Fahndungserfolg in Mexiko: Polizei nimmt Chef von Killerbande fest
Aktualisiert

Fahndungserfolg in MexikoPolizei nimmt Chef von Killerbande fest

Er soll 300-mal gemordet haben und 600 weitere Morde in Auftrag gegeben haben. Jetzt konnte die Polizei «El Compyito» (Kumpelchen) fassen. Beim Einsatz kam es zu einem peinlichen Zwischenfall.

von
kub
Der gefürchtete Mörder Oscar Osvaldo Garcia Montoya wurde am Donnerstag in Mexico-City geschnappt.

Der gefürchtete Mörder Oscar Osvaldo Garcia Montoya wurde am Donnerstag in Mexico-City geschnappt.

900 Morde sollen auf sein Konto gehen - jetzt hat die mexikanische Polizei den Anführer der Drogenbande «Mano con ojos» (Hand mit Augen) festgenommen. Generalstaatsanwalt Alfredo Castillo führte den lang gesuchten Óscar Osvaldo García Montoya am Donnerstag den Medien vor.

García Montoya alias «El Compayito» (Kumpelchen) habe gestanden, persönlich an 300 Morden beteiligt gewesen zu sein und 600 weitere Morde seiner Bande in Auftrag gegeben zu haben, sagte Generalstaatsanwalt Alfredo Castillo. Allein in der mexikanischen Hauptstadt soll der 36-Jährige 20 Menschen eigenhändig enthauptet haben.

Den Ermittlern zufolge handelt es sich bei García Montoya um einen früheren Soldaten der mexikanischen Armee, der bei einer Elitetruppe der guatemaltekischen Armee ausgebildet wurde. Im Mittelpunkt dieser Spezialausbildung sei die Tötung von Gegnern gestanden.

Eigene Gang gegründet

2002 habe er sich dem organisierten Verbrechen angeschlossen. Er arbeitete zuerst als Leibwächter für den mächtigen Chef des Beltran- Leyva-Drogenkartells, Edgar Valdez genannt «Barbie». Nach der Festnahme von Valdez gründete García Montoya seine eigene Gang.

Seine Bande ist für extreme Gewalttaten bekannt. Viele der Opfer seien Drogendealer oder Mitglieder rivalisierender Banden. Die Gruppe kämpft um die Vorherrschaft im Drogengeschäft in zumeist armen Vororten der mexikanischen Hauptstadt.

Ins falsche Häuser eingedrungen

Bei dem Polizeieinsatz am Donnerstagmorgen drangen die Beamten im Süden von Mexiko-Stadt irrtümlich in das Haus des bekannten Dichters Efraín Bartolomé sowie in die Häuser zweier Nachbarn ein, wie Bartolomés Frau Guadalupe Belmontes der Nachrichtenagentur AFP sagte. Dabei sei Bartolomé bedroht, zu Boden gestossen und gegen den Kopf geschlagen worden, sagte seine Frau.

Generalstaatsanwalt Castillo entschuldigte sich später bei dem Paar und sagte, es habe «einige Fehler» bei dem Einsatz gegeben.

In Mexiko tobt seit Jahren ein blutiger Drogenkrieg. Seitdem Präsident Felipe Calderón nach seinem Amtsantritt im Dezember 2006 eine gross angelegte Militäroffensive gegen die rivalisierenden Drogenbanden ausrief, wurden nach Angaben der Behörden landesweit mehr als 41'000 Menschen getötet.

(kub/sda)

Schläge gegen Mexikos Drogenbanden

Im mexikanischen Drogenkrieg sterben jedes Jahr tausende Menschen. Die Festnahme des mutmasslichen Anführers der Bande «Mano con Ojos» (Hand mit Augen) ist ein weiterer Erfolg im Kampf der Sicherheitsbehörden gegen die Organisierte Kriminalität und Drogenbanden. Vergangene Schläge gegen Drogenbanden:

26. Juli 2011: Der 15 Jahre alte Edgar N. alias «El Ponchis» wird wegen Mordes, Entführung und Drogenhandels zu drei Jahren Haft verurteilt. Der «Killer-Junge» hatte für ein Drogenkartell gefoltert und getötet, wie das Gericht in seinem Urteil feststellt. Drei Jahre ist die Höchststrafe für Jugendliche in Mexiko.

21. Juni 2011: Die Polizei nimmt den Drogenboss José de Jesús Mendez, Chef des Kartells «La Familia Michoacána» fest. «El Chango» Mendez war einer der meistgesuchten Drogenhändler Mexikos. Für Hinweise auf seine Ergreifung waren rund zwei Millionen Euro Belohnung ausgesetzt. Mendez wird bei einer Strassenkontrolle entdeckt.

9. Dezember 2010: Bei einem Grosseinsatz gegen das Kartell «La Familia» wird dessen Chef Nazario Moreno González getötet. Der Mann mit den Beinamen «El chayo» (Die Stachelgurke) stirbt bei einer Schiesserei in dem Ort Apatzingán im Bundesstaat Michoacán.

5. November 2010: Bei einer Schiesserei mit Sicherheitskräften wird der Chef des Golf-Kartells, Ezequiel Cárdenas Guillen, getötet. Der Schusswechsel in der nordmexikanischen Stadt Matamoros dauert mehrere Stunden. Die USA hatten ein Kopfgeld von umgerechnet 3,5 Millionen Euro auf Guillen ausgesetzt.

26. September 2010: In Cancún an der mexikanischen Karibik nehmen Sicherheitskräfte José Ángel Fernández de Lara fest, den Anführer der kriminellen Bande «Los Zetas» in Quintana Roo.

25. September 2010: Die mexikanische Polizei schnappt den mutmasslichen Drogenhändler Margarito Soto Reyes nahe der Stadt Guadalajara. «El Tigre» gilt als Führungsfigur des Kartells von Sinaloa. Er soll etwa eine halbe Tonne Drogen pro Jahr in die USA geliefert haben.

31. August 2010: Edgar Valdez Villarreal, genannt «La Barbie», wird festgenommen. Er gilt als Schlüsselfigur im mexikanischen Rauschgifthandel. Der aus dem US-Bundesstaat Texas stammende Valdez hatte Ende vergangenen Jahres 2009 die Kontrolle über eine der mächtigsten Drogenbanden in Mexiko übernommen.

29. Juli 2010: Einheiten der Armee töten Ignacio «Nacho» Coronel, einen der meistgesuchten Drogenbosse, als dieser sich in Guadalajara der Festnahme widersetzt. Auf die Ergreifung Coronels waren in den USA und in Mexiko umgerechnet 5,7 Millionen Euro ausgesetzt. Er war einer der Chefs des mächtigen Sinaloa-Kartells. (sda)

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