreifen grenzt, ist seit dem Sturz des Regimes von Präsident Hosni Mubarak im Februar 2011 schlecht.

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) rät von allen Reisen in den Norden der Sinai-Halbinsel ab. Auch von Individualreisen ins Innere des Sinai wird abgeraten. (sda)

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