Norwegen - Polizei identifiziert iranischen Jungen, der im Ärmelkanal ertrank
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Norwegen Polizei identifiziert iranischen Jungen, der im Ärmelkanal ertrank

Das Kleinkind, das an Neujahr an der norwegischen Küste tot geborgen wurde, heisst Artin. Er und seine Familie starben beim Versuch, mit einem Boot von Frankreich nach England zu gelangen.

von
Philippe Coradi
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Die Leiche des Kindes, das an Neujahr an die Küste Norwegens angeschwemmt wurde, wurde identifiziert.

Die Leiche des Kindes, das an Neujahr an die Küste Norwegens angeschwemmt wurde, wurde identifiziert.

via REUTERS
Anhand des Overalls, den der Junge trug, schloss die Polizei, dass das Kind nicht aus Norwegen stammen könnte.

Anhand des Overalls, den der Junge trug, schloss die Polizei, dass das Kind nicht aus Norwegen stammen könnte.

via REUTERS
Die Heimat Artins: Die Stadt Sardasht liegt im Westen des Irans in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan. Sie zählt circa 41’000 Einwohner. 

Die Heimat Artins: Die Stadt Sardasht liegt im Westen des Irans in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan. Sie zählt circa 41’000 Einwohner.

AFP

Darum gehts

  • Ein an der norwegischen Küste tot geborgener Junge konnte nach Monaten der Suche identifiziert werden.

  • Es handelt sich dabei um das jüngste Kind einer iranischen Familie, die versuchte, über das Meer von Frankreich nach England zu gelangen.

  • Nun soll der Bub in seiner Heimatstadt im Iran begraben werden.

An Neujahr wurde an der Küste Norwegens der Körper eines Kleinkindes angespült. Nun konnte die norwegische Polizei die Identität des Buben ermitteln und bestätigte, dass es sich dabei um Artin (18 Monate) handelt, das jüngste Kind einer iranischen Familie, die versuchte, mit einem Boot die englische Küste zu erreichen.

Mit Schleppern bis nach Frankreich

Artins Reise begann am 7. August 2020 im Iran. Da war er 15 Monate alt. Er und seine Familie verliessen ihr Daheim in Sardasht in Richtung Türkei. Von dort aus wurden sie von Schleppern per Fähre nach Italien gebracht und auf dem Landweg gelangten sie an die Küste Nordfrankreichs.

Vom französischen Dünkirchen aus bestieg die Familie ein Boot mit dem Ziel England. Es kenterte noch im Ärmelkanal, die gesamte Familie ertrank dabei, Vater Rasoul und Mutter Shiva, (35) sowie die Geschwister Anita (9) und Armin (6) konnten noch im Oktober 2020 tot geborgen werden.

Kleidung gab Anhaltspunkte

Artin allerdings nicht, er wurde erst an Neujahr an der Küste von Karmoy in Norwegen gefunden. Die norwegische Polizei konnte den Buben vorerst nicht identifizieren, sie hatten zu dieser Zeit keine Anhaltspunkte, dass ein Kind vermisst wurde. Anhand der Kleidung, die Artin trug, konnten sie Rückschlüsse auf seine Identität ziehen.

Eine Tante von Artin sagte am Montag gegnüber «BBC»: «Ich bin sowohl glücklich, als auch traurig. Glücklich, dass Artins Überreste endlich gefunden wurden, und traurig, dass er uns für immer verlassen hat.»

Shavin, eine zweite Tante, die in der Schweiz lebt, sagte, sie wolle, dass Artin «mit seiner Familie wiedervereint wird». Sie will sich um alle Formalitäten kümmern, damit Artins Überreste nach Sardasht zurückgebracht werden könnten.

In das Boot gestiegen war die Familie wahrscheinlich aus finanziellen Gründen. Laut «BBC» hatten sie ihr gesamtes Hab und Gut verkauft und für die Reise 22’000 Pfund (gut 26’000 Franken) ausgegeben. Einer Textnachricht der Mutter zufolge hatte sie vor der Überfahrt Angst, aber kein Geld mehr für die Weiterreise per Lastwagen.

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