Freiburg: Polizei hat die Meth-Szene tüchtig aufgemischt
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FreiburgPolizei hat die Meth-Szene tüchtig aufgemischt

Freiburg hatte seit 2015 ein immer grösser werdendes Problem mit dem Meth-Handel. Eine Taskforce der Kapo konnte nun mehrere Ringe zerschlagen und fast 70 Personen schnappen.

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ber

Florian Walser, Chef der Freiburger Kriminalpolizei, im Interview mit 20 Minuten. (Video: ber)

Die Kantonspolizei Freiburg stiess in den letzten Jahren immer wieder auf Crystal Meth. «Wir mussten feststellen, dass wir damals keinen Überblick hatten, was in diesem Bereich gerade so läuft», sagt Florian Walser, Chef der Freiburger Kriminalpolizei.

Seit 2015 kursiert die Droge in der Romandie zunehmends. «Wir hatten auch die Information, dass es in dieser Szene möglicherweise Jugendliche hat», sagt Walser.

Portugiesische Dealer brachten Stein ins Rollen

Vor einem Jahr deckte die Kantonspolizei Freiburg dann einen Teil eines Drogenrings auf. Dies brachte den Stein definitiv ins Rollen. Der Polizei gingen zwei Portugiesen, ein 40-jähriger Mann und eine 24-jährige Frau, ins Netz. Die beiden Hauptakteure des Rings hatten nicht nur mit Koks, Amphetaminen und Ecstasy gedealt, sondern auch mit mindestens einem halben Kilogramm Methamphetamin, kurz Meth.

Die Ermittlungen, die darauf folgten, zeigten, dass es im Kanton Freiburg einen umfangreichen Meth- und Thaipillen-Handel gibt. In kürzester Zeit machte die Polizei drei weitere Dealer dingfest, die zusammen 18'000 Thai-Pillen und über 2 Kilo Crystal Meth unter die Leute gebracht hatten.

Taskforce fuhr massiv ein

Daraufhin beschloss die Kantonspolizei Freiburg im August 2017, eine Taskforce ins Leben zu rufen, um mal so richtig aufzuräumen. Eine Taskforce ist ein Zusammenzug verschiedener Polizeieinheiten, die zudem eng mit einem Staatsanwalt zusammenarbeitet. Innert drei Monaten erwischte diese Sondereinheit total 69 Personen aus dem Meth-Sumpf und zeigte sie an.

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Seit 2015 kursiert die Droge Crystal Meth in der Romandie zunehmends.

Seit 2015 kursiert die Droge Crystal Meth in der Romandie zunehmends.

AP/Michael Probst
Das musste auch die Freiburger Polizei feststellen. Weil die Kapo zunächst keinen Überblick über die Szene hatte, entschied sie sich zu einer Task Force.

Das musste auch die Freiburger Polizei feststellen. Weil die Kapo zunächst keinen Überblick über die Szene hatte, entschied sie sich zu einer Task Force.

ber
In der Folge fuhr die Freiburger Polizei starkes Geschütz auf und konnte in nur drei Monaten fast 70 Personen aus dem Meth-Sumpf schnappen.

In der Folge fuhr die Freiburger Polizei starkes Geschütz auf und konnte in nur drei Monaten fast 70 Personen aus dem Meth-Sumpf schnappen.

Keystone/Lukas Lehmann

Florian Walser, Chef der Kriminalpolizei Freiburg: «Unser Ziel war es, mit einem intensiven Einsatz die Szene zu destabilisieren und zu verunsichern.» Weitere Ziele der Taskforce waren das Kennenlernen des Millieus und die Identifizierung eventueller minderjähriger Konsumenten.

Die Polizei sei bei den Ermittlungen meist nicht verdeckt zu Werke gegangen, sondern habe die Dealer «konsequent und massiv mit unserer Präsenz konfrontiert», erklärt Walser weiter. Etwas deutlicher ausgedrückt: Die Einsatztruppen fuhren richtig heftig ein.

Erste Taskforce hat Job gemacht, zweite könnte Arbeit fortführen

Die Taskforce hat fürs Erste ihren Job sauber erledigt: Im Oktober 2017 wurde die Sonder-Polizeieinheit wieder aufgelöst. Nun kümmert sich die Justiz um die Dealer. Auf jugendliche Konsumenten ist die Freiburger Polizei bisher nicht gestossen.

Von den 69 Angezeigten stehen sieben unter dringendem Verdacht, schwere Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz verübt zu haben. Staatsanwalt Philippe Barboni: «Als schwerer Fall wird der Verkauf einer Menge von zwölf Gramm oder mehr bezeichnet.» Denn damit sei es laut Gesetz möglich, die Gesundheit mehrerer Personen zu schädigen. Ein Schuldspruch bringt die Dealer für mindestens ein Jahr und mehr ins Gefängnis.

Das Problem ist aber längst noch nicht behoben. Florian Walser: «Das Milieu wird weiterhin beobachtet und wir können die gewonnenen Erkenntnisse aus den Einsätzen der ersten Taskforce in Zukunft nutzen.» Die Gründung einer weiteren Taskforce schliesst der Polizeichef nicht aus.

Methamphetamin

Methamphetamin (Synonyme: Meth, Crystal, Crystal Meth oder Ice) kann gespritzt, geschupft, geraucht oder in Pillenform geschluckt werden. Eine normale Dosis sind 0,1 Gramm. Es gehört der Familie der Amphetamine an und wurde im Zweiten Weltkrieg von deutschen Soldaten als Aufputsch-Mittel verwendet.

Meth-Konsum steigert die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit und wirkt angsthemmend. Müdigkeit, Schmerzen und Hunger werden weniger stark wahrgenommen. Die Wirkung kann mehrere Stunden anhalten.

Kurzfristig kann der Crystal-Konsum zu Paranoia, Depressionen und starker Schlaflosigkeit führen. Mittelfristig sind auch Hirnschäden, teils im irreparablen Bereich, nicht ausgeschlossen.

Neben des hohen Suchtpotentials gilt Crystal Meth als eine der gefährlichsten illegalen Drogen, da sie das zentrale Nervensystem und den Kreislauf angreift.

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