Aktualisiert 21.08.2016 14:12

Gefährlicher Trend

Polizei warnt vor «Pokémon Go» auf Velo

In den USA ist es bereits vermehrt zu Unfällen gekommen, weil Monster-Jäger «Pokémon Go» auf dem Velo spielten. Auch in der Schweiz warnen Polizeien und Versicherer davor.

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In den USA ist es bereits vermehrt zu Unfällen gekommen, weil Monster-Jäger «Pokémon Go» auf dem Velo spielten. Auch in der Schweiz warnen Polizisten und Versicherer davor.

In den USA ist es bereits vermehrt zu Unfällen gekommen, weil Monster-Jäger «Pokémon Go» auf dem Velo spielten. Auch in der Schweiz warnen Polizisten und Versicherer davor.

colourbox.de
Kinder der 90er dürften sich noch an das ursprüngliche Pokémon-Spiel erinnern, das man auf der tragbaren Kult-Spielekonsole Gameboy spielen konnte. Das Prinzip war schon damals sehr ähnlich.

Kinder der 90er dürften sich noch an das ursprüngliche Pokémon-Spiel erinnern, das man auf der tragbaren Kult-Spielekonsole Gameboy spielen konnte. Das Prinzip war schon damals sehr ähnlich.

Cnet.com
Die Nutzer mussten Monster sammeln und tauschen sowie gegen jene von anderen Spielern antreten lassen. Die Kreaturen des Gewinners wurden stärker und erhielten im besten Fall sogar neue Fähigkeiten.

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Nintendo

Albisriederplatz in Zürich, Donnerstag, 14 Uhr. Ein Mann fährt mit hoher Geschwindigkeit in den Kreisel, in den Händen das Handy, die Augen auf dem Bildschirm. Den Lieferwagen, der vor ihm kreuzt, sieht er erst in letzter Sekunde und fällt beinahe vom Fahrrad. Hat er ein SMS geschrieben? Oder sogar Pokémons gejagt?

Die Versicherung Baloise jedenfalls warnt auf ihrer Website davor, auf dem Velo «Pokémon Go» zu spielen: «Leider sehr häufig und sehr gefährlich: Das Handy auf dem Velo zu benutzen, führte bereits zu mehreren Unfällen. Eine US-amerikanische ‹Pokémon-Go›-Spielerin fuhr sogar in ein Polizeiauto, während sie auf ihrem Smartphone Pokémons suchte. Je nachdem übernimmt auch deine Versicherung die Kosten für allfällige Schäden wegen Grobfahrlässigkeit nicht.»

«Verlockend, auf diese Weise Monster zu jagen»

Zahlen der Beratungsstelle für Unfallverhütung zeigen, dass jeder zehnte Velofahrer gelegentlich auf dem Fahrrad SMS tippt oder telefoniert. Insbesondere bei den unter 30-Jährigen ist dies beliebt: Jeder Dritte gibt an, hin und wieder auf dem Velo eine Nachricht zu verschicken oder zu lesen.

Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, sagt, Unfälle aufgrund von Pokémon jagenden Velofahrern seien ihm bisher keine bekannt. Das Phänomen sei aber auch noch jung. Er könne sich durchaus vorstellen, dass die Anzahl freihändig Fahrender aufgrund dieses Spiels zugenommen habe. «Es ist gut möglich, dass es verlockend ist, auf diese Weise Monster zu jagen.»

Er warnt: Freihändig zu fahren sei jedoch verboten und ohnehin gefährlich, weil man dazu ein extrem gutes Gleichgewichtsgefühl benötige. «Wer zusätzlich seine Augen auf dem Bildschirm hat, riskiert sein eigenes und das Leben anderer», so Cortesi. Dies zeigten auch die Zahlen: Ablenkung sei die häufigste Unfallursache im Strassenverkehr.

Gefährlicher, wenn Augen auf dem Bildschirm

Auch Andreas Knuchel, Sprecher der Kantonspolizei Basel-Stadt, kann sich vorstellen, dass nun auch mit dem Velo Jagd auf Pokémons gemacht werde. Es sei jedoch schwierig herauszufinden, was jemand auf dem Fahrrad in sein Handy tippe. «Dazu müsste es quasi einen Unfall geben und der Velofahrer müsste danach zugeben, dass er SMS geschrieben oder Pokémon-Go gespielt hat.»

Wer wie oft aufgrund von freihändigem Velofahren verunfallt, wird in der Unfallstatistik nicht aufgeführt. Beim Bundesamt für Statistik heisst es: Das «Loslassen der Lenkvorrichtung» wird mit einer Ordnungsbusse von 20 Franken bestraft. Ob man dabei ein Handy in der Hand hält, spielt keine Rolle. «Natürlich ist es aber gefährlicher, wenn man die Augen statt auf der Strasse auf dem Bildschirm hat», warnt auch Knuchel. Die Reaktionsgeschwindigkeit leide: Man könne nicht bremsen, lenken oder ausweichen.

Tipps und Tricks von Fans

Das Velo auf der Monsterjagd zu benutzen, scheint unter Pokémon-Fans aber beliebt zu sein, wie Einträge und Tipps auf verschiedenen Blogs zeigen. So scheint vor allem das «Eier-Ausbrüten» beliebt zu sein.

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