Aktualisiert 26.07.2018 07:42

ErmittlungspannePolizei verteilt Bussen an gestohlen gemeldeten PW

Ein vor der Badi gestohlenes Auto tauchte nach zwei Wochen wieder auf. Ausfindig gemacht wurde es von einem Anwohner in Bern – die Polizei verteilte währenddessen Bussen.

von
rc

Bettina Mathys wünscht sich mehr Unterstützung seitens der Kantonspolizei. Ihr gestohlenes Auto wurde nur durch die Initiative eines Anwohner entdeckt. (Video: Raphael Casablanca)

Bettina Mathys (37) hatte bereits eine schlechte Vorahnung, als sie am 4. Juli in Begleitung ihrer beiden Söhne in Richtung Ausgang des Wylerbads lief. Kurz vor dem Aufbruch hatte sie mehrmals in ihrer Badetasche nach dem Autoschlüssel ihres beigefarbenen Lancias gesucht – vergeblich. Als sie auf dem Parkplatz ankam, traute sie ihren Augen nicht: «Ich wusste, dass das Auto genau hier stand, doch es war nirgends zu sehen. Es war ein absolut schreckliches Gefühl!» Schnell wurde klar: Bettina Mathys Auto wurde gestohlen.

Die Polizei sah das Auto schon im Ausland

Mathys meldete den Fall umgehend der Kantonspolizei Bern. Diese teilte der 37-jährigen Mutter mit, dass wenn das Auto nach drei Tagen nicht gefunden werde, es höchst wahrscheinlich schon längst im Ausland sei – und die Chancen auf einen Fund somit auf Null sinken würden.

Doch die Mutter gab nicht auf und ermittelte auf eigene Faust: Sie schaltete einen Facebook-Post online, um ihre Freunde auf das gestohlene Auto aufmerksam zu machen. Währenddessen glaubte die Polizei bereits nicht mehr daran, das Auto in Bern wieder zu finden.

Dass der beige Lancia nach zwei Wochen, nur wenige Kilometer vom Tatort entfernt, durch einen Anwohner gefunden wurde, konnte sich selbst die optimistische Mathys zu diesem Zeitpunkt nicht mehr erträumen.

Doch tatsächlich: Am vergangenen Samstag, 14 Tage nach dem Diebstahl, kontaktierte sie ein Mann aus dem Berner Kirchenfeld: Der Anrufer wunderte sich bereits seit mehreren Tagen über das seltsame Auto vor seiner Haustüre. Als er einen Blick ins Auto warf, entdeckte er eine Visitenkarte mit den Angaben von Bettina Mathys und kontaktierte sie umgehend.

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«Das ganze Auto war voll mit Bussen und sogar eine Parkkralle wurde montiert», erzählt Bettina Mathys im Interview mit 20 Minuten.

«Das ganze Auto war voll mit Bussen und sogar eine Parkkralle wurde montiert», erzählt Bettina Mathys im Interview mit 20 Minuten.

Raphael Casablanca
Zudem wurde eine Warnung der Polizei ans Auto geheftet: «Wegen Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsgesetzgebung musste ihr Fahrzeug blockiert werden. Die Blockiergebühr wird separat in Rechnung gestellt.»

Zudem wurde eine Warnung der Polizei ans Auto geheftet: «Wegen Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsgesetzgebung musste ihr Fahrzeug blockiert werden. Die Blockiergebühr wird separat in Rechnung gestellt.»

zvg
Mathys fühlt sich verarscht: Einfach weg fahren kann sie nämlich nicht.

Mathys fühlt sich verarscht: Einfach weg fahren kann sie nämlich nicht.

zvg

Ermittlungspanne der Kapo Bern

Doch dann spitzte sich die Geschichte noch einmal zu. Als Bettina Mathys ihr Auto sah, fiel sie nämlich beinahe aus allen Wolken: «Das ganze Auto war voll mit Bussen und sogar eine Parkkralle wurde montiert», so die 37-Jährige am Mittwoch zu 20 Minuten. Zudem wurde eine Warnung der Polizei ans Auto geheftet: «Wegen Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsgesetzgebung musste Ihr Fahrzeug blockiert werden. Die Blockiergebühr wird separat in Rechnung gestellt», steht auf einem grünen Zettel.

Mathys kann das nicht verstehen: «Das Fahrzeug wurde international zur Fahndung ausgeschrieben. Ich verstehe nicht, dass die Polizei mir über eine Woche lang Bussen verabreichte, ohne zu merken, dass sie das Auto eigentlich selber suchen.»

Polizei rechtfertigt sich

Die Polizei äusserte sich in einem Beitrag von Tele Bärn zum Vorfall: «Es ist so, dass wir nicht jedes Auto im System nachschlagen, das wir büssen», erklärt Polizeisprecherin Sarah Wahlen. Natürlich würden die Beamten bei einem Verdacht entsprechend handeln. Sorgen um die Bussen muss sich Mathys jedoch nicht machen: «Vom Zeitpunkt, an dem das Auto gestohlen wurde, bis zum Zeitpunkt, an dem es wieder auftaucht, sind die Bussen nicht rechtskräftig.»

Doch mit Wegfahren wird vorerst nichts: Der Wagen ist nach wie vor mit einer Parkkralle versehen. Die Blockierung der Polizei dient zur Sicherheit, damit sich der Dieb nicht nochmals bedient: Dieser ist möglicherweise noch immer im Besitz des Schlüssels. Der Radschuh wird demzufolge erst entfernt, wenn Bettina Mathys den Wagen entfernen kann – «meine Ersatzschlüssel sind derzeit leider noch bei der Versicherung», ärgert sich die Bernerin.

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