Anti-Lockdown-Demos: Wegen Familien und Kindern ging Polizei nicht gewaltsam vor
Aktualisiert

Anti-Lockdown-DemosWegen Familien und Kindern ging Polizei nicht gewaltsam vor

Beim Vadiandenkmal in St. Gallen hat eine Gruppe von Menschen am Samstagvormittag gegen die Massnahmen vom Bund protestiert. Auch in Bern und Zürich protestierten Hunderte. Die Polizei löste die Ansammlungen auf.

von
Michel Eggimann
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Obwohl die Polizei sie per Lautsprecher aufforderte, sich aufzulösen, demonstrierten auf dem Bundesplatz und auf dem Waisenhausplatz in Bern weiter über hundert Personen gegen die Corona-Massnahmen des Bundesrates.

Obwohl die Polizei sie per Lautsprecher aufforderte, sich aufzulösen, demonstrierten auf dem Bundesplatz und auf dem Waisenhausplatz in Bern weiter über hundert Personen gegen die Corona-Massnahmen des Bundesrates.

Keystone
Einige hatten klare Botschaften.

Einige hatten klare Botschaften.

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Die Demonstranten malten Plakate.

Die Demonstranten malten Plakate.

Keystone

Darum gehts

  • Am Samstagvormittag fanden sich in St. Gallen gegen 80 Personen beim Vadiandenkmal ein.
  • Sie protestierten gegen die Massnahmen des Bundes zur Bekämpfung des Coronavirus.
  • In Bern versammelten sich Leute am Nachmittag gruppenweise auf dem Bärenplatz und dem oberen Waisenhausplatz.
  • In Zürich protestierten Hunderte auf dem Sechseläutenplatz.
  • Aufgrund des aktuellen Veranstaltungsverbotes löste die Polizei die Aktionen auf.

Am Samstagvormittag versammelten sich ab 10.30 Uhr gegen 80 Personen beim Vadiandenkmal. Sie protestierten mit Plakaten gegen die Massnahmen des Bundesrates zur Bekämpfung des Coronavirus. Damit verstiessen sie gegen die bundesrätliche Verordnung, die noch immer zwei Meter Abstand zu anderen Personen und ein Veranstaltungsverbot vorsieht, teilt die Stadtpolizei St. Gallen mit. Zudem wäre die Aktion auch ungeachtet der COVID-19-Verordnung bewilligungspflichtig gewesen.

Diverse Passanten schauten der Aktion zu, bevor die Polizei diese auflöste und die Teilnehmenden wegschickte. Roman Kohler, Leiter der Kommunikationsabteilung der Stadtpolizei St. Gallen, sagt: «Einer der Schwierigkeiten bei solchen Aktionen ist, herauszufinden wer Teil davon ist und wer nur zufällig dort ist.» Obwohl nicht alle Einsicht gezeigt hätten, sei die Auflösung friedlich verlaufen.

Von rund einem Dutzend Personen wurden Personalien aufgenommen. «Diese Personen konnten wir als Teil der Protestaktion ausmachen. Beispielsweise weil sie ein Plakat bei sich hatten.» Die kontrollierten Personen müssen nun mit einer Anzeige wegen Verstoss gegen die Covid-19-Verordnung und die Bewilligungspflicht rechnen. Darüber entscheidet die Staatsanwaltschaft. In der Stadt St. Gallen sei es das erste Mal gewesen, dass die Polizei in der Corona-Zeit eine solche Veranstaltung habe auflösen müssen, sagt Kohler.

Vadiandenkmal

Anstelle des 1877 abgebrochenen Rathauses steht seit 1904 eine Statue von Joachim von Watt, genannt Vadian, in der Stadt St. Gallen. Der St. Galler Reformator und Geschichtsschreiber ist die einzige Person in der Stadt, die mit einem überlebensgrossen Denkmal geehrt wird.

Proteste auch in Bern

Mehrere hundert Menschen demonstrieren in der Bundesstadt am Samstagnachmittag gegen die Massnahmen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Sie forderten «mehr Eigenverantwortung». Der Protest richtete sich vor allem gegen die Massnahmen, die nach Ansicht der Kundgebungsteilnehmer gegen Grundrechte verstossen.

Weil viele ältere Menschen, Familien und Kinder unter den Teilnehmern waren, verzichtete die Polizei auf eine gewaltsame Auflösung der Demonstration. Über Lautsprecher forderte sie die Demonstrierenden mehrmals auf, die Kundgebung zu beenden. Die Durchsagen wurden mit Pfeifkonzerten und Buhrufen quittiert.

Die Polizei sah davon ab, die Demonstration in Bern gewaltsam aufzulösen.

Video: Tamedia

Die Berner Polizei beschränkte sich schliesslich darauf, Personen zu kontrollieren und Wegweisungen auszusprechen. Der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause zeigte sich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA «irritiert» über das Verhalten der Demonstrierenden. Aus epidemiologischer Sicht blute ihm das Herz, sagte Nause. Die Abstandsregel sei missachtet worden, Leute hätten sich umarmt und um die Vorschriften foutiert. Er gehe davon aus, dass es zu Neuansteckungen gekommen sei. Schon vor einer Woche hatten sich über hundert Menschen auf dem Berner Bundesplatz versammelt, um gegen die Corona-Massnahmen zu demonstrieren. Einige Demonstranten protestierten auch gegen Antennen der neusten Mobilfunkgeneration 5G, Impfzwang, Globalisierung und staatliche Überwachung.

Einsatz in Zürich

Auch auf dem Sechseläutenplatz in der Stadt Zürich haben sich am Samstagnachmittag über hundert Menschen versammelt und gegen den Lockdown demonstriert. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen zum Einsatz aus. Auf dem beim Bellevue gelegenen Sechseläutenplatz laufe ein entsprechender Einsatz, sagte ein Sprecher der Zürcher Stadtpolizei auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Auf dem Sechseläutenplatz versammelten sich schätzungsweise hundert bis zweihundert Personen. Sie forderten unter anderem die Aufhebung der Notstandsmassnahmen. Ein Bild zeigt etwa eine Frau mit einem Regenschirm mit den Aufschriften «Selbstbestimmung», «Freiheit» und «Grundrechte». Am späteren Nachmittag löste die Polizei die Kundgebung auf. Es seien keine Wegweisungen oder Bussen ausgesprochen worden, hiess es von Seiten der Polizei.

In der Stadt Basel trafen sich am Samstagnachmittag mit dem gleichen Ziel auf dem Marktplatz rund hundert Personen. In kleine Gruppen aufgeteilt, hielten sie den Mindestabstand ein. Die Polizei schritt nicht ein. Die Versammlung löste sich am frühen Nachmittag auf. Die Polizei habe das Gespräch mit den Teilnehmern gesucht und sie darauf aufmerksam gemacht, dass dies nicht gehe, hiess es auf Anfrage beim Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement.

(SDA)

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