Kloten ZH: Polizei gefährlich überholt
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Kloten ZHPolizei gefährlich überholt

In Kloten hat der Lenker eines Lastwagens ausgerechnet ein ziviles Fahrzeug der Stadtpolizei Kloten gefährlich überholt. Vor Obergericht hatte die Unschuldsversion des Angeklagten keine Chance.

von
Attila Szenogrady

Es war am 3. Juni 2008, als der heute 44-jährige Angeklagte am Vormittag mit seinem bereits entladenen Lastwagen über die Schaffhauserstrasse in Kloten fuhr. Offenbar hatte es der Schweizer Staatsangehörige eilig. So setzte er vor der Verzweigung mit dem Waldeggweg trotz einer unübersichtlichen Kurve zu einem Ueberholmanöver an.

Polizeifahrzeug überholt

Der LKW-Chauffeur drückte auf das Gaspedal und fuhr an einem zivilen Fahrzeug der Stadtpolizei Kloten vorbei. Dann wollte er auch noch einen Abschleppwagen überholen. Doch dann sah er, wie plötzlich auf der Gegenfahrbahn ein korrekt entgegenkommender Personenwagen auftauchte. Um eine Frontalkollision zu vermeiden, musste der unschuldige Automobilist stark abbremsen und ganz nach rechts an den Strassenrand ausweichen. Kurz darauf befanden sich mit dem Laster, dem Abschleppkonvoi sowie dem Personenwagen gleich drei Fahrzeuge auf gleicher Höhe.

Langwieriges Strafverfahren

Da der von der Polizei verzeigte Lastwagenfahrer in der Folge ein grobes Verkehrsdelikt in Abrede stellte, kam es zu einem langwierigen Strafverfahren. Der erste Entscheid fiel im letzten Mai am Bezirksgericht Bülach. Es verurteilte den LKW-Chauffeur wegen fahrlässig grober Verletzung von Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 90 Franken sowie zu einer Busse von 150 Franken. Der Angeklagte und sein Verteidiger gingen in die Berufung. Nicht zuletzt aufgrund eines drohenden Entzug des Führerausweises.

Schuldspruch bestätigt

Die Verteidigung schloss ein grobfahrlässiges Vergehen seines Klienten aus und fügte bei, dass der Platz für das Ueberholmanöver gereicht hätte. So sei es vielmehr das entgegenkommende Fahrzeug zu schnell gefahren, führte der Rechtsanwalt aus. Es sei zudem keine erhöhte abstrakte Gefahr vorgelegen.

Vergebliche Argumente. So bestätigten die Oberrichter den Bülacher Entscheid in allen Punkten. Sie stuften das Verhalten des Angeklagten vor einer Kurve als rücksichtslos ein. «Auch wenn sie im Lastwagen zwei Meter weiter oben sitzen würden, können sie nicht um die Ecke sehen», erklärte der Gerichtsvorsitzende Peter Marti dem Angeklagten. Die Richter sprachen von einer gravierenden Fehleinschätzung.

Es wird teuer

Aufgrund der Bestätigung des Schuldspruchs wird es für den Chauffeur teuer. So muss er für sämtliche bisher aufgelaufenen Gerichtskosten von rund 4000 Franken aufkommen. Nicht eingerechnet die Anwaltskosten seines bisher erfolglosen Verteidigers.

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