Aktualisiert 21.03.2019 11:18

Zürcher Klassen-Chat

Polizei holt Bub (12) wegen Gewaltvideos aus Schule

Weil ein 12-Jähriger mit seinem Handy Videos von aufgeschlitzten Körpern verschickt hatte, wurde er von der Polizei aus dem Klassenzimmer abgeführt.

von
mon
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Ein 12-Jähriger verschickte auf Whatsapp Gewaltvideos mit aufgeschlitzten Körpern an seine Gspänli.

Ein 12-Jähriger verschickte auf Whatsapp Gewaltvideos mit aufgeschlitzten Körpern an seine Gspänli.

Keystone/Christian Beutler
Die Schule des Buben informierte die Polizei. Diese führte den 12-Jährigen sowie zwei weitere 1.-Sek-B-Schüler aus dem Unterricht ab.

Die Schule des Buben informierte die Polizei. Diese führte den 12-Jährigen sowie zwei weitere 1.-Sek-B-Schüler aus dem Unterricht ab.

Keystone/AP
Auch 3.-Sek-Schüler aus Elgg ZH haben in einem Chat mit dem Namen «FC NSDAP» strafrelevanten Inhalt verschickt.

Auch 3.-Sek-Schüler aus Elgg ZH haben in einem Chat mit dem Namen «FC NSDAP» strafrelevanten Inhalt verschickt.

20 Minuten

Von einem Kollegen erhielt ein 12-Jähriger zwei Gewaltvideos. Per Whatsapp hatte ihm dieser Aufnahmen von aufgeschlitzten Körpern geschickt. Ohne zu zögern leitete der Bub in einer Zürcher Gemeinde diese an seine Mitschüler im Klassen-Chat weiter. Wie er später sagte, wurde von einem anderen Schüler dazu angestachelt.

Sein Handeln blieb nicht ohne Folgen. Am nächsten Tag stand die Polizei im Schulhaus des Buben. Die Schule hatte die Polizei informiert. Wie die «Weltwoche» schreibt, führten die Beamten den 12-Jährigen sowie zwei weitere 1.-Sek-B-Schüler aus dem Unterricht ab. Seine Kollegen händigten der Polizei das Handy aus. Der 12-Jährige hatte seines nicht dabei, da er es zu Hause gelassen hatte.

Bub nach Vorfall traumatisiert

Um Beweismaterial zu sichern, fuhren die Beamten mit dem Buben im Streifenwagen zu seinem Wohnort in einer Zürcher Gemeinde. Die Eltern wurden zu keinem Zeitpunkt darüber informiert. Erst Stunden später erzählte der 12-Jährige seiner Mutter vom Vorfall.

Er ist traumatisiert, fehlte danach mehrere Tage in der Schule. Die Mutter prüft nun eine Anzeige gegen die Polizei. Für sie sei es fraglich, ob die Polizei ohne einen Hausdurchsuchungsbefehl ihre Wohnung hätte betreten dürfen.

«Es handelt sich um ein Offizialdelikt»

Doch auch für den Buben könnte es rechtliche Konsequenzen haben. Neben der Klassenlehrerin, der Schulleitung und dem Jugenddienst der Kantonspolizei hat sich auch die Jugendstaatsanwaltschaft eingeschaltet. «Es handelt sich um ein Offizialdelikt», erklärt Kapo-Sprecher Florian Frei.

Wie es im Merkblatt «Bliib suuber» – dieses informiert Lehrer über die Rechtslage – heisst, machen sich Jugendliche strafbar, wenn sie Bilder von Gewaltdarstellungen oder harter Pornographie herstellen, untereinander weitergeben oder vom Internet herunterladen. Schon der blosse Besitz sei verboten. Lehrpersonen haben somit das Recht, Schüler anzuzeigen, die ein Handy mit solchen Darstellungen auf dem Schulareal mitführen.

Kein Einzelfall

Dass es sich um keinen Einzelfall handelt, zeigt der jüngste Vorfall in Elgg ZH. Dort hatten 3.-Sek-Schüler in einem Whatsapp-Chat namens «FC NSDAP» Gewaltvideos, Pornos und radikale Äusserungen verbreitet. Gegen vier Jugendliche wurde eine Strafuntersuchung eröffnet, wie Sarah Reimann, Mediensprecherin der Jugendanwaltschaft Winterthur, sagt.

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