Aktualisiert 14.11.2011 15:22

Döner-MordePolizei schnappt weiteren Verdächtigen

Die deutsche Polizei hat einen vierten Verdächtigen in der Döner-Mordserie festgenommen. Derweil will Beate Z. als Kronzeugin auftreten und es werden Vorwürfe gegen den deutschen Verfassungsschutz laut.

von
amc

Die Neonazis Uwe B., Uwe M. und Beate Z. haben 13 Jahre lang eine blutige Spur durch Deutschland gezogen. In einem 15-Minuten-Clip hat das braune Terrortrio den Mord an acht Türken und einem Griechen gestanden. Im Video kündigten die beiden inzwischen toten Männer und die vergangene Woche verhaftete Frau weitere Anschläge an.

Der 36-jährigen Beate Z. wird schwere Brandstiftung vorgeworfen, weil sie das gemeinsame Haus der Bande anzündete. Gegen sie wird nun aber auch wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, in Tateinheit mit Mord und versuchtem Mord ermittelt. Z. schwieg bisher konsequent zu den Vorwürfen und wollte sich gegenüber den Ermittlern nicht äussern. Wie es nun aussieht, mit einem klaren Ziel: Strafmilderung. Wie die «Bild am Sonntag» schreibt, will sie nur aussagen, wenn ihr als Kronzeugin Strafmilderung zugesichert wird. Das Blatt beruft sich bei ihren Informationen auf Ermittlerkreise.

Womöglich vierten Verdächtigen geschnappt

Die Ermittler brauchen demnach ihre Hilfe, um einerseits das ganze Ausmass der rechtsextremen Taten rekonstruieren zu können; und andererseits, um mögliche weitere Mitglieder der braunen Terrorzelle zu finden. Laut «Bild am Sonntag» gehen die Ermittler davon aus, dass die Terroristen Helfer hatten. Die DVDs, auf denen sich das Trio mit den Morden an Einwanderern rühmt, können nicht ohne Hilfe «mehrerer Unterstützer» erstellt worden sein, so das Boulevard-Blatt weiter. Wie die Nachrichtenagentur dpa schreibt, hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe zurzeit keine Hinweise, dass ausser dem Neonazi-Trio noch andere Täter in die Döner- Mordserie verstrickt waren. Ihr Umfeld werde untersucht, sagte ein Sprecher.

Wie der «Spiegel» allerdings nun berichtet, verhaftete die Polizei in Hannover einen vierten Verdächtigen. Holger G. soll auch Mitglied in der «Kameradschaft» gewesen sein und im Hintergrund die Strippen gezogen haben. Die Bundesanwaltschaft bestätigte am Sonntagnachmittag die Meldung: Holger G. sei «dringend verdächtig», sich als Mitglied an der terroristischen Vereinigung «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU) beteiligt zu haben.

Spekulationen um Verfassungsschutz

In Sicherheitskreisen wird darüber spekuliert, ob die mutmasslichen Täter vom Verfassungsschutz eine neue Identität erhielten und in die rechte Szene eingeführt wurden. Das bei den Rechtsextremen stark verankerte Trio entstammt einer «Kameradschaft» deren Anführer als Verbindungsmann arbeitete. Ein weiteres Indiz für die Theorie wäre die Tatsache, dass die Polizei bei einer Razzia verschiedene Waffen und Bomben im Besitz der Neonazis fand, sie aber nicht verhaftete.

Der Thüringer Verfassungsschutz hat allerdings keine Hinweise darauf. Der Vorsitzende des für die Kontrolle der Geheimdienste zuständigen Parlamentarischen Gremiums, Thomas Oppermann (SPD), zeigte sich entsetzt. «Der Thüringer Verfassungsschutz hatte 24 Aktenordner, aber keine Ahnung.»

Experte sieht kein Netzwerk

Der Berliner Rechtsextremismus-Experte Bernd Wagner sieht ein hohes Gewaltpotenzial bei militanten Rechtsextremisten. «Dabei geht es auch um Morde», sagte er der dpa. Von einem rechtsterroristischen Netzwerk in Deutschland geht Wagner nicht aus.

Gleichwohl gebe es Gruppen, die daran arbeiten, terrorismusfähig zu werden. Sie agierten im Untergrund und versuchten häufig, sich Waffen und Sprengmittel zu beschaffen. «Das Motiv ist immer gleich: ein militärisch organisierter Partisanenkampf gegen die Demokratie und gegen Ausländer», sagte Wagner. Bekennerschreiben seien selten.

Warum überlebte Beate Z.

Die deutsche Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger forderte eine zügige und umfassende Aufklärung. «Das, was bisher berichtet wird, ist beunruhigend», sagte sie am Rande des FDP- Parteitages in Frankfurt. Insbesondere müsse untersucht werden, ob die Verdächtigen zu einem rechtsextremen, bedrohlichen Netzwerk gehörten oder nicht.

Die grosse Frage ist bisher, warum die verhaftete Beate Z. sich nicht das Leben nahm, wie Uwe B. und Uwe M. Die 36-Jährige soll die Mitläuferin im Trio gewesen sein, während die anderen beiden eher vorneweg marschierten, wie der «Spiegel» schreibt. Gemäss dem Nachrichtenmagazin galt unter den drei die Abmachung: Wenn wir auffliegen, töten wir uns selbst. (amc/dapd)

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