Aktivisten beim Bell-Schlachthof: Polizei muss Aktivisten von Ketten losschneiden
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Aktivisten beim Bell-SchlachthofPolizei muss Aktivisten von Ketten losschneiden

Über hundert Aktivisten sind in den Schlachthof von Bell eingedrungen, um den Betrieb zu verhindern. Die ganze Aktion endete erst gegen acht Uhr.

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nzy / cho / miw

Nach 15 Stunden Blockade ist die Situation vor Ort eskaliert. (Video: Facebook: 269 Libération Animale)

Um 20.00 Uhr konnte der Polizeieinsatz beim Bell-Schlachthof in Oensingen beendet werden. Dies teilt die Polizei in einer Medienmitteilung mit. Der Einsatz dauerte mehrere Stunden. Am frühen Abend eskalierte die Situation: «Lange verlief der Einsatz in geordneten Verhältnissen», sagt auch Polizeisprecherin Bucher.

Je später der Tag, desto renitenter hätten sich die übrig gebliebenen Besetzer verhalten. So habe die Aktion nun vereinzelt Leichtverletzte gefordert. Bucher sagt: «Es kam zu wenigen Zwischenfällen, einzelne Personen haben sich dabei leicht verletzt.» Ins Spital musste niemand gebracht werden.

Verschiedene Tierschützer hatten sich in den Treibgängen angekettet und mussten zunächst mit einem Bolzenschneider losgemacht werden.

Ein Video der Aktivisten zeigt eine Festnahme eines Besetzers durch die Polizei; dieser wehrt sich mit Händen und Füssen, während ihn mehrere Polizisten zu Boden drücken. So sei auch Pfefferspray eingesetzt worden. Dies konnte die Polizei jedoch weder bestätigen noch dementieren.

Vorwiegend aus Belgien und Frankreich

Das Ganze ging noch weiter: Laut dem Insider sollen sich einige Tierrechtler sogar einbetoniert haben. «Diese Personen befinden sich an versteckten Orten.» Wie Bucher gegenüber 20 Minuten sagt, habe man aber niemanden vorgefunden. «Wir haben keine Informationen zu einbetonierten Personen.»

Die Polizei erhob von allen Aktivisten die Personalien. Nach ersten Erkenntnissen stammen die Personen vorwiegend aus Frankreich und Belgien. Alle müssen sich, unter anderem wegen Hausfriedensbruch, strafrechtlich verantworten.

15-stündige Blockade

Während einer Nacht-und-Nebel-Aktion, stiegen rund 130 Aktivisten in das Schlachthaus des Fleischverarbeiters Bell in Oensingen ein. Seit 2.30 Uhr morgens harrten die Tierrechtler der Organisation «269 Libération Animale» im Fabrikgebäude aus. Am frühen Nachmittag begann die Polizei nach Aufforderung des Fleischfabrikanten, das Feld zu räumen.

«Wir legen auch den übrigen Aktivisten nahe, das Gebäude freiwillig zu verlassen», sagte Polizeisprecher Thomas Kummer noch am Nachmittag. Ansonsten würde die Polizei durchgreifen. Rund ein Drittel der Besetzer verliessen so den besetzten Schlachthof freiwillig, andere wurden von der Polizei abgeführt.

Schlachthof besetzt: Das sagt die Polizei

Ein Interview mit Thomas Kummer, Sprecher der Kantonspolizei Solothurn.

Interview mit Thomas Kummer, Sprecher der Kantonspolizei Solothurn.

Bell-Mitarbeiter sind nervös

Die 70 Angestellten, die im Schlacht-Trakt aktiv sind, wurden am Mittwochmorgen von Bell nach Hause geschickt. Mitarbeiter von Bell, die abseits des besetzten Schlacht-Trakts noch tätig sein könnten, wirkten den ganzen Tag über nervös: Von ihren Fenstern aus beobachteten sie das Geschehen rund um das Areal.

Grosser Fleisch-Verarbeiter

Die Bell Food Group ist ein Tochterunternehmen von Coop Schweiz und gehört zu den führenden Fleisch- und Convenience-Verarbeitern in Europa. Am Standort Oensingen werden Tiere geschlachtet und Frischfleisch verarbeitet.

Das Angebot umfasst Fleisch, Geflügel, Charcuterie, Seafood sowie Convenience-Produkte und Schnittsalate. Rund 12'000 Mitarbeitende erwirtschaften einen Jahresumsatz von vier Milliarden Franken. (nzy / cho / miw/sda)

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