Aktualisiert 02.07.2014 10:53

Waffe am Gürtel

Polizeieinsatz gegen Polizistin

Sirenengeheul, quietschende Reifen: Zwei Genfer Polizeifahrzeuge rücken aus. Eine Bürgerin hat eine bewaffnete Frau gesehen. Die Aktion endet peinlich - und wird zum Politikum.

von
gbr

Die Stimme der Frau aus Vernier GE klingt ängstlich, als sie am vergangenen Donnerstag bei der Polizei anruft. Sie habe draussen vor dem Coop-Center Blandonnet eine Frau gesehen, die eine Waffe am Gürtel trage, wie die Zeitung «Le Matin» berichtet.

Sofort rücken zwei Patrouillen der Genfer Polizei aus. Ein geplanter Überfall? Oder ist gar eine Wahnsinnige unterwegs? Als die Beamten die Verdächtige stellen, klärt sich alles rasch auf: Die Bewaffnete ist selbst Polizistin. In zivil. Die Polizei rückte wegen einer Kollegin aus.

Uniform-Streik: Polizisten in kurzen Hosen

Politisch kontrovers wird der Vorfall diskutiert, weil die Polizistin in ziviler Kleidung unterwegs war. Sie beteiligte sich nämlich am Uniform-Streik der Genfer Polizei: Seit Ende Mai streiken die Genfer Polizeibeamten gegen eine geplante Reorganisation, die zu tieferen Löhnen führen soll. Sie verzichten im Rahmen des Streiks auf das Tragen der Uniform und der Mütze. Die Männer rasieren sich nicht mehr, einige erscheinen sogar in kurzen Hosen zum Dienst.

Einziges äusseres Erkennungszeichen der Polizisten: Ein oranges Armband mit der Aufschrift «Police», und ein Gurt mit Material und Schusswaffe. Manchen Politikern ist das Auftreten der Beamten seit Wochen ein Dorn im Auge. Emmanuelle Lo Verso vom Genfer Sicherheitsdepartement sagt zum Vorfall: «Diese Sache zeigt die Grenzen dieser gewerkschaftlichen Aktion auf. Wenn Polizisten nicht mehr als solche erkannt werden, nimmt das Gefühl der Unsicherheit zu.»

Polizisten wehren sich

Polizeigewerkschaftsführer Christian Antonietti widerspricht im «Le Matin» vehement: «Wenn sich Zivilpolizisten, Einsatztruppen oder Grenzwächter verstecken, dann gibt es ebenfalls Anrufe auf die Nummer 117. Diese Geschichte so hochzuspielen, ist doch nur ein lächerlicher Versuch, unser gewerkschaftliches Vorgehen zu diskreditieren.» Angedrohten Disziplinarmassnahmen sieht Antonietti gelassen entgegen: Drohungen gebe es seit Mai immer wieder, passieren werde auch diesmal nichts.

Die Meinung in der Bevölkerung über die bärtigen und zuweilen in kurzen Hosen patrouillierenden Polizisten scheint gespalten. Auf Foren wird das Thema kontrovers diskutiert. Viele haben kein Problem mit der äusserlich «bürgernahen» Polizei, andere wünschen sich die Uniformen zurück.

Fehler gefunden?Jetzt melden.