Vorwurf in Vorarlberg: Polizei soll gezielt Schweizer Autofahrer kontrolliert haben
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Vorwurf in VorarlbergPolizei soll gezielt Schweizer Autofahrer kontrolliert haben

Am Montagmittag wurde Sandra Fritsche in Feldkirch (A) von der Polizei gebüsst. Sie fuhr ihr Auto ohne CH-Kleber. Die Betroffene spricht von einem systematischen Vorgehen der Polizei gegen Schweizer Autofahrer. Die Polizei verneint.

von
Adriel Monostori
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In Feldkirch (A) seien am Montagnachmittag mehrere Autos kontrolliert worden. Es sei darum gegangen, ob die Fahrer den CH-Kleber angebracht hätten, sagt Sandra Fritsche. (Symbolbild)

In Feldkirch (A) seien am Montagnachmittag mehrere Autos kontrolliert worden. Es sei darum gegangen, ob die Fahrer den CH-Kleber angebracht hätten, sagt Sandra Fritsche. (Symbolbild)

Adriel Monostori
Sie selbst und andere seien wegen des fehlenden CH-Klebers gebüsst worden.

Sie selbst und andere seien wegen des fehlenden CH-Klebers gebüsst worden.

Getty Images/iStockphoto
Das ist der Bussenzettel von Fritsche.

Das ist der Bussenzettel von Fritsche.

Sandra Fritsche

Darum gehts

  • In Feldkirch (A) sind laut einer Rheintalerin diese Woche gezielt Bussen für fehlende CH-Kleber verteilt worden.

  • Sandra Fritsche postete ihren Bussenzettel auf Facebook.

  • Rasch entstand eine Diskussion, innerhalb von zwei Tagen gab es 160 Kommentare.

  • Die Polizei will von gezielten Kontrollen wegen des Klebers nichts wissen.

Am Montagmittag musste die Rheintalerin Sandra Fritsche in Feldkirch (A) ein Bussengeld bezahlen. Sie wollte für ihren Tierschutzverein in Vorarlberg Tierfutter kaufen. Als sie dann in die Schweiz zurückfahren wollte, seien mehrere Schweizer Autos angehalten worden und die Polizei habe überprüft, ob die gesetzlich vorgeschriebenen CH-Kleber am Auto angebracht waren. Sie selbst habe nicht gewusst, dass man einen CH-Kleber am Auto haben muss, wenn man in Vorarlberg unterwegs ist. Ihre Busse beträgt 25 Euro.

Fritsche sagt: «Nur Schweizer Autos wurden angehalten, weil die Polizei gezielt nach CH-Klebern suchte. Österreichische Autos hat man weiterfahren lassen.» Die Busse konnte sie nachvollziehen. Sie findet jedoch: «Man hätte es auch bei einer Ermahnung belassen können.» Sie postete den Bussenzettel in einer regionalen Facebook-Gruppe.

Kein Einzelfall

Fritsches Facebook-Post löste viele Reaktionen aus. Innerhalb von zwei Tagen gab es über 160 Kommentare. Dort muss die Tierschützerin auch Vorwürfe entgegennehmen. «Das weiss man doch, im Ausland muss ein CH ans Auto», so ein Kommentar. Einige werfen auch der Landespolizei Vorarlberg vor, dass es um Geldmacherei ging. Einige Facebook-Nutzer schreiben von ihren eigenen Erfahrungen bezüglich Bussen für fehlende CH-Kleber. Oft mussten mehr als 25 Euro bezahlt werden, so der Tenor. Jemand musste offenbar sogar 150 Euro bezahlen. Vor allem in Italien werde vermehrt gebüsst. Das zeigt auch ein Fall, der sieben Jahre zurückliegt. Damals musste ein Autofahrer eine Busse von 335 Euro bezahlen.

CH-Kleber im Ausland Pflicht

Der Touring Club Schweiz TCS schreibt auf seiner Website: «Gemäss Artikel 45 der VTS (Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge) müssen Motorfahrzeuge und Anhänger, die ins Ausland fahren, ein Landeszeichen, das heisst einen CH-Kleber, gut sichtbar am Heck des Fahrzeuges tragen. Dieses Landeskennzeichen muss auf dem Fahrzeug (Autos und Motorräder) sowie auf Anhängern angebracht sein.»

Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge

Artikel 45

1 Motorfahrzeuge und Anhänger, die ins Ausland fahren, müssen hinten ein Landeszeichen nach Anhang 4 tragen.

2 Kontrollschilder und Landeszeichen sind gut lesbar und möglichst senkrecht (Neigung nach oben max. 30°, nach unten max. 15°) anzubringen. Sie müssen sich in einer Höhe zwischen 0,20 m (unterer Rand) und 1,50 m (oberer Rand) befinden, wenn nicht technische oder betriebliche Gründe entgegenstehen. Das hintere Kontrollschild muss in der Längsachse des Fahrzeuges und beidseits davon innerhalb eines Winkels von 30° lesbar sein.

3 Kontrollschilder und Landeszeichen dürfen nicht verändert, verbogen, zerschnitten oder unleserlich gemacht werden. Es darf nur das Landeszeichen des Immatrikulationslandes angebracht sein.

4 Zusätzliche, vom UVEK zugelassene amtliche Zeichen können, soweit erforderlich, von der Zulassungsbehörde mit Eintrag im Fahrzeugausweis bewilligt werden. Nichtamtliche Schilder oder Zeichen, die mit amtlichen verwechselt werden oder die Lesbarkeit der amtlichen Schilder beeinträchtigen könnten, sind untersagt.

Die Landespolizeidirektion Vorarlberg verneint eine gezielte Aktion gegen Schweizer Autofahrer. Man habe bei Feldkirch keine Kontrollen durchgeführt, um explizit Schweizer wegen fehlender CH-Kleber an den Fahrzeugen büssen zu können. Man könne sich aber vorstellen, dass ein einzelner Beamter des zuständigen Bezirkskommandos die Durchführung angeordnet habe. Der Polizeidirektion Vorarlberg liege aber nichts Derartiges vor.

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