Rassistischer Komiker: Polizei ist für Dieudonnés Auftritt gewappnet

Aktualisiert

Rassistischer KomikerPolizei ist für Dieudonnés Auftritt gewappnet

In Frankreich waren mehrere Auftritte des Komikers Dieudonné verboten worden. Wenn der Antisemit heute Abend in Nyon VD sein Programm aufführt, wird auch die Polizei vor Ort sein.

Nach einer langen Kontroverse in Frankreich tritt der umstrittene Komiker Dieudonné am Montagabend in Nyon auf. Die Stadt gewährte die Aufführung, kündigte aber an, verbale Entgleisungen bei der Justiz anzuzeigen. Die Vorführung soll aufgenommen werden.

Mitte Januar gab die Stadtregierung bekannt, die Aufführungen nicht zu verbieten. Sie begründete dies damit, dass das Bundesgericht das Recht auf Meinungsäusserungsfreiheit den Aufführungsverboten vorgezogen habe.

Trotz der Bewilligung heisse die Stadt jedoch Provokationen oder verbale Entgleisungen des Komikers nicht gut. Sie verurteile klar sämtliche rassistischen oder antisemitischem Äusserungen.

Polizei wird vor Ort sein

Falls es zu unerlaubten Äusserungen im Sinne der Strafnorm gegen Rassendiskriminierung kommen, würden diese bestraft. Die Aufführungen werden aufgenommen. Die Polizei will die Veranstaltung ebenfalls vor Ort verfolgen, machte aber keine Angaben zum Einsatz.

Der französisch-kamerunische Komiker Dieudonné M'bala M'bala ist noch bis am Mittwoch sowie Anfang März insgesamt zehnmal in Nyon zu sehen, jeweils zweimal pro Abend. Sämtliche Vorstellungen sind seit Wochen ausverkauft.

Auftrittsverbote in Frankreich

In Frankreich waren in den vergangenen Wochen mehrere Auftritte des Komikers wegen Antisemitismus verboten worden. Die Städte Nantes, Tours und Orléans verboten Auftritte mit dem Programm «Le Mur». Diese Verbote wurden vom obersten Verwaltungsgericht Frankreichs bestätigt.

Darauf schrieb Dieudonné innert kürzester Zeit das neue Programm «Asu Zoa». Das bedeutet in der Kamerun gesprochenen Sprache Ewondo «Das Gesicht des Elefanten».

Dieudonné war in den 1990er-Jahren mit Erfolg zusammen mit dem jüdischen Komiker Elie Semoun aufgetreten. In letzter Zeit macht er eher durch Antisemitismus auf sich aufmerksam.

Er ist auch für den sogenannten Quenelle-Gruss bekannt. Für die einen gilt dieser als Protest gegen das politische System, für andere handelt es sich eine antisemitische Geste und wird mit dem Hitler-Gruss in Verbindung gebracht.

CICAD protestiert vor Theater

Die Genfer Koordinationsstelle gegen Antisemitismus und Diffamierung (CICAD) wird einen Stand vor dem Theater in Nyon aufstellen, um gegen die «Verharmlosung des antisemitischen Diskurses» zu kämpfen.

Nach Ansicht der CICAD ist Dieudonné nicht ein umstrittener Komiker, sondern der Anführer einer bunt zusammengewürfelten antisemitischen Bewegung geworden. (sda)

Deine Meinung