28.05.2016 22:35

ZürichPolizei wegen Riesen-Pfefferspray in der Kritik

Die Stadtpolizei hat dieses Jahr bei einer Demonstration erstmals ein neuartiges Sprühgerät eingesetzt. Die Grünen fordern ein Verbot des Sprays – der Stadtrat winkt jedoch ab.

von
ced
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Kurdische Aktivisten hatten am 8. Februar vor dem türkischen Generalkonsulat in Zürich gegen die Zustände in der Türkei demonstriert. Gegen das Gebäude flogen Steine und Wurfgeschosse.

Kurdische Aktivisten hatten am 8. Februar vor dem türkischen Generalkonsulat in Zürich gegen die Zustände in der Türkei demonstriert. Gegen das Gebäude flogen Steine und Wurfgeschosse.

Leser-Reporter
Die Polizei setzte Pfefferspray, Tränengas und Gummischrot ein.

Die Polizei setzte Pfefferspray, Tränengas und Gummischrot ein.

Leser-Reporter
Sechs Personen wurden vorübergehend festgenommen.

Sechs Personen wurden vorübergehend festgenommen.

Leser-Reporter/Johannes Dietschi

Normale Pfeffersprays sind so klein, dass sie am Gurt befestigt werden können – kein Vergleich zu der Anschaffung, die die Stadtpolizei im Jahr 2011 getätigt hat. Es handelt sich um sechs Sprühgeräte mit separaten Tanks, die in einem Einsatzfahrzeug verstaut sind und zweimal 2,5 Liter Reizflüssigkeit beinhalten. Kostenpunkt: 15'800 Franken.

Bis zum ersten Einsatz der «Pfefferspray-Kärcher» vergingen fünf Jahre – bei einer Kundgebung prokurdischer Aktivisten vor dem türkischen Konsulat am 8. Februar dieses Jahres ging die Polizei mit dem Gerät gegen die Demonstranten vor. Den Grünen-Gemeinderäten Felix Moser und Markus Knauss ging das zu weit. Laut Medienberichten forderten sie den Stadtrat dazu auf, den polizeilichen Einsatz des Pfefferspray-Tanks zu verbieten.

«Pfefferspray-Dusche»

«Pfefferspray sollte nur in kleinen Mengen eingesetzt werden. Das Gerät der Polizei hat aber einen sehr konzentrierten Strahl, mit dem eine Person richtiggehend abgeduscht werden kann», sagt Knauss zur «NZZ». Gesundheitlich gesehen sei das keineswegs harmlos.

Der Stadtrat ist da aber anderer Meinung: In einer Antwort an die beiden Gemeinderäte rechtfertigt er nun den Einsatz von Pfefferspray und bezeichnet diesen als verhältnissmässig mildes Einsatzmittel. Komme das Reizmittel in Kontakt mit Haut und Gesicht, entstehe lediglich ein vorübergehendes Brennen, aber kein bleibender Schaden. Die Stadtpolizei sehe deshalb keinen Anlass, auf die Geräte zu verzichten.

Wichtig sei indes die Verhältnismässigkeit eines Einsatzes: Der Zweck des Sprühgerätes sei es, Personen auf Distanz zu halten, etwa bei Gewalttaten. Laut dem «Tages-Anzeiger» muss sich die Stadtpolizei weder an einen Mindestabstand noch an eine Maximalmenge halten.

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