Niederbipp: Polizei schnappt deutschen Doppelmörder
Aktualisiert

NiederbippPolizei schnappt deutschen Doppelmörder

Der Berner Polizei ist ein Schwerverbrecher ins Netz gegangen. Der Deutsche Gabor S. steht unter Verdacht, in Deutschland zwei Menschen getötet zu haben. Auch mit dem Verschwinden einer Schweizerin wird er in Zusammenhang gebracht.

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Gaudenz Looser/Patrick Marbach/Reto Saurenmann

Dienstagabend im Restaurant Oberli in Walliswil BE: Ein Deutscher sitzt am Stammtisch und isst Rahmschnitzel. Gegen 23 Uhr fahren mehrere Autos vor. Fünf Männer in Zivil kommen herein, zücken ihre Polizeiausweise und verhaften den Deutschen. Er leistet keinen Widerstand.

Wirt Samuel Oberli schaudert im Nach­hinein: Der Verhaf­tete Gabor S. (36) steht unter dringendem Verdacht, in der Nacht auf Montag in Mansfeld, Sachsen-Anhalt, einen Doppelmord begangen zu haben. Staatsanwalt Klaus Wiechmann geht davon aus, dass S. zuerst eine Rentnerin (76) in ihrer Wohnung ­tötete, dann deren Hausarzt bestellte und diesen dann ebenfalls tötete. S. floh mit dem Geländewagen des Arztes in die Schweiz. Dank einem Haftbefehl der Kapo Zug (siehe Box) wurde er rasch gefasst.

Das Motiv für die Bluttat ist völlig unklar. Gabor S. war im Nachbardorf der Opfer wohnhaft und ist in der Re­gion aufgewachsen. Er kannte seine Opfer nicht näher. Aber er ist ein mehrfach verurteilter Gewalt- und Sexualverbrecher. 1996 erhielt er elf Jahre Haft, weil er zweimal Callgirls festgehalten und über Stunden vergewaltigt und misshandelt hatte.

Im April wurde er wegen illegalen Waffenbesitzes, ­Kinderpornografie und Kreditkartenbetrug verurteilt. Dass er eine Scheune seiner Eltern in Brand gesetzt haben soll, konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

Tötete S. auch Maria K.?

Gefasst wurde Gabor S. ­wegen eines Haftbefehls der Kapo Zug. Er steht nähmlich unter dringendem Verdacht, mit dem Verschwinden der seit dem 24. Juni 2007 vermissten Maria K. (47) etwas zu tun zu haben. Der mit K. befreundete Gabor S., der ­damals in Altstätten SG wohnte, verliess genau zu diesem Zeitpunkt flucht­artig die Schweiz, ohne seine Wohnung zu räumen.

Die Hauswartin in Altstätten beschreibt ihn als unauffällig. Er habe mit einer Thailänderin zusammengewohnt. «Als die Polizei die Wohnung endlich freigab, mussten wir sie räumen. Seine Verwandten in Deutschland wollten seinen Hausrat nicht. Sie wollten nichts mit ihm zu tun haben», sagt Maria Graf Garcia.

Nach seiner Ausreise wurde S. erwischt, wie er mit Maria K. EC-Karte bezahlte. Die Polizei geht davon aus, dass die Mutter eines zehnjährigen Buben tot ist. Ihre Leiche wurde letzten Dezember in einer mehrtätigen Aktion zwischen Diepoldsau SG und der Rheinmündung in den Bodensee gesucht – ohne Erfolg. S. sitzt nun in Zug in Untersuchungshaft und wird zurzeit befragt. Eine Überführung nach Deutschland ist vorerst nicht geplant.

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