Polizei geht gegen Demonstranten in Venezuela vor
Aktualisiert

Polizei geht gegen Demonstranten in Venezuela vor

Nach der Abschaltung eines regierungskritischen Fernsehsenders ist es in Venezuela zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen.

Die Sicherheitskräfte gingen am Montag mit Tränengas und Wasserwerfern gegen etwa 5.000 Kundgebungsteilnehmer vor.

Diese versammelten sich anschliessend auf einem anderen Platz in der Hauptstadt Caracas und skandierten «Freiheit». Einige warfen Steine und Flaschen auf die Polizei, die wiederum Tränengas einsetzte. Der linksgerichtete Präsident Hugo Chavez hatte die Lizenz für Radio Caracas Television (RCTV) nicht verlängert, weil der Sender im vergangenen Jahr eine Protestbewegung gegen ihn unterstützt hatte, die nach Regierungsangaben auch Putschpläne verfolgte.

Mindestens drei Demonstranten und ein Polizist wurden verletzt. Auch in der Universitätsstadt Valencia kam es am Montag zu Protesten, bei denen vier Studenten verletzt wurden.

Der RCTV-Moderator Miguel Angel Rodriguez rief bei der Kundgebung in Caracas: «Sie werden uns nicht zum Schweigen bringen!» Auf der Frequenz von RCTV strahlte aber bereits ein neuer staatlicher Sender, TVES, sein Programm aus, begleitet von Lobliedern auf die Regierung.

Die Regierung forderte am Montag die Staatsanwaltschaft auf, gegen einen anderen Fernsehsender zu ermitteln. Globovision habe mit «unterschwelligen Botschaften» zur Ermordung des Präsidenten aufgerufen. Informationsminister Willian Lara erklärte, der Sender habe Bilder des Anschlags auf Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz 1981 mit dem Refrain eines Salsa-Liedes unterlegt, in dem es heisst: «Hab' Vertrauen, dies endet nicht hier».

Der Chef von Globovision, Alberto Federico Ravell, wies den Vorwurf als lächerlich zurück. Sein Sender ist nach dem Aus von RCTV die grösste der Opposition nahestehende Rundfunkstation, wenn er auch nicht in allen Teilen des Landes zu empfangen ist.

Lara kritisierte auch den US-Sender CNN, weil dieser Bilder eines mutmasslichen Al-Kaida-Führers und Chavez' nebeneinander gestellt habe. Dies gehöre zu dem Versuch, den venezolanischen Präsidenten mit Terrorismus in Verbindung zu bringen. Auch in diesem Fall solle sich die Justiz einschalten, verlangte der Informationsminister. (dapd)

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