Aktualisiert 22.04.2014 16:27

FCZ vs. PolizeiPolizei glaubt nicht an «Krawalltouristen»

Nach den Gewaltakten am Rand des Cupfinals in Bern ist eine Kontroverse um die Urheberschaft entbrannt. Der FC Zürich nimmt seine Fans in Schutz – die Polizei widerspricht.

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sda/tok

Insgesamt 45 Teilnehmer des Zürcher Fanmarschs waren am Ostermontag festgenommen worden. 15 von ihnen – zumeist Zürcher unter 30 Jahren – verbrachten die Nacht zum Dienstag in Polizeihaft. Mittlerweile sind alle Personen wieder auf freiem Fuss.

Dutzende «Fans» müssen aber mit einer Anzeige rechnen, wie Manuel Willi, Chef der Regionalpolizei Bern, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Vorgeworfen wird ihnen Landfriedensbruch, Plünderung, Körperverletzung, Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie Sachbeschädigung.

Der FC Zürich bedauert die Vorfälle, wie Martin Guglielmetti als Sicherheitsverantwortlicher sagte. Verantwortlich seien rund 50 Personen, die nicht zum FCZ-Fanlager gehörten. Sie seien im Extrazug nach Bern gefahren, hätten sich dann vermummt und seien zusammen mit den friedlichen Fans durch die Innenstadt gezogen. «Der FCZ und seine Fans wurden missbraucht.»

Dies bestätigte auch ein Augenzeuge, welcher sich an 20 Minuten gewandt hat. Unter den Chaoten hätten sich angeblich auch Hooligans aus Italien und Deutschland befunden, welche nichts mit dem FCZ zu tun hätten.

Polizei widerspricht

Die Polizei weist diese Darstellung als «unhaltbar» zurück. Nach ihren Erkenntnissen waren mehr als drei Viertel der Festgenommenen eindeutig Zürcher Fans, die in den einschlägigen Kreisen verkehrten, sagte Willi. Die Argumentation des FCZ zeige, dass beim Verein offenbar kein Problemverständnis vorhanden sei.

«Wenn die angeblichen Krawalltouristen mit dem Extrazug nach Bern fuhren, warum haben uns die Fan-Beauftragten dann nicht informiert?» fragte Willi. «Wieso sagte uns niemand, dass da dem FCZ unbekannte Leute mitreisen? Es fand kein Dialog statt.» Auch während des Umzugs sei die Zusammenarbeit schlecht gewesen.

Mit den Basler Fans habe es hingegen kaum Probleme gegeben. Diese seien zwar ebenfalls von der vereinbarten Route abgewichen. «Aber der Klub und die Fan-Beauftragten nahmen Einfluss auf die Fans. Bei den Zürchern war dies nicht zu erkennen.»

Cupfinal «nicht um jeden Preis»

Auch Stadtpräsident Alexander Tschäppät zeigt sich von den Ereignissen enttäuscht. «Die Stadt hat viel unternommen, um ein friedliches Fussballfest zu organisieren.» Der Gemeinderat werde die Ereignisse genau analysieren, aber ohne gross vorgreifen zu wollen, sähen die Aussichten für einen weiteren Hochrisiko-Cupfinal in Bern eher düster aus. «Die Lust auf einen weiteren brenzligen Final ist stark gesunken.»

Das Problem beim Cupfinal sei, dass der Austragungsort festgelegt wird, bevor die Finalpaarung bekannt ist. «Bei einem Final FC Thun gegen FC Luzern wäre die Austragung in Bern kein Problem», so Tschäppät

Für den kantonalen Polizeidirektor Hans-Jürg Käser ist klar, dass der Cupfinal künftig nicht mehr in Bern ausgetragen werden soll. Einmal mehr habe die Polizei den Kopf hinhalten müssen. Fünf Polizisten wurden verletzt, entweder durch Steinwürfe oder weil Fans in unmittelbarer Nähe Knallpetarden zündeten.

Die Stadt Bern habe die Fanmärsche bewilligt und so den Fans «nochmals eine Chance gegeben», stellte Käser fest. Zumindest die Zürcher Fans hätten diese Chance nicht genutzt.

Die Höhe des Sachschadens bezifferte die Polizei auf etwa 40'000 Franken. Dazu kommt das Deliktsgut aus einem geplünderten Laden.

Druck auf Verband

Käser erwartet, dass die Stadt Bern nun Regress nimmt auf den Fussballverband SFV. Als Veranstalter des Cupfinals hatte sich der SFV bereit erklärt, «je nach Ausgang des Anlasses» bis zu 200'000 Franken an die Sicherheitskosten beizutragen.

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