Au SG: Polizei hindert Frau am Entsorgen von Plastiksack
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Au SGPolizei hindert Frau am Entsorgen von Plastiksack

Eine 31-Jährige fütterte kürzlich mit ihrem Sohn in Au Enten. Das Brot hatte sie in einem Plastiksack. Als sie diesen leer in einen Kübel werfen wollte, schritt die Polizei ein.

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taw
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Die 31-jährige V.R. war kürzlich am Littenbach in Au SG mit ihrem Sohn Enten füttern.

Die 31-jährige V.R. war kürzlich am Littenbach in Au SG mit ihrem Sohn Enten füttern.

Google Street View
Das Brot für die Enten hatte sie in einem Plastiksack.

Das Brot für die Enten hatte sie in einem Plastiksack.

Leser-Reporter
Diesen wollte sie leer in einem Abfallkübel entsorgen.

Diesen wollte sie leer in einem Abfallkübel entsorgen.

Leser-Reporter

Am 12. Februar 2019 gegen 10.30 Uhr war V. R.* wie so oft mit ihrem 14 Monate alten Sohn in Au am Spazieren. «Ich hatte einen Plastiksack mit Brot dabei, um die Enten zu füttern», erzählt die 31-Jährige. Der Kleine habe grosse Freude an dieser Beschäftigung. Nach dem Füttern seien sie weiterspaziert, bis sie einen orangen Kübel sah, in dem sie den Plastiksack entsorgen wollte.

«In diesem Moment bog ein Polizeiauto in die Strasse ein und hielt an», so R. Einer der Polizisten habe das Fenster heruntergekurbelt und sie gefragt, was sie da mache. «Ich entsorge Müll», antwortete R., die sich über die Frage wunderte. Der Polizist habe dann zu ihr gesagt, sie solle ihren privaten Müll zu Hause entsorgen. «Darauf entgegnete ich ihm, dass das doch ein Kübel sei und der leere Sack zuvor lediglich Brot für die Enten darin hatte.»

Grosse Enttäuschung

Gezwungenermassen habe sie dann den Sack wieder mitgenommen. Sie habe den Polizisten einen schönen Tag gewünscht und sei gegangen. «Aber die Blicke der zwei werden ich nicht vergessen», so R. Sie werde das Gefühl nicht los, dass den Beamten einfach langweilig war.

Sie hätte die Intervention der Polizei ja verstanden, wenn sie den Sack auf den Boden geworfen hätte, aber sie habe den Abfall doch korrekt entsorgen wollen. «Wo liegt also das Problem?», fragt sie sich. Sie sei schwer enttäuscht von der Polizei, dass man eine Mutter mit Kind wegen so etwas anhält. Die Polizei habe sicher Wichtigeres zu tun. «Runden zu drehen in einem ruhigen Dorf und unschuldige Leute beim Müllentsorgen zu beobachten ist doch total absurd.» Für irgendetwas seien die Eimer doch da. «Für was, wenn nicht um Abfall zu entsorgen?»

Das sagt die Polizei

Auf Anfrage bei der Kantonspolizei St. Gallen heisst es, dass man den Vorfall weder bestätigen noch dementieren könne. Laut Sprecher Florian Schneider mache es aber grundsätzlich keinen Sinn, jemandem das Entsorgen eines Plastiksacks in einem öffentlichen Abfalleimer zu untersagen. Anders hätte die Situation ausgesehen, hätte jemand etwa den halben Hausrat entsorgen wollen.

Das Wegwerfen von Abfall an einem anderen Ort als einem Abfallkübel kann gemäss Übertretungsstrafgesetz mit 50 Franken (bei einzelnen Kleinabfällen) oder mit 200 Franken (mehreren Kleinabfällen) von der Polizei gebüsst werden.

Ein Problem mit illegal entsorgtem Müll hat Au SG laut der Leser-Reporterin nicht und auch der Polizei ist kein Abfallproblem bekannt.

* Name der Redaktion bekannt

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