Proteste im Iran: Polizei nimmt Tochter von Ex-Präsident fest – Aminis Eltern reichen Klage ein

Aktualisiert

Proteste im IranPolizei nimmt Tochter von Ex-Präsident fest – Aminis Eltern reichen Klage ein

Die bekannte Frauenrechtlerin Faeseh Haschemi soll versucht haben, Frauen zur Teilnahme an den Protesten zu motivieren, was im Iran als Straftat eingestuft wird. 

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Die Proteste im Iran halten unvermindert an, weiter kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei. 

Die Proteste im Iran halten unvermindert an, weiter kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei. 

via REUTERS
Nun ist die bekannte Frauenrechtlerin und Tochter eines Ex-Präsidenten Faeseh Haschemi festgenommen worden, weil sie Personen zur Teilnahme an den Protesten motivierte. Bild: Haschemi im Jahr 2005. 

Nun ist die bekannte Frauenrechtlerin und Tochter eines Ex-Präsidenten Faeseh Haschemi festgenommen worden, weil sie Personen zur Teilnahme an den Protesten motivierte. Bild: Haschemi im Jahr 2005. 

imago images/ZUMA Wire
Die Proteste wurden durch den Tod von Mahsa Amini ausgelöst. Die 22-Jährige befand sich in Gewahrsam der Sittenpolizei, als sie am 16. September verstarb. 

Die Proteste wurden durch den Tod von Mahsa Amini ausgelöst. Die 22-Jährige befand sich in Gewahrsam der Sittenpolizei, als sie am 16. September verstarb. 

IMAGO/Future Image

Darum gehts

Iranische Sicherheitskräfte haben die Tochter eines Ex-Präsidenten wegen Unterstützung der Proteste festgenommen. Die 59 Jahre alte Faeseh Haschemi – eine bekannte Frauenrechtlerin – wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim von Mittwoch in Teheran in Gewahrsam genommen, nachdem sie versucht habe, Frauen zur Teilnahme an den Protesten zu motivieren. Das wird im Iran derzeit als Straftat eingestuft. Haschemi ist die Tochter des 2017 gestorbenen und damals einflussreichen iranischen Ex-Präsidenten Ali Akbar Haschemi-Rafsandschani.

Gewaltsame Auseinandersetzungen und zahlreiche Tote

Die durch den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini ausgelösten Proteste in dem Land gingen derweil nach Angaben von Augenzeugen auch in der Nacht zum Mittwoch weiter. Es kam Medienberichten zufolge zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften sowie zu Festnahmen in verschiedenen Teilen des Iran. Die Polizei erklärte, sie werde landesweit konsequent gegen «Randalierer» vorgehen.

Zur Zahl der Toten und Verhafteten gibt es weiter keine genauen Angaben. Der iranische Staatssender spricht von mehr als 40, andere Quellen von mehr als 70 Toten. Tausende sollen landesweit festgenommen worden sein.

Haschemi kritisiert seit Jahren das islamische System

Auslöser der nun seit elf Tagen anhaltenden Proteste im Iran ist der Tod der 22 Jahre alten Mahsa Amini. Sie war von der Sittenpolizei wegen eines Verstosses gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen worden und am 16. September unter ungeklärten Umständen gestorben. Die Demonstrierenden sprechen von Polizeigewalt, die Behörden weisen dies entschieden zurück. Das Internet bleibt wegen der landesweiten Proteste derweil weiter eingeschränkt, wie die Regierung bekräftigte.

Die nun festgenommene Aktivistin Haschemi gehört schon seit Jahren zu den Kritikern des islamischen Systems. Die ehemalige Abgeordnete und Frauensportfunktionärin steht auch auf einer sogenannten schwarzen Liste des Systems und wurde bereits mehrmals festgenommen. 

Nach dem Tod von Mahsa Amini entladen sich vor Wut und Trauer immer mehr landesweite Proteste. Laut lokalen Medienberichten schießen Polizisten auf Demonstranten. In den sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Videos, die das zeigen sollen. Über 50 Personen sollen bislang gestorben sein.

Thomas Sennhauser

Haschemi war als Frauenaktivistin stets gegen den Kopftuchzwang, obwohl sie selbst eins trägt. Sie war auch Herausgeberin der Tageszeitung «San» (Frau), die jedoch wegen ihrer feministischen Ansichten 1999 schliessen musste. Ihr Vater galt als moderater Politiker und als Mentor des früheren Präsidenten Hassan Ruhani.

Mahsas Eltern reichen Klage ein

Die Eltern der 22-Jährigen haben nach Angaben von Rechtsanwalt Saleh Nikbacht eine «Klage gegen die Urheber der Festnahme ihrer Tochter» sowie gegen «die Polizisten, die nach ihrer Ankunft bei der Sittenpolizei mit ihr gesprochen haben», eingereicht.

Die Staatsanwaltschaft und der Untersuchungsrichter seien aufgefordert worden, detailliert zu prüfen, was genau vom Moment der Festnahme bis zur Verlegung Aminis ins Spital passiert sei, erklärte der Anwalt. Nikbacht verlangte von den Behörden, «alle Videos und Fotos» zur Verfügung zu stellen, die während ihres Aufenthalts auf der Polizeiwache gemacht wurden.

«Ich hoffe, dass dieses Regime gestürzt wird»

Unterdessen rief die in Paris lebende persische Ex-Kaiserin Farah Pahlavi den Westen dazu auf, die Menschen im Iran zu unterstützen. «Der Westen kann ihnen helfen, indem er all die Schrecken erzählt, die im Iran unter diesem Regime passieren», sagte sie dem Sender i24News in Paris. «Ich hoffe, dass dieses Regime gestürzt wird.» Die 83-Jährige ist die Ehefrau des 1979 gestürzten persischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi.

Kleidungsvorschriften für Frauen im Iran

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(dpa/fis)

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