Aktualisiert 20.10.2011 14:36

Betrunken ausgerastetPolizei-Hasser zurück im Gefängnis

Für mehrere Auseinandersetzungen mit der Polizei wurde ein Zürcher IV-Rentner mit fünf Monaten unbedingter Haftstrafe gebüsst. Weiter konfiszierte das Gericht eine Schusswaffe.

von
Attila Szenogrady

Der Verteidiger sprach etwas beschönigend von «Vorbehalten», die der heute 41-jährige Schweizer gegen die Zürcher Stadtpolizei hege. Tatsache ist, dass der Angeklagte schon seit Platzspitz-Zeiten vor zwanzig Jahren allergisch auf die blauen Uniformen reagiert. Damals wurde der drogenabhängige Mann von den Polizeibeamten mit Gummischrot und Hunden eingeschüchtert.

Heute konsumiert der Stadtzürcher zwar kein Heroin mehr, trinkt dafür aber rund zwei Flaschen Wodka pro Tag. Zudem gerät er immer wieder an die Polizei und musste sich am Donnerstag wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie weiteren Delikten vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.

«Schon wieder die Blauen»

Die Anklageschrift setzt am 22. Mai 2010 ein. Damals kehrte der Angeschuldigte nach einer zweimonatigen Haftstrafe in seine Wohnung im Kreis 4 zurück. Er trank sich nicht nur einen Rausch an, sondern konsumierte auch Medikamente.

Am Nachmittag brach er bewusstlos zusammen, worauf seine besorgte Freundin sogleich die Sanität alarmierte. Als die Retter eintrafen, wurden sie von vier Beamten der Stadtpolizei Zürich begleitet.

Kaum erblickte der Angeklagte die Ordnungshüter in seinem Wohnzimmer, begann er diese anzufeinden: «Schon wieder die Blauen!» Dann zeigte er der anwesenden Ärztin eine alte Wunde und erklärte, dass dies seine «dritte Titte» sei. Daraufhin eskalierte die Situation. Den Polizisten gelang es, den aggressiven IV-Rentner zu Boden zu führen und zu überwältigen. Wonach er die ungeliebten Besucher massiv bedrohte und in Aussicht stellte, sie und ihre Familien umzubringen.

Rückfall nach wenigen Monaten

Bereits am 23. September 2010 folgte der nächste Vorfall. Der Angeklagte entwendete an der Bullingerstrasse ein Motorrad und fuhr damit bekifft und angetrunken durch den Kreis 4, bis eine Polizeipatrouille den Blaufahrer kurz nach Mitternacht am Albisriederplatz stoppen konnte. Allerdings mussten die Polizisten erneut Gewalt anwenden und den Rückfall-Täter unsanft zu Boden führen.

Fünf Monate Knast

Vor Gericht gab der Angeklagte die Ereignisse grundsätzlich zu, machte aber Notwehr geltend. So hätten die Polizisten seine Wohnung widerrechtlich betreten und ihn zuerst angegriffen, gab er zu Protokoll. Auch der Verteidiger verlangte einen Teilfreispruch vom Vorwurf der Gewalt und Drohung. Für die Verkehrsdelikte sei eine dreimonatige Strafe ausreichend.

Anders sah es Einzelrichterin Claudia Bühler, welche den Angeklagten umfassend für schuldig befand und ihn zu einer unbedingten Freiheitstrafe von fünf Monaten verurteilte. Verbunden mit einer ebenso unbedingten Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu zehn Franken. Das Gericht stützte sich auf die glaubhaften Wahrnehmungsberichte der Polizei ab. Zudem hatte die Freundin ihren Partner zu Beginn der Untersuchung ebenfalls belastet.

Erbstück-Karabiner eingezogen

Mehr als die Freiheitsstrafe schmerzte den Polizeihasser eine Nebensache. So liess das Gericht einen alten Karabiner des Beschuldigten aufgrund seiner Gefährlichkeit im Rauschzustand einziehen. Bei der Waffe handelte es sich um ein Erbstück, den der Beschuldigte noch von seinem Grossvater bekommen hatte.

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