Frauentag-Demo in Basel: 14-Jährige in Handschellen abgeführt – das sagt die Polizei
Aktualisiert

Frauentag-Demo in Basel14-Jährige in Handschellen abgeführt – das sagt die Polizei

Die Demonstration zum Internationalen Frauentag am Montag verlief in Basel friedlich. Im Nachgang kam es zu Personenkontrollen, bei denen das Mädchen angehalten und auf den Polizeiposten gebracht worden ist.

von
Steve Last

Die Polizei versperrte den Demonstrierenden zunächst den Weg, liess sie dann aber ziehen.

20 Minuten/Alexia Mohanadas

Darum gehts

  • Am Montag kam es anlässlich des Internationalen Frauentages zu Demonstrationen in der Schweiz.

  • Die Kundgebung in Basel war nicht bewilligt und wurde von der Polizei beobachtet, jedoch nicht aufgelöst.

  • Nach der Demonstration kam es zu Personenkontrollen. Laut der «bz» wurde dabei ein 14-jähriges Mädchen in Handschellen abgeführt.

Rund 1000 Aktivistinnen demonstrierten am Montagabend anlässlich des Internationalen Frauentags in Basel. Wie die «bz» am Mittwoch schreibt, wurde im Nachgang eine Gruppe von sechs Mädchen von der Polizei kontrolliert und danach eine 14-Jährige in Handschellen abgeführt.

Die Gruppe sei «jolend und lachend» über den Rümelinsplatz gerannt, ein Kastenwagen habe ihnen daraufhin beim Gerbergässlein den Weg abgeschnitten. Nachdem die Polizei festgestellt habe, dass es sich um Teilnehmerinnen der Demonstration handelt, seien sieben weitere Fahrzeuge mit 30 Polizeiangehörigen in Vollmontur angerückt.

Polizei erklärt Kräfteverhältnis

Die Polizei geht aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht auf den Einzelfall ein, wie die Zeitung weiter schreibt. Im Allgemeinen heisst es jedoch, dass aus der Erstmeldung nicht immer ersichtlich sei, was für eine Situation herrsche und was für Personen angetroffen werden würden. Deshalb könne es vorkommen, dass gleich mehrere Einheiten zu einer Kontrolle anrückten.

Zur «bz» sagt eine der Betroffenen: «Wir haben keinen Widerstand geleistet. Dennoch sprach eine Polizistin über Funk von uns als ‹flüchtige Demonstrantinnen›». Wovor die Demonstrantinnen geflüchtet sein sollen, ist indes nicht ersichtlich.

Spraydosen im Rucksack

Bei einer der Kontrollierten habe die Polizei originalverpackte Spraydosen im Rucksack gefunden. Die 14-Jährige sei daraufhin in Handschellen abgeführt, jedoch noch am gleichen Abend wieder freigelassen worden.

Auf Anfrage von 20 Minuten schreibt Polizeisprecher Martin Schütz, dass insgesamt zwei Personen für eine vertiefte Personenkontrolle auf den Posten gebracht worden seien. Die eine werde verdächtigt, an Sprayereien entlang der Demo-Route beteiligt gewesen zu sein, der anderen drohe eine Anzeige wegen Hinderung einer Amtshandlung.

Aktivistinnen kritisieren die Polizei

Die Gruppe «Feministischer Streik Basel» kritisiert auf Social Media die Polizei.

Die Gruppe «Feministischer Streik Basel» kritisiert auf Social Media die Polizei.

Screenshot Facebook

In einem Facebook-Post kritisiert die Gruppe «Feministischer Streik Basel» das Vorgehen der Polizei. Neben dem von der «bz» beschriebenen, sehr einseitigen Kräfteverhältnis fragen sich die Aktivistinnen, ob die Polizei nun dazu übergegangen sei, Kundgebungen gewähren zu lassen, um dann im Nachgang Einzelpersonen «einzuschüchtern». Gegenüber 20 Minuten dementiert Schütz einen Strategiewechsel: «Es gab in den vergangenen Jahren vor, während und nach Kundgebungen immer wieder Personenkontrollen», schreibt er.

Gemäss dem Post soll einer der Angehaltenen auch ein Rucksack mit einem Asthmaspray weggenommen worden sein. Die Verfasserinnen zeigen sich empört. Dazu schreibt Schütz, dass die betroffene Person nie alleine war und während der «ruhig verlaufenden Personenkontrolle» auf dem Posten nicht nach einem Asthmaspray gefragt habe.

Auch prangert die Gruppe an, dass die Polizei ihnen nicht gesagt habe, wohin sie ihre Mindejährige Freundin bringen würden. Damit wäre sie nach der Kontrolle gewissermassen nachts alleine in der Stadt gestrandet gewesen. Das erklärt Schütz damit, dass bei Minderjährigen die Erziehungsberechtigten die Ansprechpersonen für die Polizei seien.

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