Heikle Kommentare: Polizei lässt rassistische Posts auf Facebook zu
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Heikle KommentarePolizei lässt rassistische Posts auf Facebook zu

Mit Facebook-Seiten suchen Schweizer Polizei-Korps die Nähe zum Bürger. Der gemeine Social-Media-User stellt die Ordnungshüter allerdings vor neue Herausforderungen.

von
Andreas Bättig

Auf den Facebook-Seiten zahlreicher Schweizer Polizei-Korps wird fleissig kommentiert. Ob bei Meldungen über die erfolgreiche Festnahmen von Einbrechern, die Rettung von Gänsen oder Bildern aus dem Polizeialltag - die Bürger teilen ihre Gedanken gerne mit. Doch nicht immer sind die Kommentare auf den Polizei-Facebook-Seiten harmlos. So schreibt zum Beispiel ein User auf der Seite der St. Galler Kantonspolizei: «Lohnt es sich so einen in Haft zu nehmen? Da muss man ihn nur noch durchfüttern und pflegen und verhätscheln. Eine Raubtiertransportbox und ab dahin, wo er herkommt ... den Schlüssel schicken wir dann ein halbes Jahr später nach ... (vielleicht).» Der Kommentar, der sich auf die Meldung über die Verhaftung eines Einbrecher aus Serbien bezieht, wurde zudem fünf Mal «geliked».

Bis jetzt wurden solche Äusserungen gemäss «St. Galler Tagblatt» von der Kapo St. Gallen geduldet. Gegenüber 20 Minuten Online sagt Polizeimediensprecher Hanspeter Krüsi: «Generell zu sagen, was gelöscht wird und was nicht, ist schwierig. Das muss im Einzelfall geprüft werden.» Klar sei aber: «Wer mit seinem Kommentar einen Straftatbestand erfüllt, wird angezeigt.»

Verreisen mit dem Pack

Auch bei der Kantonspolizei Zürich geht es hoch her. Heikle Facebook-Kommentare sind auch hier zu finden. So schreibt ein User zu einer Verhaftung von Nordafrikanern: «Ganz gut, super, gratuliere den Beamten der Kantonspolizei ZH. Das nordafrikanische Saupack sollte ausgewiesen werden.» Publiziert wurde der Kommentar am 02. März 2013. Ein anderer schreibt zu einer Meldung über mutmassliche Taschendiebe am 27. Oktober 2012: «Und der Regierungsrat will noch Unterkünfte für dieses Gesindel bauen, verreisen mit dem Pack.» Erst durch die Anfrage von 20 Minuten Online, wurde die Kapo auf die Beiträge aufmerksam.

Werner Benz, Chef der Kommunikationsabteilung der Kapo Zürich, sagt: «Genau solche Kommentare akzeptieren wir nicht. Diese Beiträge wurden in der Masse der Kommentare übersehen und nun umgehend entfernt.» Für den Austausch auf Facebook hat die Kapo extra eine «Netiquette» aufgestellt. «Wird gegen die Netiquette verstossen, beispielsweise in beleidigender oder rassistischer Art, werden die Kommentare gelöscht», so Benz. Bis jetzt habe man aber überwiegend positive Erfahrungen gemacht. «Facebook ist für uns aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Bürgerinnen und Bürger sollen unkompliziert mit der Polizei in Verbindung treten und ihre Anliegen einbringen können.»

Platz für amüsante Beiträge

Auch bei der Stadtpolizei Zürich werden heikle Kommentare gelöscht. «Wir entfernen Beiträge, die wir für geschmacklos halten», sagt Mediensprecher Adrian Feubli. Erfreulicherweise herrsche aber ein freundlicher Umgangston. «Anzeigen mussten noch keine gemacht werden.» Dass die Stapo weniger Probleme mit rassistischen Kommentaren hat, liegt wohl auch daran, dass sie einen etwas anderen Umgang mit Facebook pflegt als die anderen Korps. «Wir halten es für wenig sinnvoll, alle Medienmitteilungen eins zu eins auch auf Facebook zu publizieren», sagt Feubli. Die Stapo nutze die Onlineplattform, um dem Bürger einen Einblick in den Polizeialltag zu gewähren. «Häufig veröffentlichen wir Beiträge, die für eine Medienmitteilung zu wenig Fleisch am Knochen haben. Darunter können durchaus auch Beiträge zum Schmunzeln sein.»

Dass sich die Polizei-Korps auf Facebook präsentieren, findet Manuel P. Nappo, Studienleiter Social Media Management an der Hochschule für Wirtschaft Zürich, gut. «Wer die Leute erreichen will, der muss eine Facebook-Seite haben.» Wichtig sei aber, dass auf der Polizei-Seite kein Schenkel-Klopfer-Groove herrsche. «Ich fände es unpassend, wenn die Polizei plötzlich lustige Bildchen und Video publizieren würde.» Rassistische Kommentare hingegen könnte man auch stehen lassen. «Meistens disqualifizieren sich diese Leute selber», sagt der Profi.

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