Kanton SG: Polizei hat fahrende Rentner im Visier

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Kanton SGPolizei hat fahrende Rentner im Visier

Immer mehr Senioren müssen im Kanton St. Gallen ihren Fahrausweis abgeben. Bereits heute greift die Polizei ein, wenn jemand unsicher fährt.

von
jeh
In St. Gallen müssen immer mehr Senioren ihren Fahrausweis abgeben.

In St. Gallen müssen immer mehr Senioren ihren Fahrausweis abgeben.

Die Zahl der Ausweisentzüge im Kanton St. Gallen unter den über 70-Jährigen hat deutlich zugenommen. Von 2009 bis 2013 ist sie von 171 auf jährlich 307 Fälle gestiegen, das heisst um 44 Prozent. Dies teilte das St. Galler Verkehrsamt auf Anfrage des «St. Galler Tagblatt» mit. Grund dafür ist auch, dass die St. Galler Behörden hart durchgreifen, wenn Senioren mit dem Auto einen Unfall verursachen.

Eingerechnet sind auch Ausweisentzüge, die auf Alkohol am Steuer oder Tempoüberschreitungen zurückgehen. Aber: «In der Alterskategorie kann man davon ausgehen, dass hauptsächlich medizinische Faktoren den Ausschlag gaben», sagt Kurt Häne, Leiter Massnahmen des St. Galler Strassenverkehrsamts.

Unsicheres Fahren

In St. Gallen zeichnet sich eine ähnliche Tendenz ab wie in der restlichen Schweiz. Seit 2008 wurden mehr als 80 Prozent mehr Ausweise bei über 70-Jährigen eingezogen, wie die Sendung «10 vor 10» berichtete. Als Erklärung kann das als besonders strikt geltende «Aargauer Modell» dienen. Aargauer Polizisten würden Unfallrapporte spezifisch überprüfen: Sind Senioren involviert, klären die Behörden ab, ob diese noch fahrtauglich sind. Zusätzlich hat die Polizei ein wachsames Auge: Wenn ältere Menschen mit stark verbeulten Autos unterwegs sind, erfährt möglicherweise das Strassenverkehrsamt davon.

Auch im Kanton St. Gallen ist dieses Vorgehen üblich. «Es ist nicht so, dass wir gezielt nach Senioren Ausschau halten», so Häne. Doch man schaue seit einigen Jahren eben genauer hin. Bei einem konkreten Verdacht gehen deshalb regelmässig Mitteilungen der Polizei beim Strassenverkehrsamt ein. Dies geschieht etwa zwei- bis dreimal pro Woche. Gemeldet werden dabei nicht nur Unfälle, sondern auch Beobachtungen, wenn etwa eine ältere Person sehr unsicher oder ungewöhnlich langsam fährt.

Gesellschaftliche Entwicklung

Bei anhaltendem Zweifel über die Fahrtüchtigkeit eines Seniors erhält dieser das Aufgebot für einen Check-up beim Hausarzt. Bestätigt der Arzt zum Beispiel eine starke Sehschwäche oder eine beginnende Demenz, darf der Senior nicht mehr ans Steuer. Wie Häne weiter sagt, spiele auch eine gesellschaftliche Entwicklung mit: «Senioren werden immer älter und wollen so lange wie möglich mobil bleiben.» Häne rät den Partnern oder Kindern von Betroffenen deshalb, das Thema überlegt und behutsam anzusprechen.

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