Burkini-Debatte in Frankreich: Polizei zwingt Frau zum Ausziehen ihrer Kleidung
Aktualisiert

Burkini-Debatte in FrankreichPolizei zwingt Frau zum Ausziehen ihrer Kleidung

An Frankreichs Stränden sind Ganzkörperbadeanzüge verboten. In Nizza hat dies eine Muslimin zu spüren bekommen. Die Aufregung nach dem Polizei-Einsatz ist gross.

von
fal
Polizeikontrolle in Nizza: Polizisten fordern die Frau auf, den türkisfarbenen Oberteil auszuziehen. (22. August 2016)

Polizeikontrolle in Nizza: Polizisten fordern die Frau auf, den türkisfarbenen Oberteil auszuziehen. (22. August 2016)

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Fotos von einer Polizeikontrolle am Strand von Nizza haben die Debatte um Burkini-Verbote in Frankreich angeheizt. In den sozialen Netzwerken sorgten zunächst in britischen Medien veröffentlichte Fotos von der Polizeikontrolle für einen Sturm der Entrüstung. Zu sehen ist auf den Bildern, wie vier Angehörige der städtischen Polizei eine Frau umringen, die mit Leggings, einem langen türkisfarbenen Oberteil und mit einem um den Kopf gewickelten Tuch am Strand der südfranzösischen Stadt liegt.

Dann zieht die Frau vor den Polizisten das türkisfarbene Oberteil aus, unter dem sie noch ein ärmelfreies Oberteil trägt. Einen Burkini trug sie nicht.

«Der Gipfel der Absurdität»

Unklar ist, ob die Polizisten die Frau zuvor aufgefordert hatten, das lange Oberteil auszuziehen, wie britische Medien es darstellen. Auf Twitter gab es trotzdem umgehend empörte Reaktionen: «Sie wollen ihr ihre Kleidung wegnehmen», schrieb der Vorsitzende des Kollektivs gegen Islamfeindlichkeit in Frankreich, Marwan Muhammad. Der Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Kenneth Roth, sprach von einem «Gipfel der Absurdität».

Nach den islamistischen Anschlägen in diesem Sommer haben zahlreiche französische Ferienorte, darunter Cannes und Nizza, das Tragen des umstrittenen Ganzkörperbadeanzugs an ihren Stränden verboten. Der Burkini – eine Wortschöpfung aus Burka und Bikini – bedeckt den ganzen Körper und wird von muslimischen Frauen getragen, die beim Baden einer strengen Auslegung des Islam entsprechen wollen.

Der Burkini wird in den Dekreten der Bürgermeister nicht namentlich genannt. Vielmehr wird Frauen der Zugang zum Strand untersagt, die «keine korrekte Kleidung tragen, die die guten Sitten und die Laizität respektiert sowie die Hygiene- und Sicherheitsregeln beim Baden achtet».

Islamfeindlich und überzogen?

Als Begründung für die Verbote führen die Bürgermeister an, wegen der nach den islamistischen Anschlägen angespannten Stimmung in Frankreich könne der Burkini zu Störungen der öffentlichen Ordnung führen. Kritiker verurteilen die Massnahme als überzogen und islamfeindlich.

Seit Verhängung der Burkini-Verbote sind bereits gegen mehrere Frauen Bussgelder verhängt worden. Das Rathaus von Nizza konnte zunächst nicht sagen, ob die Frau, deren Polizeikontrolle am Mittwoch für Aufregung sorgte, wegen ihrer Kleidung eine Busse erhielt, wie es die Fotos nahelegen. (fal/afp)

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