Aktualisiert 18.12.2008 20:14

Nazi-MordanschlagPolizeichef kann Klinik verlassen

Sechs Tage nach dem Mordanschlag wird der Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl am Freitag aus der Klinik entlassen. Für 10.00 Uhr ist ein kurzes persönliches Statement Mannichls vorgesehen.

Bei der Fahndung nach dem Täter hat die 50-köpfige Sonderkommission «Fürstenzell» am Donnerstag 20 neue Hinweise erhalten. Gesucht wird nach einem oder zwei tätowierten Skinheads der rechtsextremistischen Szene.

Eine Spur in dem Fall führt zu einer besonders gewaltbereiten Münchner Neonazigruppe. Der in Untersuchungshaft sitzende 33-Jährige sei ein «Kamerad der Freien Nationalisten München», heisst es auf der Homepage der Gruppierung. Dem Mann und seiner 22-jährigen Ehefrau wird Beihilfe zum versuchten Mord vorgeworfen.

Die beiden bestreiten die Vorwürfe, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch am Donnerstag erklärte. Die Eheleute hätten sich aber inzwischen gegenseitig in ihren jeweiligen Aussagen widersprochen.

Der Polizeidirektor war am Samstag vor seinem Wohnhaus in Fürstenzell niedergestochen worden. Am kommenden Montag soll dort eine stille Lichterdemo unter dem Motto «Protest ohne jegliche Gewalt» stattfinden. Es ist die offizielle Reaktion der Marktgemeinde, in der Mannichl auch politisch aktiv ist.

«Betont aggressiv»

Die Fahndung nach dem eigentlichen Attentäter und möglicherweise nach einer weiteren Person läuft derweil in Deutschland, Österreich und Tschechien auf Hochtouren, wie Walch sagte. Die Polizei veröffentlichte zwei ähnliche Beschreibungen, in denen jeweils von einem grossen kräftigen Mann mit Glatze und einer auffälligen Schlangentätowierung beziehungsweise einem Muttermal am Kopf die Rede ist. Eine lieferte das Opfer, die andere ein Zeuge, der einen Skinhead in den Abendstunden im Wohnort des Opfers gesehen hat. Es könne aber auch sein, dass es sich um ein und dieselbe Person handele, erklärte die Polizei. Derzeit werde an Phantombildern gearbeitet.

Der bayerische Verfassungsschutz schätzt die «Freien Nationalisten München» als «betont aggressiv» und «gewaltbereit» ein, wie ein Behördensprecher der Nachrichtenagentur AP sagte. Die Gruppe akzeptiere Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung und sei den sogenannten nationalen Autonomen zuzuordnen.

Diese gewaltbereiten Rechtsextremisten traten erstmals bei den Maikrawallen in Hamburg grösser in Erscheinung. Mit schwarzer Kleidung, Turnschuhen, Sonnenbrillen, Baseball-Kappen und Kapuzenpullovern sind sie auf den ersten Blick von «linken» Gegendemonstranten kaum zu unterscheiden.

Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, bezifferte das Netzwerk dieser militanten Rechten im «Focus» auf bundesweit über 400 Anhänger. Sollte sich diese neue Bewegung in der Szene durchsetzen, fürchtet Ziercke den Angaben zufolge einen Strategiewechsel bei Aufmärschen und Demonstrationen: «Von einem möglichst disziplinierten und zurückhaltenden Auftreten hin zu militanterem Auftreten mit gewalttätigen Aktionen», wurde er zitiert. Direkt nach dem Anschlag auf Mannichl war bereits von einer neuen Dimension der rechtsextremistischen Gewalt gesprochen worden. (dapd)

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