Aktualisiert 17.03.2020 11:11

«Krass missbräuchlich»

Polizei kündigt zu Unrecht wegen «Mad Heidi»-Film

Wegen seiner Nebenbeschäftigung als Drehbuchautor hatte Gregory Widmer seinen Job bei der Kantonspolizei Zürich verloren. Er wehrte sich erfolgreich dagegen.

von
mon

Die Nebenbeschäftigung als Drehbuchautor beim Film «Mad Heidi» kostete G. W. den Job bei der Kantonspolizei Zürich. Dagegen will er rechtlich vorgehen. (Video: madheidi.com)

Die fristlose Kündigung für Gregory Widmer im März 2019 sorgte für Empörung. Er hatte 13 Jahre lang als Zivilangestellter für die Kantonspolizei am Flughafen Zürich gearbeitet. Aber seine Beteiligung als Co-Drehbuchautor am Schweizer Filmprojekt «Mad Heidi» passte seinen Chefs nicht.

Im Trailer des Films gibt es neben Blut und Nazi-Optik auch Waterboarding mit heissem Fondue, eine Toblerone wird als Waffe eingesetzt. Die Macher betonen, dass es sich um Satire handle. Nach der Kündigung wehrte sich Widmer mit einem Anwalt vor Gericht – mit Erfolg.

«Kündigung nicht einmal ansatzweise nachvollziehbar»

Das Verwaltungsgericht Zürich entschied, dass diese «krass missbräuchlich» sei. Im Urteil heisst es, dass die ausgesprochene Kündigung nicht einmal ansatzweise nachvollziehbar sei. Das Verbot, an dem Drehbuch zu schreiben, betreffe sein Privatleben und habe nichts mit der Arbeitsleistung zu tun. Die Kündigung wurde für nichtig erklärt.

Johannes Hartmann, einer der drei Drehbuchautoren, zeigt sich über den Entscheid erleichtert: «Wir bedanken uns bei all den mutigen Unterstützern.» Zu früh freuen will sich das Filmteam aber trotzdem nicht. Der Grund: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. «Der Kanton könnte es noch vor das Bundesgericht ziehen», meint Hartmann. Bis zum 9. April sei eine Einsprache möglich.

Kapo hat Urteil zur Kenntnis genommen

Wann der Film erscheint, ist ungewiss: «Bei der momentanen Lage mit dem Coronavirus ist es ja sowieso schwierig, irgendetwas langfristig zu planen oder Prognosen zu machen.» Ebenso unklar ist, wann die Dreharbeiten durchgeführt werden können. Laut Hartmann hängt das davon ab, wie es mit der Finanzierung vorwärtsgeht. «Wenn wirklich alles gut geht, können wir im Herbst drehen.»

Um die Finanzierung des Films sicherzustellen, braucht es aber noch Mittel: «Wir werden voraussichtlich im Frühling ein völlig neuartiges Crowd-Investing starten, bei dem sich die Leute Gewinnanteile kaufen können.» Immerhin: «Da mein Co-Autor den Prozess gewonnen hat, werden die Anwaltskosten zurückerstattet. Das Geld, das auch aus einem Crowdfunding stammt, fliesst deshalb zurück in die Produktion des Films.» Widmer wollte sich auf Anfrage nicht zum Urteil äussern. Der Grund dafür sei, dass dieses noch nicht rechtskräftig sei.

Bei der Kantonspolizei Zürich bestätigte man damals die Kündigung. Als Begründung wurde angeführt, dass derartige Gewaltdarstellungen nicht mit einer Tätigkeit bei der Kantonspolizei kompatibel seien. Nun heisst es auf Anfrage, dass man das Urteil zur Kenntnis genommen habe und dieses prüfen werde. (mon/sda)

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