Aktualisiert 08.02.2010 22:59

Nach dem Saubannerzug«Polizei müsste Fehler eingestehen»

Die Zürcher Politiker beurteilen die fehlende Bereitschaft der Stadtpolizei beim jüngsten Krawall unterschiedlich. Über das Ausmass der Gewalt ist man erstaunt. Die Aufstockung der Polizei ist bei den grossen Parteien ein Thema.

von
Joel Bedetti

«Mich wundert, wie überrascht die Polizei von der Aktion war», sagt Claudia Nielsen, SP-Stadtratskandidatin und Vorsitzende der Polizeikommission des Zürcher Gemeinderates. Man habe sogar über Facebook von der Aktion erfahren können. «Ich denke, dass die Polizei eine Fehleinschätzung gemacht hat», sagt Nielsen. Das könne passieren, müsse aber auch eingestanden werden. Nielsens Fazit: «Die Kommunikation der Stadtpolizei ist in dieser Sache nicht optimal.»

Mario Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, entgegnet: «Die Polizei hat nur die Möglichkeit, in öffentlichen Foren zu recherchieren – und in keinem wurde für die Aktion aufgerufen.» Man habe den ersten Hinweis, einen Flyer am Match des FCZ, erst eine Dreiviertelstunde vor Beginn der illegalen Party gefunden. «Das hätte ohnehin nicht dazu gereicht, eine starke Polizeipräsenz zu sichern, weil viele Mitarbeiter im Wochenende waren.»

Polizei rechnete mit friedlicher Party

Zudem habe man mit den illegalen Feiern der Gruppe Reclaim the Streets in den vergangenen Jahren kaum schlechte Erfahrungen gemacht. «Vor zwei Monaten beispielsweise feierten 300 Menschen illegal unter der Hardbrücke. Sie waren laut, aber friedlich», erzählt Cortesi. Deshalb habe man nur beobachtet. «Als der betreffende Einsatzleiter am Samstagabend vom Flyer erfuhr, konnte er nicht mit solcher Krawalle rechnen», sagt Cortesi.

Der Polizeisprecher sagt: «Den alltäglichen Aufgaben ist die Stadtpolizei mit dem heutigen Bestand gewachsen.» Wolle man eine Garantie dafür haben, dass solche spontanen Gewaltausbrüche jederzeit eingedämmt werden könnten, bräuchte man ein grösseres Polizeikorps.

In den Parteien wird über eine Aufstockung diskutiert. SVP und FDP sind seit jeher für mehr Polizeipräsenz, auch die SP lehnt nicht von vornherein ab. «Zürichs Bevölkerung wächst, immer mehr Leute gehen in den Ausgang. Man muss sich eine Aufstockung der Polizei überlegen», sagt Claudia Nielsen von der SP. Sie sei aber für eine sehr gut ausgebildete Polizei - deshalb bräuchte ein solches Vorhaben Zeit.

Politiker sind hilflos

Der Gewaltausbruch an einer Manifestation, die von sonst friedlichen Partymachern organisiert wurde, hinterlässt aber auch bei den Politikern in erster Linie eins: Hilflosigkeit. «Ich bezweifle, dass man solche Aktionen nur mit mehr Polizei verhindern kann», sagt SP-Gemeinderätin Marianne Dubs.

Viele der Chaoten kämen gar nicht aus der Stadt Zürich und seien vom Anliegen der Reclaim the Streets-Bewegung nicht direkt betroffen. Sie kenne die Menschen dieser Bewegung als friedliche Leute, die auf der Strasse Party machen wollen, sagt Dubs. «Aber es gibt mittlerweile kaum mehr öffentliche Manifestationen, die keine Chaoten anziehen» Als Ausnahme fällt der Sozialdemokratin nur die Streetparade ein.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.