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Darknet-MarktplatzPolizei verhaftet Drogen-König (34) nahe der Grenze zu Dänemark

Über den sogenannten Darkmarket wurden Drogen im Wert von Millionen gedealt. Jetzt hat die Polizei den Umschlagplatz geschlossen, über 20 Server beschlagnahmt und einen 34-jährigen Australier festgenommen.

von
Tobias Bolzern
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Ein 34-jähriger Australier ist Mitte Januar 2021 nahe der dänischen Grenze in Deutschland verhaftet worden. (Symbolbild)

Ein 34-jähriger Australier ist Mitte Januar 2021 nahe der dänischen Grenze in Deutschland verhaftet worden. (Symbolbild)

REUTERS
Ihm wird vorgeworfen der Betreiber des sogenannten Darkmarkets zu sein. Über die Plattform verkauften 2400 Händler illegale Waren, vor allem Drogen, im Wert von mehr als 150 Millionen Franken. 

Ihm wird vorgeworfen der Betreiber des sogenannten Darkmarkets zu sein. Über die Plattform verkauften 2400 Händler illegale Waren, vor allem Drogen, im Wert von mehr als 150 Millionen Franken.

Europol
Die Waren wurden per Post verschickt. Auf die Schliche kamen die Ermittler dem 34-jährigen Australier wegen dem Fall Cyberbunker. 

Die Waren wurden per Post verschickt. Auf die Schliche kamen die Ermittler dem 34-jährigen Australier wegen dem Fall Cyberbunker.

REUTERS

Darum gehts

  • Auf dem Darkmarket waren über 500’000 User registriert.

  • Illegale Waren im Wert von 150 Mio. Franken wurden verkauft.

  • Dabei handelte es sich um Drogen, Waffen und Falschgeld.

  • Jetzt hat die Polizei den Marktplatz vom Netz genommen.

  • Ein 34-jähriger Mann wurde in Deutschland festgenommen.

Die Kriminalpolizei Oldenburg hat am Wochenende in der Nähe der Grenze zu Dänemark einen australischen Staatsbürger verhaftet. Der 34-jährige Mann ist der mutmassliche Betreiber des Darkmarket – dem grössten illegalen Handelsplatz im Darknet (siehe Box unten).

Laut Europol waren mehr als 500’000 Nutzer und 2400 Händler auf dem Marktplatz aktiv. Insgesamt wurden 320’000 Transaktionen registriert. Über die Plattform flossen 4650 Bitcoins und andere Kryptowährungen im Wert von umgerechnet über 150 Millionen Franken. Die Verkäufer hatten hauptsächlich Drogen aller Art im Angebot, verkauften aber auch Falschgeld, gestohlene oder gefälschte Kreditkartendaten, SIM-Karten und Schadsoftware.

Server sichergestellt

Am Montag wurde die Plattform schliesslich geschlossen. Mehr als 20 Server in der Ukraine und Moldawien wurden auf Anweisung des Bundeskriminalamtes sichergestellt. Sie sollen weitere Hinweise auf die illegalen Machenschaften liefern. Auf die Schliche kam die Polizei dem 34-jährigen Mann aufgrund der Ermittlungen rund um den sogenannten Cyberbunker.

In dem ehemaligen Nato-Bunker betrieben Cyberkriminelle eine Anlage mit 2000 Servern. Darüber sollen hunderttausende Drogendeals abgelaufen sein. Ein 59-jähriger Mann aus den Niederlanden hatte die rund 13’000 Quadratmeter grosse Parzelle im Jahr 2013 gekaut. Im September 2019 stürmten über 650 Beamte, darunter die Spezialeinheit GSG9, den «Cyberbunker». Bei der Razzia wurden zig Smartphones, Datenträger, hunderte Server und eine hohe Summe Bargeld sichergestellt.

Den acht Angeklagten, die im Bunker lebten, werden mehrere Vergehen vorgeworfen – unter anderem sollen sie in wechselnder Beteiligung Beihilfe zu Drogenhandel, Kreditkartenbetrug, Hehlerei und Sabotage geleistet haben. Auch wird ihnen die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Dabei geht es um mindestens 249’000 Straftaten. Der Auftakt zu dem Monsterprozess war am 19. Oktober 2020. Die Verhandlung findet jeweils an zwei Tagen pro Woche statt – und dies über die nächsten Monate hinweg bis Ende 2021.

Darknet

Über 99 Prozent der Daten im Internet sind nicht über Suchmaschinen auffindbar. Man spricht vom Deep Web. Darin versteckt sich auch das Darknet. Das sind Netzwerke, die bewusst unsichtbar sein wollen. Um darauf zuzugreifen, benötigt man spezielle Software wie den TOR-Browser. TOR war ursprünglich ein Akronym für The Onion Routing. Der Datenverkehr verläuft dabei verschlüsselt und über unzählige, zufällig ausgewählte private Rechner. Überwacher können so nur schwer Informationen über die Kommunikation sammeln.

Die Arbeit an der TOR-Software begann 2002 an der Universität Cambridge. In der Anfangszeit wurde TOR von US-amerikanischen Behörden wie Darpa unterstützt. Seit 2006 kümmert sich die Non-Profit-Organisation The Tor Project um die Aufrechterhaltung von TOR. Finanziert wird das Projekt von der US-Regierung und privaten Spenden.

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