Demonstration in Köln: Polizei spielte «Atemlos» zur Deeskalation

Aktualisiert

Demonstration in KölnPolizei spielte «Atemlos» zur Deeskalation

Die Lage an der «Hooligans gegen Salafisten»-Demo in Köln eskalierte am Sonntag. Damit sich die Situation beruhigte, spielte die Polizei über Lautsprecher «Atemlos» von Helene Fischer.

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cho/kko

Die Gegend um den Kölner Hauptbahnhof war am Sonntagnachmittag in der Hand von über 2500 Demonstranten, die an der Aktion «Hooligans gegen Salafisten» teilnahmen. Auf Facebook hatten sich über 7000 Teilnehmer angekündigt. Die als gewaltbereit geltenden Hooligans hatten sich versammelt, um gegen Islamisten zu demonstrieren. Aus ihren Reihen wurden «Ausländer raus!»-Rufe angestimmt.

Als die Hooligans durch die Stadt zogen, kam es zu heftigen Ausschreitungen. Demonstranten warfen Flaschen, Steine, Fahrräder und Feuerwerkskörper auf die Beamten, wie ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur DPA bestätigte. Mindestens 44 Polizisten wurden verletzt, einer davon schwer. Aufseiten der Demonstranten sei eine Person verletzt worden. Erst gegen 19 Uhr beruhigte sich die Lage allmählich. Wie das Newsportal «Express» meldet, spielte die Polizei über Lautsprecher «Atemlos» von Helene Fischer. Der Schlager-Hit sollte die Gemüter beruhigen und so zur Deeskalation beitragen. Ein Twitter-User bestätigte die Meldung.

Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein und ging auch mit Schlagstöcken und Tränengas gegen Angreifer vor.

Eine Amateur-Aufnahme zeigt, wie die Demonstranten ein Polizeifahrzeug umstiessen

Demo abgebrochen

Die Kundgebung war um 15 Uhr gestartet. Kurz nach 16 Uhr meldeten Twitter-User, dass die Demonstration von der Polizei abgebrochen wurde. Grund war offenbar die zunehmende Gewalt.

Eine solche Eskalation der Gewalt habe es im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) lange nicht gegeben, sagte der Sprecher nach dem Demonstration. Sechs Hooligans wurden festgenommen. Laut Bild.de waren in Köln weit über 1000 Polizisten im Einsatz. Zur Unterstützung liess die Bundespolizei zusätzliche Verstärkung aus anderen Bundesländern einfliegen.

Gegendemo mit 500Teilnehmern

Der Veranstalter hatte 1500 Personen zu einer friedlichen Demonstration angemeldet - es kamen mindestens 4000 als gewaltbereit geltende Hooligans, um gegen Islamisten zu demonstrieren. Sie reisten nach Angaben der Bundespolizei teilweise von weither an.

Zugleich kamen rund 500 Teilnehmer zu einer Gegendemonstration unter dem Motto «Schulter an Schulter gegen Rassismus und religiösen Fundamentalismus».

Organisation über soziale Netzwerke

Die «Hooligans gegen Salafisten» sind eine Bewegung, die sich im Internet gebildet hat und sich über soziale Netzwerke organisiert. Neben gewaltbereiten Fussballfans werden auch Rechtsextreme der Bewegung zugerechnet.

Das deutsche Innenministerium beobachtet sie nach eigenen Angaben wegen der hohen Gewaltbereitschaft unter den Sympathisanten seit einiger Zeit verstärkt. Die Kundgebung in Köln war von einem Funktionär der Anti-Islam-Partei Pro NRW angemeldet worden, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. (cho/kko/sda)

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