Racial Profiling in Zürich: Polizei kontrolliert Dunkelhäutigen, weil er Blick abwandte

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Racial Profiling in ZürichPolizei kontrolliert Dunkelhäutigen, weil er Blick abwandte

Die Stadtpolizei Zürich wird vom Verwaltungsgericht gerügt. Beamte hatten im Hauptbahnhof einen Mann mit dunkler Hautfarbe kontrolliert – ohne Verdachtsmoment.

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Das Zürcher Verwaltungsgericht befasste sich mit einem Fall von Racial Profiling.

Das Zürcher Verwaltungsgericht befasste sich mit einem Fall von Racial Profiling.

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Es rügt die Stadtpolizei Zürich, weil Beamte einen Mann ohne konkretes Verdachtsmoment kontrolliert hatten.

Es rügt die Stadtpolizei Zürich, weil Beamte einen Mann ohne konkretes Verdachtsmoment kontrolliert hatten.

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Der Mann hatte sich gegen eine Busse gewehrt – er hatte sich bei der Kontrolle geweigert, sich auszuweisen.

Der Mann hatte sich gegen eine Busse gewehrt – er hatte sich bei der Kontrolle geweigert, sich auszuweisen.

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Darum gehts

  • Die Stadtpolizei Zürich hat 2015 am Hauptbahnhof einen Mann mit dunkler Hautfarbe kontrolliert.

  • Das Zürcher Verwaltungsgericht rügt nun in einem Urteil die Stadtpolizei.

  • Der Mann sei ohne konkretes Verdachtsmoment kontrolliert worden.

Das kantonale Verwaltungsgericht rügt die Zürcher Stadtpolizei: Die Personenkontrolle eines dunkelhäutigen Mannes nur wegen seiner Blickrichtung war laut den Richtern rechtswidrig. Der Mann sei ohne konkretes Verdachtsmoment kontrolliert worden.

Ausschlaggebend für die Kontrolle war, dass der Mann im Hauptbahnhof von einer Polizeipatrouille den Blick abgewendet haben soll, wie das Verwaltungsgericht am Mittwoch mitteilte. Auch an einem Ort wie dem Hauptbahnhof, wo vermehrt mit Delinquenz zu rechnen sei, genüge das blosse Abwenden des Blicks aber nicht, um eine Identitätskontrolle auszulösen. Das gelte ungeachtet der Hautfarbe.

Gegen Busse beschwert

Die kritisierte Personenkontrolle fand bereits im Jahr 2015 statt. Da der betroffene Mann den Grund für die Personenkontrolle allein seiner dunklen Hautfarbe zuschrieb, hielt er die Kontrolle für ungerechtfertigt. Er weigerte sich deshalb, sich auszuweisen. Dafür wurde er gebüsst.

Gegen die Busse erhob der Mann Beschwerde. Er verlangte zudem, es sei festzustellen, das die Kontrolle widerrechtlich durchgeführt worden sei. Der Stadtrat von Zürich und danach das Statthalteramt wiesen das Begehren ab. Das Verwaltungsgericht hiess die Beschwerde nun aber gut, wie dem am Mittwoch publizierten Urteil zu entnehmen ist.

Kontrollen nur wegen Hautfarbe diskriminierend

Kontrollen von Personen wegen eines «verpönten Merkmales» wie Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder religiöser Überzeugung seien zwar «nicht absolut ausgeschlossen», schrieb das Verwaltungsgericht. Die Kontrolle allein aufgrund solcher Merkmale sei aber diskriminierend und daher unzulässig.

Polizeikontrollen dürften nicht ohne Anlass erfolgen. Für eine Personenkontrolle müsse ein «plausibler, durch objektive Dritte nachvollziehbarer und zudem vernünftiger Anfangsverdacht» auf eine Rechtswidrigkeit bestehen.

Kein rechtsgenügender Anlass

Die Personenkontrolle im Hauptbahnhof erweise sich daher als rechtswidrig, lautet das Fazit der Richter. Es habe kein rechtsgenügender Anlass dafür bestanden. Das Gericht hiess deshalb die Beschwerde des kontrollierten Mannes vollumfänglich gut.

Ob eine Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe vorlag, prüfte das Gericht aber nicht. Die Beschwerde habe einzig die Feststellung der Rechtswidrigkeit gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann vor Bundesgericht angefochten werden.

(SDA, tam)

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