Hooligan-Fahndung: Polizei zeigt falschen Mann im Internet-Pranger
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Hooligan-FahndungPolizei zeigt falschen Mann im Internet-Pranger

Am Montag hat die Kantonspolizei St. Gallen unverpixelte Bilder von mehreren Fussballfans veröffentlicht. Einer von ihnen hatte sich aber bereits gestellt.

von
vro
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Acht Anhänger des FC Basel werden von der St. Galler Kantonspolizei gesucht.

Acht Anhänger des FC Basel werden von der St. Galler Kantonspolizei gesucht.

Kapo SG
Am Montag, 28. September 2015, hat die Polizei deshalb die unverpixelten Bilder der Chaoten veröffentlicht.

Am Montag, 28. September 2015, hat die Polizei deshalb die unverpixelten Bilder der Chaoten veröffentlicht.

Kapo SG
Zwei Basel-Anhänger haben sich bereits bei der Polizei gemeldet.

Zwei Basel-Anhänger haben sich bereits bei der Polizei gemeldet.

Kapo SG

Es sollte der letzte Schritt sein. Erst wenn alle anderen Optionen ausgeschöpft sind, veröffentlicht die Polizei unverpixelte Bilder von gesuchten Beschuldigten. Im Fall der Basler Hooligans, die sich nach dem Match FCSG – FC Basel vom 15. März an Ausschreitungen beteiligt hatten, musste die Kantonspolizei St. Gallen diese Massnahme jetzt ergreifen. Eine Woche zuvor hatte sie die Bilder von zehn Personen verpixelt publiziert. Die Frist, sich zu stellen, ist nun abgelaufen.

In der Zwischenzeit hat sich einiges getan: Ein Beschuldigter reichte Beschwerde gegen die Veröffentlichung seines unverpixelten Fotos ein. Sein Gesicht wurde deshalb nach wie vor in unkenntlicher Form publiziert. Ausserdem hat sich ein weiterer Betroffener gestellt. Sein Bild wurde vom Netz genommen. Doch nach Polizeiangaben gibt es noch einen weiteren Mann, der sich einsichtig zeigte. Er stellte sich ebenfalls. Dumm nur: Die Polizei löschte das falsche Bild von ihrer Seite. Das Gesicht des Fussballfans konnte deshalb die ganze Schweiz sehen, schreibt die «Aargauer Zeitung».

Panne wird intern abgeklärt

Es handelt sich um ein Missverständnis, wie Staatsanwaltschafts-Sprecher Roman Dobler der Zeitung erklärt: «Der Betroffene hat uns nach der Veröffentlichung kontaktiert und wir haben sofort reagiert.» Und siehe da: Die Bilder wurden ausgetauscht.

Doch wie konnte so ein Fehler überhaupt passieren? Die Bilder waren mit Nummern beschriftet. Der Mann, der sich gemeldet hat, war auf Bild «004_02.jpg» zu sehen, das an dritter Stelle aufgeführt war. An zweiter Stelle war das fälschlicherweise gelöschte Bild mit der Bezeichnung «003_10.jpg». Die Ziffer 3 löste offenbar Verwirrung aus. «Das Problem ist auch, dass alle gefahndeten Personen einander ähnlich sehen», erklärt Dobler der Zeitung. Trotzdem wolle man alles daran setzen, dass ein derartiges Missgeschick künftig nicht mehr passiere. Der Fall werde deshalb intern überprüft.

Lebenslänglich als Hooligan verurteilt

Schon seit Jahren wird die Methode der Internetfahndung kritisiert. Dabei geht es nicht nur um Datenschutz. Das Problem: Landen die Bilder einmal im Netz, bleiben sie dort auch auffindbar. Somit haftet den Verdächtigen auf Lebzeiten der Ruf als Hooligan an, selbst wenn sich in den weiteren Ermittlungen zeigt, dass jemand unschuldig ist.

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