10.07.2020 19:14

Messerstecherei beim Bahnhof

Polizei will Tathergang mit Zeugen-Videos rekonstruieren

Nach einer lebensbedrohlichen Messerattacke am Montag sucht die Luzerner Polizei Zeugen, die Videos oder Fotos von der Tat gemacht haben. Ob die Videos als Beweise vor Gericht zulässig sind, ist noch offen.

von
Nathan Keusch
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Nach einer heftigen Auseinandersetzung am Montagabend ist ein Tunesier (29) im Bereich KKL und Bahnhofplatz in Luzern mit einem Messer lebensbedrohlich verletzt worden.

Nach einer heftigen Auseinandersetzung am Montagabend ist ein Tunesier (29) im Bereich KKL und Bahnhofplatz in Luzern mit einem Messer lebensbedrohlich verletzt worden.

BRK News
Nach Ermittlungen konnte die Polizei am Dienstagabend einen Tatverdächtigen festnehmen. Dabei handle es sich um einen 29-jährigen Somalier, teilte die Polizei mit.

Nach Ermittlungen konnte die Polizei am Dienstagabend einen Tatverdächtigen festnehmen. Dabei handle es sich um einen 29-jährigen Somalier, teilte die Polizei mit.

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Die Polizei sucht weiterhin nach Zeugen, die Fotos oder Videos von der Tat gemacht haben.

Die Polizei sucht weiterhin nach Zeugen, die Fotos oder Videos von der Tat gemacht haben.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Bei einer Messerstecherei am Bahnhof Luzern wurde ein 29-Jähriger lebensbedrohlich verletzt.
  • Die Polizei sucht nun Zeugen, die Fotos und Videos der Tat gemacht haben.
  • Das Bildmaterial soll zur Tatrekonstruktion und zur Beweisführung dienen.
  • Ob die Foto- und Videoaufnahmen als Beweise zulässig sind, muss ein Gericht entscheiden.

Nach einer Messerattacke am Bahnhof Luzern suchte die Polizei Zeugen, die vom Tathergang Fotos oder Videos gemacht haben. Bei der Auseinandersetzung am Montag wurde ein 29-jähriger Tunesier lebensbedrohlich verletzt. Nach Ermittlungen konnte die Polizei am Dienstagabend einen somalischen Tatverdächtigen festnehmen.

Bildmaterial für die Beweisführung

In einem ersten Schritt sollten die Bilder der Szene zur Identifizierung des Täters führen. Trotz der Festnahme des mutmasslichen Messerstechers sucht die Polizei weiterhin Zeugen, die Bilder von der Szene gemacht haben. Polizeisprecher Urs Wigger erklärt diese ungewöhnliche Herangehensweise: «Es handelt sich hier nicht um eine Bagatelle, sondern um ein schweres Delikt mit lebensbedrohlichen Folgen. Wir müssen wissen, wie es zur Tat gekommen ist und wer diese begangen hat.»

«Das Bildmaterial ist wichtig für die Beweisführung der Polizei», sagt Wigger. Laut Erkenntnissen der Polizei hat beim KKL ein heftiger Streit zwischen Opfer und Täter stattgefunden und endete mit einer Messerattacke. Schon am Montag habe die Polizei vor Ort einige Videos von anwesenden Zeugen bekommen. Die Polizei hofft nun, mit diesen und weiteren Aufnahmen von Zeugen den genauen Tatablauf rekonstruieren zu können.

Sind Videos zulässige Beweise?

Wigger betont: « Wir animieren die Leute nicht dazu, jede verdächtige Szene zu filmen oder zu fotografieren.» Ist das Bildmaterial jedoch schon vorhanden, könne es einen wichtigen Beitrag zur Polizeiarbeit leisten. Weiter erklärt er, dass Video- und Fotoaufnahmen auf öffentlichem Grund prinzipiell legal seien. Falls die Aufnahmen Menschen und Gesichter zeige, könnte die Veröffentlichung der Bilder durch Privatpersonen die Persönlichkeitsrechte der Gezeigten verletzen. «Ob das Bildmaterial auch vor Gericht als Beweis verwertet werden kann, muss die Justiz klären», sagt Wigger.

Dies bestätigt Barbara Koch, Generalsekretärin vom Kantonsgericht Luzern: «Ob die von Privatpersonen gemachten Videos und Fotos in einem Verfahren gegen einen Beschuldigten verwendet werden können, muss vom zuständigen Sachgericht beurteilt werden.» Die Verwertbarkeit hänge unter anderem von der Schwere der vorgeworfenen Tat ab und ob in die Rechte Dritter eingegriffen werde. «Sollte das Gericht aus rechtlichen Gründen zum Schluss kommen, dass die Fotos oder Videos nicht verwertbar sind, bestünde noch immer die Möglichkeit, diese Privatpersonen als Zeugen einzuvernehmen und anschliessend die Zeugenaussagen im Verfahren zu verwenden.»

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