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Fahrende bei LondonPolizei räumt Wohnwagen-Siedlung

Nach einem jahrelangen Gerichtsstreit hat die Polizei in England mit der Räumung einer illegalen Siedlung in Essex begonnen. Bewohner und Demonstranten wehren sich gewaltsam gegen die Räumung.

Mit Vorschlaghämmern haben sich britische Polizisten am Mittwoch den Weg in ein Lager sogenannter fahrender Iren bei London gebahnt, um das vor zehn Jahren ohne behördliche Genehmigung errichtete Camp zu räumen. Etliche Bewohner leisteten Widerstand, einige hatten sich mit Fahrradschlössern an Barrikaden gekettet und andere sich auf ein zwölf Meter hohes Gerüst zurückgezogen. Die Polizisten trugen einen nach dem anderen weg.

Ein Mobilheim ging in Flammen auf, eine Person wurde nach Polizeiangaben verhaftet. Polizisten seien mit Steinen und anderen Wurfgeschossen angegriffen worden. Eine Bewohnerin, Kathleen McCarthy, warf der Polizei unverhältnismässige Gewalt vor, bei der drei Frauen verletzt worden seien. «Es ist scheusslich, und es wird nur noch scheusslicher», sagte sie. «Ich habe eine Menge Zwangsräumungen gesehen, aber noch nie so etwas. Sie sind hergekommen und haben einen Aufruhr gestartet, den wir nie wollten.» Eine sich als Menschenrechtsbeobachterin bezeichnende Frau, Lily Hayes, sprach von unverhältnismässiger Gewaltanwendung.

Die Behörden wiesen das zurück. Die Gewalt sei von den Bewohnern des Camps ausgegangen, sagte der Chef der Kommunalbehörde, Tony Ball.

Das Lager auf einem früheren Schrottplatz 50 Kilometer östlich von London besteht seit 2001 neben einem behördlich bewilligten Camp. Die Irish Travelers kauften den Schrottplatz. Die Behörden sagten, das nicht bewilligte Camp sei ein Verstoss gegen die Vorschriften, die den 86 Familien die Errichtung von Behausungen nicht gestatten. Die Irish Travelers sind Nomaden ähnlich wie Sinti und Roma, haben ethnisch aber nichts mit diesen zu tun. Sie haben die Zwangsräumung als «ethnische Säuberung» kritisiert. Schätzungen zufolge gibt es zwischen 15 000 und 30 000 Irish Travelers in Grossbritannien.

(sda)

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