Ein Dorf in Angst: Polizei sprengte bis 2 Uhr früh in der Kiesgrube

Aktualisiert

Ein Dorf in AngstPolizei sprengte bis 2 Uhr früh in der Kiesgrube

Er hortete ein ganzes Waffenarsenal: Wie der Emmentaler Martin B. in dessen Besitz gelangte, ist unklar. Sprengstoff-Experten waren bis am frühen Morgen mit der Vernichtung beschäftigt.

von
fum

Am Tag danach ist im beschaulichen Weiler Ramsei im Emmental wieder Ruhe eingekehrt: Die spektakuläre Hausdurchsuchung von Polizei und Armee bleibt aber das grosse Gesprächsthema im Dorf. «Ich durfte wegen der Explosionsgefahr erst nach Mitternacht wieder in meine Wohnung», sagt ein direkter Nachbar, der anonym bleiben möchte. Auch in der angrenzenden Gartenbaufirma war die Aufregung gross: «Die Beamten kamen bei uns vorbei und sagten, dass wir das Gewächshaus und den Parkplatz nicht betreten sollen», so eine Angestellte.

Die Polizei warnte die Bevölkerung mit gutem Grund: In der Wohnung des 44-jährigen Schweizers Martin B.* stiessen die Beamten auf eine grosse Anzahl von Waffen. «Wir konnten Pistolen, Gewehre, Serienfeuerwaffen, diverse Munition und Handgranaten sicherstellen», sagt Corinne Müller, Sprecherin der Kantonspolizei auf Anfrage von 20 Minuten Online. Ob gar eine Bombe, wie sich im Dorf herumgesprochen hat, im Spiel war, kann die Polizei nicht direkt bestätigen. Sie spricht von «alten Sprengmitteln».

Kontrollierte Sprengungen bis in die Nacht

Welche Menge insgesamt beschlagnahmt wurde, kommuniziert die Kantonspolizei noch nicht. Auch auf welchem Weg B. an die Waffen gelangte, sei noch Gegenstand der Ermittlungen. Ein beträchtlicher Teil wurde gemäss Müller noch in der Nacht zur Explosion gebracht, die entsprechenden Sprengungen in einer Kiesgrube in Hasle hätten bis morgens um 2 Uhr gedauert.

B. wurde am Tag vor der Hausdurchsuchung in Zusammenhang mit einem Drogendeal kontrolliert und über Nacht festgehalten. Weil er in der Region verwurzelt sei und keine Fluchtgefahr bestehe, sei er nach einem Tag wieder entlassen worden, so der Sprecher der Berner Staatsanwaltschaft zur SDA. Sie geht derzeit davon aus, dass er keine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt. Der Mann sei im Zusammenhang mit Waffen oder Gewalt nicht vorbestraft, man könne aber noch nicht sagen, ob er über die nötigen Bewilligungen für die Waffen und den Sprengstoff verfügte.

Dass B. mit Drogen zu tun hatte, ist in Ramsei ein offenes Geheimnis: «Diesen Verdacht hatten wir schon seit langem. Aber dass er so ein Waffenarsenal zuhause lagerte, daran hätten wir nicht gedacht», so eine Nachbarin.

*Name der Redaktion bekannt

Feedback

Hinweise, Anregungen oder Informationen? Mail an: feedback@20minuten.ch

Deine Meinung