2 Tote, 5 Verletzte: Polizei tötet Attentäter von Kopenhagen
Aktualisiert

2 Tote, 5 VerletztePolizei tötet Attentäter von Kopenhagen

Die dänische Hauptstadt kann aufatmen: Nur wenige Stunden nach Attacken auf ein Kulturzentrum und eine Synagoge erschiesst die Polizei den mutmasslichen Attentäter.

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Der mutmassliche Attentäter von Kopenhagen, Omar Abdel Hamid El-Hussein (in der Mitte mit blauen Handschuhen), stand vor einer viel versprechenden Thaibox-Karriere.

Der mutmassliche Attentäter von Kopenhagen, Omar Abdel Hamid El-Hussein (in der Mitte mit blauen Handschuhen), stand vor einer viel versprechenden Thaibox-Karriere.

Screenshot Youtube
Unter dem Namen Omar «Captain» Hussein stieg er in den Ring.

Unter dem Namen Omar «Captain» Hussein stieg er in den Ring.

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El-Hussein kam als Sohn von Palästinensern in Dänemark auf die Welt.

El-Hussein kam als Sohn von Palästinensern in Dänemark auf die Welt.

AFP/ho

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Nach den tödlichen Angriffen auf ein Kulturzentrum und eine Synagoge in Kopenhagen ist der mutmassliche Täter am Sonntagmorgen von der Polizei erschossen worden. Bei den beiden Angriffen am Samstagnachmittag und in der Nacht zu Sonntag war jeweils ein Mann getötet worden; insgesamt wurden fünf Polizisten verletzt.

Der Verdächtige sei im Morgengrauen vor einer observierten Wohnung aufgetaucht, woraufhin es zu einem Schusswechsel mit den dort postierten Polizisten gekommen sei, teilte die dänische Polizei mit. Dabei wurde der Mann getötet. Die Ermittler gehen von einen Einzeltäter aus.

Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt brachte ihre Erleichterung zum Ausdruck. «Die Polizei hat nach Lage der Dinge den mutmasslichen Täter, der hinter beiden Angriffen steckt, neutralisiert», heisst es einem Statement der Regierungschefin. Der französische Präsident François Hollande sicherte Thorning-Schmidt «Frankreichs Solidarität» zu.

Bild einer Überwachungskamera

Nähere Angaben zu dem getöteten Mann lagen zunächst nicht vor. Die Polizei veröffentlichte ein Bild aus einer Überwachungskamera in der Nähe dieser Stelle. Die Aufnahme zeigt einen dunkel gekleideten Mann mit einer roten Mütze.

Den Ermittlungen zufolge war der Mann nach dem Angriff auf die Diskussionsveranstaltung zum Thema «Kunst, Gotteslästerung und Freie Rede» am Samstag zunächst in einem dunklen VW Polo geflohen, der später in Kopenhagen gefunden wurde. Danach setzte er seine Flucht in einem Taxi fort und liess sich nach Hause in seine Wohnung fahren. Der Taxifahrer gab den Ermittlern den entscheidenden Tipp.

Für Sonntagnachmittag stellte die Polizei weitere Informationen in Aussicht.

Sicherheitsvorkehrungen der jüdischen Gemeinde verstärkt

Bei dem Opfer, das in dem Kulturcafé erschossen wurde, handelt es sich um einen 55 Jahre alten Mann. Das zweite Opfer, das vor einer Synagoge von einer Kugel in den Kopf tödlich getroffen wurde, ist nach Angaben aus der jüdischen Gemeinde ein junger Wachmann jüdischen Glaubens. Er hatte die Menschen kontrolliert, die in die Synagoge zur Feier einer Bar Mitzwa kamen.

Nach Angaben des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, gelang es dem Angreifer nicht, in das Gebäude vorzudringen, wo etwa 80 Menschen versammelt waren. Demnach hatte die jüdische Gemeinde die Sicherheitsvorkehrungen nach den Anschlägen auf die Redaktion des Satiremagazins «Charlie Hebdo» und einen jüdischen Supermarkt in Paris Anfang Januar verstärkt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rief die Juden in Europa zur Auswanderung in den jüdischen Staat auf. «Juden wurden auf europäischem Boden ermordet, nur weil sie Juden waren», sagte Netanjahu am Sonntag während einer Kabinettssitzung in Jerusalem. «Diese Terrorwelle wird weitergehen.»

Karikaturist als Zielscheibe

Der Angriff in dem Kopenhagener Kulturcafé hatte vermutlich dem schwedischen Zeichner Lars Vilks gegolten. Er ist seit Jahren in islamistischen Kreisen wegen seiner Mohammed-Karikaturen in der Kritik und war bereits mehrfach Ziel von Anschlägen. Islamisten setzten ein Kopfgeld in Höhe von 150'000 Dollar auf ihn aus.

Vilks blieb bei dem Anschlag unverletzt. Unter den Besuchern war auch der französischen Botschafter François Zimeray, der ebenfalls unverletzt blieb.

Der Schweizer Journalistenverband impressum zeigte sich schockiert über «den erneuten Angriff auf die Meinungsäusserungsfreiheit». Auch die Vertreterin für Medienfreiheit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Dunja Mijatovi, verurteilte den Angriff. Religiöse Führer müssten sich gegen Gewalt erheben und demokratische Werte schützen, teilte sie mit.

Die höchst umstrittene dänische Grimhøj-Moschee in Aarhus distanzierte sich denn auch scharf von den Angriffen. «Wir sind natürlich gegen jede Art von Gewalt und Terror gegen Unschuldige», sagte der Vorsitzende der Moschee, Oussama Mohamad El-Saadi, der Zeitung «Jyllands-Posten». Er sei traurig über die Ereignisse. El-Saadi warnte vor einer pauschalen Verurteilung aller Muslime, falls es sich bei dem Täter um einen Muslim handle.

(sda)

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