Aktualisiert 04.03.2011 14:13

Vermisste ZwillingePolizei sucht nach einem schwarzen Auto

Die Ermittler gehen zurzeit mehreren Zeugenaussagen nach, welche die Zwillinge auf Korsika gesehen haben wollen und sucht nach dem Halter eines Autos mit Schweizer Kennzeichen.

Das Verschwinden der Zwillinge aus St-Sulpice VD bleibt ein Rätsel: Die Ermittler haben noch immer keine Hinweise auf das Schicksal der sechsjährigen Mädchen. Die Suche konzentriert sich auf Korsika. Und die Waadtländer Polizei sucht den Halter eines dunklen Autos.

Die Ermittler gingen zurzeit mehreren Zeugenaussagen nach, nach denen Livia und Alessia auf der Insel Korsika gesehen wurden, sagte Jean-Christophe Sauterel, Sprecher der Waadtländer Kantonspolizei, am Mittwochnachmittag an einer Medienkonferenz.

Ein Zeuge will Anfang Februar einen Mann mit zwei blonden Mädchen im Hafen von Propriano (Korsika) gesehen haben. Während er die Kinder identifizieren konnte, war er sich beim Vater nicht sicher.

Zudem will der Mann ein dunkles Auto, Typ Kombi, mit Schweizer Kennzeichen gesehen haben, ähnlich jenem des Vaters der seit dem 30. Januar vermissten Zwillinge. Dieser fuhr einen schwarzen Audi A6 Avant. Um die durch das Auftauchen eines zweiten Autos entstandene Verwirrung aufzuklären, suche man nun nach dem Halter, sagte Sauterel.

Zu den an einem Strand in Korsika gefundenen Blutspuren wollte sich Sauterel nicht äussern. Man sei daran, diese zu analysieren. Auch zu DNS-Spuren der beiden sechsjährigen Mädchen in der Kabine der Fähre wolle Sauterel nichts sagen. Er habe dazu keine Informationen.

Aktuell ermitteln in der Schweiz immer noch rund 15 Polizisten weiter im privaten und beruflichen Umfeld des Vaters.

«Alle Möglichkeiten in Betracht ziehen»

«Bis heute wissen wir nicht, wo die beiden Mädchen sind. Wir wissen nichts über ihr Schicksal», sagte der Marseiller Staatsanwalt Jacques Dallest anlässlich eines Treffens der verschiedenen Ermittler am Mittwochmorgen in Marseille.

Teilgenommen hatten rund 20 Vertreter aus Frankreich, Italien und der Schweiz - inklusive Fachleute von Interpol. Seitens der Schweiz war auch der Waadtländer Staatsanwalt Pascal Gilliéron anwesend.

Dieser betontem dass die Ermittler nichts ausschliessen würden. «Wir müssen alle Möglichkeiten in Betracht ziehen.» Auch dass der 43- Jährige eine Komplizin aus der Gegend von Lyon F gehabt haben könnte. Man ermittle in diese Richtung weiter, sagte Gilliéron und verwies auf das Mobiltelefon des Vaters, das am Tag der Entführung am Flughafen von Lyon hatte geortet werden können.

Hoffen auf Zusatzinfos aus Navigationsgerät

Noch immer konnte die Irrfahrt des Vaters nicht vollständig rekonstruiert werden. Inzwischen haben die italienischen Ermittler die zerstörten Überreste des Navigationsgerätes aus dessen Auto gefunden - rund 150 Meter von jenem Ort entfernt, an dem er sich am 3. Februar vor einen Zug geworfen hatte.

Das Gerät wurde zur Analyse an eine Spezialfirma geschickt. Die Ermittler wollen auf diese Weise zusätzliche Informationen über die Reiseroute des Vaters gewinnen.

Noch nicht gefunden wurde hingegen sein Diktiergerät, das er immer bei sich trug. Die Ermittlungsbehörden hoffen, das Gerät enthalte eine Botschaft, die Aufschluss über das Schicksal von Livia und Alessia geben könnte.

Psychologisches Profil des Vaters

Mittlerweile wurde das vom Vater vor seinem Suizid abgestellte Auto gründlich durchsucht. Die italienische Polizei setzte dazu auch Spezialhunde ein. Spuren von Leichen seien nicht gefunden worden, sagte Ermittler Alfonso Fabbrocini zur italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Zudem wird zurzeit der vom Vater an die Mutter verschickte Brief von Fachleuten analysiert, um ein psychologisches Profil des Mannes zu erstellen. Im Brief stand, die beiden Mädchen seien nicht mehr am Leben. (sda)

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