«Völlig unverhältnismässig»: Polizei stürmte Klublokal der Hells Angels wegen einer Jacke
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«Völlig unverhältnismässig»Polizei stürmte Klublokal der Hells Angels wegen einer Jacke

Am Dienstag führte die Polizei mit einem Grossaufgebot eine Razzia beim Klublokal der Basler Hells Angels durch. Der Grund sei eine gestohlene Jacke, so der Anwalt der Rocker, der den Einsatz scharf kritisiert.

von
Lukas Hausendorf
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Die Polizei rückte am Dienstag mit einem Grossaufgebot beim Clublokal der Basler Hells Angels ein.

Die Polizei rückte am Dienstag mit einem Grossaufgebot beim Clublokal der Basler Hells Angels ein.

News-Scout
Für die Dauer der Razzia wurde sogar der Verkehr umgeleitet. Die Emil Frey-Strasse war mehrere Stunden lang gesperrt.

Für die Dauer der Razzia wurde sogar der Verkehr umgeleitet. Die Emil Frey-Strasse war mehrere Stunden lang gesperrt.

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Die Razzia wurde von der Baselbieter Polizei im Auftrag der Basler Staatsanwaltschaft durchgeführt. Das Clublokal der Biker befindet sich in Münchenstein auf Baselbieter Boden.

Die Razzia wurde von der Baselbieter Polizei im Auftrag der Basler Staatsanwaltschaft durchgeführt. Das Clublokal der Biker befindet sich in Münchenstein auf Baselbieter Boden.

Lukas Hausendorf

Im Morgengrauen rückte die Polizei mit einem Grossaufgebot am Dienstag an der Emil Frey-Strasse in Münchenstein an. Polizisten mit Sturmhauben enterten das Clubhaus des Basler Ablegers der Hells Angels. Die Razzia dauerte fast den ganzen Vormittag, die Strasse blieb so lange für den Durchfahrtsverkehr gesperrt.

Die Basler Staatsanwaltschaft, die die Razzia veranlasst hatte, gab nur spärlich Auskunft über die Hintergründe. Einzig, dass es sich um ein laufendes Strafverfahren handle, wurde preisgegeben. Geht es um Drogenhandel oder Waffengeschäfte wie in der Netflix-Serie «Sons of Anarchy», in der Bikergangs als Gangster in Rockerkutten auf schweren Harley Davidson Motorrädern dargestellt werden? Mitnichten, denn wie sich nun herausstellt, war der Anlass für den Grosseinsatz eine gestohlene Jacke.

Das verriet der Basler Anwalt Andreas Noll, der eines der betroffenen Hells-Angels-Mitglieder vertritt der «bz» (Bezahlartikel). Am 27. Dezember hatten mehrere Hells Angels im Basler Breite Quartier einen 50-jährigen Mann auf offener Strasse niedergeschlagen, weil er eine Jacke der United Tribuns getragen hatte. Die Tribuns sind eine rivalisierende Biker-Gruppierung aus Baden Württemberg, mit denen es schon in der Vergangenheit wiederholt zu Scharmützeln kam. Die Jacke wurde dem Opfer entwendet und die Hells Angels flüchteten in einem grauen Mercedes. Nach Informationen von 20 Minuten handelte es sich beim Opfer aber nicht um einen Tribuns-Member.

«Das war eine Machtdemonstration»

Noll kritisiert den Polizeieinsatz vom Dienstag scharf. «Das war eine reine Machtdemonstration. Die Polizei kam wie ein Überfallskommando und nahm das Klubhaus regelrecht auseinander. Sie scheint hier fast dem schlechten Ruf der Hells Angels den Rang ablaufen zu wollen», wird er zitiert. Der Rockerclub geriet schon mehrfach ins Visier der Behörden. So führte auch schon die Bundesanwaltschaft ein mehrjähriges, aufwändiges Verfahren gegen die Hells Angels, konnte aber nicht beweisen, dass es sich dabei um eine kriminelle Organisation handelt.

Was die Polizei bei der Razzia alles gefunden hat und ob die Tribuns-Jacke darunter war, ist unklar. Gemäss Noll wurden aber mehrere Klubmitglieder vorübergehend festgenommen und nach einer Vernehmung wieder freigelassen.

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