Aktualisiert 16.10.2015 06:51

Facebook-Kampagne

Polizei warnt davor, Kinderbilder zu posten

Viele Eltern dokumentieren gern jeden Schritt ihrer Sprösslinge auf Facebook. Polizei und Kinderschutz raten zu Zurückhaltung – auch wegen Pädophilen.

von
ann

Das Mädchen ist süss und blond, doch ihr Kopf wird durch ein dickes rotes Kreuz zensiert. Darunter steht: «Auch ich habe eine Privatsphäre!» Dieses Bild hat die Polizei Hagen in Nordrhein-Westfalen zusammen mit der Aufforderung an die Eltern, keine Fotos ihrer Kinder für jedermann sichtbar auf sozialen Medien zu posten, auf Facebook gestellt.

In einem ausführlicheren Kommentar erklärt die Polizeistelle ihren Post noch: «Vielleicht finden Sie die Fotos heute süss, Ihrem Kind sind sie in ein paar Jahren aber endlos peinlich. Oder Ihr Kind wir damit sogar gemobbt. Noch schlimmer: Pädophil veranlagte Menschen bedienen sich solcher Fotos und nutzen sie für ihre Zwecke.» Die Polizei fordert die Eltern auf, ihre Privatsphäre-Einstellungen zu überprüfen oder ganz auf das Veröffentlichen der Fotos zu verzichten und diese lieber den Verwandten persönlich zu zeigen.

Thema in der Schweiz hochaktuell

Mit diesem Aufruf hat die Polizeistelle einen viralen Hit gelandet. Gemäss eigenen Angaben erreichte sie damit bereits über elf Millionen Menschen. Zudem wurde der Post bereits 10'000-fach geteilt und hat tausende Kommentare.

Auch in der Schweiz ist das Thema «Kinderbilder im Internet» hochaktuell. Kinderschutz Schweiz hat dazu Grundsätze aufgelistet. «Eltern veröffentlichen oft sehr unbedarft Bilder von ihren Kindern in den sozialen Medien», sagt Catherine Moser, Leiterin Prävention.

Bilder dienen dem Geltungsbedürfnis der Eltern

Einer der Grundsätze sei darum, dass das Kind das Recht auf Selbstbestimmung habe und die Eltern nicht wüssten, was das Kind in einigen Jahren über die Bilder denke. Darum sollten die Eltern zurückhaltend damit umgehen, insbesondere weil diese Bilder dem Geltungsbedürfnis der Eltern dienten und dem Kind nichts nutzten.

Ein weiteres wichtiges Thema sei der Missbrauch der Bilder, weil diese in falsche Hände gelangen könnten – etwa von Pädosexuellen. «Facebook ist wie eine Postkarte an die ganze Welt», so Moser, «man weiss nie, wer diese Postkarte liest und was er damit macht.»

«Eltern können damit ihre Kinder gefährden»

Die Sorge um pädosexuelle Täter treibt auch die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) um. «Man weiss, dass sie das Internet, insbesondere Chatrooms, intensiv nutzen, um Kinder aufzuspüren, mit denen sie sich später treffen können», sagt Direktor Martin Boess. Eine Kampagne gegen Kinderbilder im Netz habe man derzeit dennoch nicht geplant. «Weil wir bisher noch keine Hinweise haben, dass pädosexuelle Täter potenzielle Opfer dank Bildern auf Facebook gefunden haben.»

Man habe schon überall dort interveniert, wo Kinder relativ einfach identifizierbar seien, wie bei Schülerbildern auf Schul-Websites oder bei Sportvereinen. Dennoch ermahnt Boess auch die Eltern zu mehr Vorsicht. «Sie sind oft sehr unbedarft beim Veröffentlichen von Bildern und machen sich keine Gedanken, dass sie ihr Kind damit gefährden könnten.»

«Rein rechtlich dürfen Eltern Bilder posten»

Rolf auf der Mauer, Rechtsanwalt und Experte für Internetrecht, kann sich dem nur anschliessen. Klar sei aber auch: «Den Eltern ist rein rechtlich das Posten von Bildern nicht verboten.» Sie könnten fürs Kind die Einwilligung erteilen, solange sie die Erziehungsberechtigten seien.

Doch auch er rät zu möglichst viel Zurückhaltung. «Der Massstab wäre, dass man von seinen Kindern nichts postet, was man von sich selbst nicht im Internet sehen will.»

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