Illegaler Anlass in Gommiswald: «Polizei und Gemeinde riefen mich an, um mich davon abzubringen»
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Illegaler Anlass in Gommiswald«Polizei und Gemeinde riefen mich an, um mich davon abzubringen»

In einem Restaurant fand am Samstag ein Treffen von Corona-Kritikern statt. Vier Personen wurden angezeigt. Die Wirtin des Restaurants ist nach einer Durchsuchung verärgert.

von
Michel Eggimann

Die Polizei sprach mit dem Organisator des Anlasses, löste die Veranstaltung aber nicht auf.

Youtube/Corona Mahnwachen

Darum gehts

  • In Gommiswald fand ein Anlass mit Corona-Skeptikern statt.

  • Die Polizei war vor Ort, löste die Veranstaltung aber nicht auf.

  • Die Wirtin des Restaurants Älpli, wo der Anlass war, nimmt Stellung.

  • Vier Personen werden angezeigt, weiteren droht eine Busse.

  • Im Restaurant führte die Polizei zwei Tage nach der Veranstaltung eine Hausdurchsuchung durch.

Im Restaurant Älpli in Gommiswald SG kam es am Samstag zu einem Anlass mit Corona-Skeptikern. Wie verschiedene Medien berichtet haben, nahmen daran rund 90 Personen teil. Darunter seien auch Kinder gewesen, sagt Hanspeter Krüsi, Kommunikationschef der Kantonspolizei St. Gallen. Er war am Nachmittag selbst vor Ort und meint: «Ich begreife das nicht. Wie können Corona-Regeln so gebrochen werden, nachdem ein Jahr lang immer wieder auf die Regeln aufmerksam gemacht wurde?»

Zu Beginn ist die Polizei von einer Geburtstagparty ausgegangen. Sie hätten am Freitag erfahren, dass eine Party mit bis zu 90 Personen im Restaurant Älpli geplant sei, so Krüsi. Darauf habe man mit dem Organisator und der Wirtin des Restaurants Kontakt aufgenommen und sie daran erinnert, dass eine solche Party nicht erlaubt sei. Krüsi sagt: «In solchen Innenräumen sind derzeit nur bis zu fünf Personen erlaubt.»

Polizei wollte Eskalation verhindern

Am Samstag ist die Polizei mit einem Aufgebot von rund einem Dutzend Einsatzkräften dann zum Restaurant gefahren. «Wir mussten feststellen, dass bereits gegen 50 Personen im Restaurant waren und immer mehr kamen», so der Sprecher der Kapo St. Gallen. Die Organisatoren hätten sich vor dem Älpli uneinsichtig gezeigt und das Verhalten der Polizei kritisiert. Wie im Video oben zu sehen ist, suchten die Einsatzkräfte das Gespräch mit einem der Organisatoren des Anlasses.

Krüsi sagt: «Das war eine schwierige Situation für uns. Für uns war relativ schnell klar, dass wir die Party nicht auflösen können.» Man wollte eine Auseinandersetzung oder gar eine Eskalation mit möglichen Verletzten verhindern. «Die ankommenden Gäste wollten wir von der Teilnahme an der Veranstaltung abbringen», erklärt Krüsi. Doch verhindern habe man das Fest nicht können und man habe sich dann zurückgezogen. Erst am Montagabend hat die Polizei erfahren, dass es sich nicht um eine Geburtstagsparty handelte, sondern um einen Anlass mit Corona-Skeptikern und Referenten.

Wirtin nimmt Stellung

R. K.*, die Wirtin des Restaurants Älpli, sagt zum Anlass vom Samstag: «Die Polizei und die Gemeinde riefen mich mehrmals an, um mich davon abzubringen. Man drohte mir mit Bussen und weiteren Konsequenzen.» Doch das hielt sie nicht davon ab, die Veranstaltung durchzuführen. Weiter meint K., die Polizei habe die ankommenden Gäste mit einem grossen Aufgebot erwartet und ihnen mitgeteilt, dass man sie beim Betreten des Lokals verzeigen und büssen würde. Gleichzeitig meint die Wirtin: «Uns wird Unverhältnismässigkeit vorgeworfen, die Polizei hat aber alle Zufahrtstrassen zum Dorfplatz kontrolliert. Durchlass gewährt wurde nur denjenigen, die glaubhaft versichern konnten, dass sie nicht zu uns wollten. Steht das etwa im Verhältnis zu unserem Anlass?»

Einer Schuld scheint sich K. nicht bewusst zu sein. Sie sagt, ihr werde ein Geburtstagsfest vorgeworfen, dabei habe sie einen Privatanlass geplant und dazu sei alles Notwendige eingehalten worden. Krüsi stellt klar: «Die Wirtin, der Organisator des Anlasses und zwei Anti-Corona-Referenten vom Anlass werden bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.» Teilnehmenden der Veranstaltung drohen Bussen.

Am Montag ist die Polizei wieder beim Restaurant erschienen – mit einem Durchsuchungsbefehl. K. sagt verärgert, die Polizei sei nicht zimperlich gewesen. «Die Einsatzkräfte nahmen alles mit. Die Kasse, Stockgeld und Lieferscheine. Auch Sachen, die gar nichts mit dem Anlass vom Samstag zu tun haben.» Sie nennt beispielsweise Geld, das sie über das ganze vergangene Jahr für Gutscheine erhalten habe. Dazu sagt Krüsi von der Kantonspolizei St. Gallen: «Die Untersuchungen werden zeigen, was mit dem Geld passiert.» Darüber entscheide die Staatsanwaltschaft.

*Name der Redaktion bekannt

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