Kundgebung in Madrid: Polizei löst «Empörten»-Demo auf
Aktualisiert

Kundgebung in MadridPolizei löst «Empörten»-Demo auf

Spanien wurde von der Finanzkrise hart getroffen, fast 25 Prozent sind arbeitslos. Tausende Menschen gingen auf Strasse um gegen die Sparpolitik zu demonstrieren. Am Morgen schritt die Polizei ein.

Wie hier in Barcelona gingen am 12. Mai in ganz Spanien tausende «Empörte» auf die Strassen.

Wie hier in Barcelona gingen am 12. Mai in ganz Spanien tausende «Empörte» auf die Strassen.

Die spanische Polizei hat am Sonntag mehrere Kundgebungen von Anhängern der Protestbewegung der «Empörten» aufgelöst. In Madrid vertrieben die Beamten in den frühen Morgenstunden mehrere hundert Demonstranten vom Platz Puerta del Sol im Zentrum der Hauptstadt. Nach Polizeiangaben gab es 18 Festnahmen.

Die Sicherheitskräfte wollten mit der Aktion verhindern, dass die Demonstranten auf dem Platz wie vor einem Jahr eine Zeltstadt errichten. Auch in Valencia, Cádiz und Palma de Mallorca löste die Polizei nächtliche Kundgebungen auf.

Zehntausende auf den Strassen

Aus Frust über strenge Sparmassnahmen der Regierung und hohe Arbeitslosigkeit sind am Samstag zehntausende Menschen in Spanien auf die Strasse gegangen. In Madrid strömten mindestens 30 000 Demonstranten am Samstagabend auf dem Platz Puerta del Sol zusammen und kündigten an, drei Tage bleiben zu wollen. Die Behörden erklärten zuvor, Zeltlager über Nacht würden nicht erlaubt. Auch nach Verstreichen einer für Mitternacht gesetzten Frist verharrten die Kundgebungsteilnehmer auf dem Platz. Die mehr als 2 000 Bereitschaftspolizisten versuchten jedoch zunächst nicht, sie zu vertreiben.

«Ich bin hier, um die Rechte zu verteidigen, die wir verloren haben - und für die jungen Leute, die es so schwer haben», erklärte der 57-jährige Lehrer Roberto Alonso. «Sie sind besser ausgebildet als jemals zuvor. Aber sie haben keine Arbeit. Sie haben gar nichts.»

Weitere Protestmärsche gab es in Barcelona, wo 22.000 Menschen demonstrierten, und in Bilbao, Malaga und Sevilla. Das spanische Innenministerium gab die Zahl der Demonstranten mit 72.000 an. Die Protestler erklärten jedoch, die Teilnehmerzahl sei viel höher ausgefallen.

Der 27-jährige Student Javier Colilla erklärte, er wolle protestieren, weil er das Gefühl habe, die wirtschaftliche Lage gerate völlig ausser Kontrolle. «Diese Krise dauert nun schon vier Jahre, aber es scheint, als würde sie erst beginnen», sagte er. Colilla lebt noch bei seinen Eltern und rechnet nicht damit, nach dem Abschluss eine Anstellung zu finden. «Derzeit denke ich, meine beste Option besteht darin, nach Deutschland zu gehen, wo ich als Tellerwäscher arbeiten, ein wenig Geld verdienen und Deutsch lernen kann», erklärte er. «Die Aussichten auf einen Job in Spanien sind praktisch nicht existent.»

Beginn der Protestaktionen vor einem Jahr

Die Demonstranten erinnerten auch an den Beginn der Protestaktionen vor einem Jahr. Damals beteiligten sich Hunderttausende an den Demonstrationen, campierten auf öffentlichen Plätzen vieler Städte und inspirierten andere Aktivisten in Europa. «Wir sind hier, um den Jahrestag seit dem Beginn der Bewegung zu feiern», sagte die Aktivistin Ana Pancorvo in Madrid. «Obwohl wir einiges erreicht haben, ist die Lage jetzt viel schlimmer, also müssen wir weiter kämpfen.»

Die Arbeitslosigkeit in Spanien beträgt fast 25 Prozent und ist damit die höchste in der Eurozone. Von den jungen Leuten unter 25 hat jeder zweite keine Arbeit. Die konservative Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hat Sparmassnahmen beschlossen, um die Schuldenlast zu reduzieren. Zudem geht die Angst um, dass auch Spanien wie Griechenland, Irland und Portugal unter einen finanziellen Rettungsschirm schlüpfen muss.

Zu ähnlichen Protesten kam es am Samstag auch in anderen europäischen Städten, darunter Berlin, London, Brüssel und Lissabon. Die Demonstranten forderten unter anderem eine weltweite Steuerabgabe auf Finanztransaktionen sowie weitere demokratisch ausgerichtete Finanzbehörden. (sda)

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