Verkehrssicherheit: Polizei geht gegen Mängel-Cars vor

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VerkehrssicherheitPolizei geht gegen Mängel-Cars vor

Geborstene Frontscheiben, defekte Bremsen und Chauffeure, die 15 Tage am Stück arbeiten: Die Polizei sieht bei Reisecarkontrollen Haarsträubendes.

von
msa
Bei einer Reisecarkontrolle der Kantonspolizei Nidwalden wurden an mehreren Fahrzeugen erhebliche Mängel festgestellt.

Bei einer Reisecarkontrolle der Kantonspolizei Nidwalden wurden an mehreren Fahrzeugen erhebliche Mängel festgestellt.

Die Kantonspolizei Nidwalden kontrollierte am Freitagabend insgesamt zehn Reisecars. Drei der Fahrzeuge musste sie wegen erheblichen Mängeln aus dem Verkehr ziehen. So wurde ein Car aus Rumänien wegen einer defekten Bremse an der Hinterachse und einem abgelaufenen Reifen aus dem Verkehr gezogen. Bei weiteren zwei im Ausland immatrikulierten Reisecars wurde wegen erheblicher Mängel an der Fahrzeugbereifung und Treibstoffverlust die Weiterfahrt verhindert, wie die Polizei am Samstag mitteilte.

Mehrere Chauffeure verstiessen zudem gegen die Arbeits- und Ruhezeitverordnung und wurden anzeigt. Einer der Chauffeure hatte vor etwa zwei Monaten die letzte korrekte Wochenendruhezeit eingehalten und fuhr in einem Fall 15 Tage ohne einen freien Tag.

Mängel-Cars auch in anderen Kantonen

Verschiedene Kontrollen im Oktober zeigten, dass Mängel an Cars immer wieder festgestellt werden. So wurden Mitte Oktober bei einer Kontrolle der Luzerner Polizei von zehn Cars ebenfalls zwei an der Weiterfahrt gehindert. Beide Cars hatten Mängel an den Bremsanlagen. Auch die Kantonspolizei Obwalden führte kürzlich eine Schwerverkehrskontrolle durch und stiess dabei auf mangelhafte Busse. Hier mussten von 22 Fahrzeugen sieben aus gestoppt werden.

Menschliches Drama steht im Vordergrund

Dario Habermacher von der Verkehrs- und Sicherheitspolizei der Kantonspolizei Nidwalden sieht Handlungsbedarf: «Wir nehmen unseren Auftrag, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, ernst und machen deshalb viele Kontrollen, auch im Schwerverkehr.» Reisende, die einen Car-Service in Anspruch nehmen, würden den Unternehmen vertrauen. Für sie sei es schwierig zu beurteilen, ob ein Fahrzeug sicher ist oder nicht. So viele Mängel, wie bei der Kontrolle am Freitag festgestellt worden sind, seien eher ungewöhnlich, so Habermacher weiter. Im Falle des Chaffeurs, der 15 Tage ohne freien Tag gefahren sei, spiele der Zeitdruck auch eine grosse Rolle: «Meistens begleiten die Chauffeure eine Reisegruppe auf einer Europa-Tour und da sind kaum Pausen vorgesehen.»

Markus Knauss, Verkehrsexperte und Co-Geschäftsführer des VCS Zürich sagt, dass Mängel an Reisecars gravierende Auswirkungen haben können: «Das menschliche Drama steht bei einem möglichen Unfall im Vordergrund. Es sind auf einen Schlag 30 bis 40 Personen betroffen.» Er sieht Potenzial an den Landesgrenzen: Mangelhafte Cars könnte man bereits dort aus dem Verkehr ziehen.

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