Nach Mord in Genf: Polizeihund findet Spur des Vergewaltigers

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Nach Mord in GenfPolizeihund findet Spur des Vergewaltigers

Die Leiche der am Donnerstag entführten Therapeutin, Adeline Morel, wurde in Versoix GE gefunden. Der mutmassliche Täter ist höchstwahrscheinlich in Deutschland.

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kmo/kub

Der flüchtige Vergewaltiger, der mutmasslich für den Tod einer 34-jährigen Sozialtherapeutin bei Genf verantwortlich ist, hat sich tatsächlich im deutschen Weil am Rhein aufgehalten. Ein Polizeihund fand am Freitag eine Spur des Gesuchten, die sich jedoch an einem Bahngleis verlor.

Das teilte die Polizeidirektion Lörrach (D) am Freitagabend mit. Sie schliesst nicht aus, dass sich der Mann weiterhin in der Gegend aufhält. In einer Mitteilung warnen die Behörden vor dem flüchtigen Straftäter, der gefährlich und möglicherweise bewaffnet sei.

Eine Handyortung hatte die Polizei in die Region Basel geführt. In einem Grosseinsatz wurde am Freitag das alte Zollhaus in Weil am Rhein abgeriegelt und alle anwesenden Personen kontrolliert. In der Nacht auf Freitag hatte die Polizei mit Unterstützung eines Helikopters im Raum Basel nach der Frau und dem Straftäter gesucht.

Im Einsatz standen laut einem Sprecher der Polizeidirektion rund 60 Polizeiangehörige, darunter auch solche aus der Schweiz. Gefunden habe man aber bisher nichts, weder den mutmasslichen Täter noch das geortete Handy. Wem das Handy gehörte, war nicht zu erfahren.

«Ein Vergewaltiger alleine mit einer jungen und schönen Frau zusammen!»

Am Donnerstagmorgen um 11 Uhr sollte Adeline Morel, Sozialtherapeutin und Mutter eines kleinen Kinds, den verurteilten Vergewaltiger Fabrice Anthamatten zu einer Therapiesitzung nach Genf begleiten. Jetzt wurde die Leiche der Therapeutin in einem Genfer Vorort gefunden, wie die Zeitung «Le Matin» berichtet. Sie steckte in einem Sack im Wald von Versoix.

Ihre Mutter zeigt sich im Interview mit «Tribune de Genève» tief traurig, aber auch wütend darauf, dass ein Verbrecher so ohne Chip mit einer Frau allein gelassen wurde: «Ein Vergewaltiger alleine mit einer jungen und schönen Frau zusammen!»

Adeline habe zwei Jahre Kriminologie studiert. Sie habe bei ihrem Job nie Angst gehabt, so die Mutter unter Tränen. Besonders tragisch ist, dass es innert kurzer Zeit der zweite Fall ist, bei dem ein Strafgefangener eine erneute Tat begeht. Fabrice Anthamatten sitzt eine zehnjährige Strafe wegen Vergewaltigung ab.

Erinnerungen an den Fall Marie

«Das schlimmste Szenario wäre eine Wiederholung des Falls Marie», sagte eine Polizeiquelle kurz nach der Entführung zur Westschweizer Zeitung «Le Matin». Der Informant nahm Bezug auf die Entführung und Ermordung einer jungen Frau durch einen Verurteilten in Payerne VD. Der Fall sorgte im Mai 2013 für Schlagzeilen. Die 19-jährige Marie, die Ex-Freundin des Täters, wurde Tage nach ihrer Entführung ermordet gefunden. Der Täter befand sich zur Zeit der Tat unter Hausarrest, die Fussfessel hatte er vor der Tat entfernt.

Als nicht mehr gefährlich eingestuft?

Der aktuelle Fall wirft Fragen auf: Weshalb erhielt der 39-jährige, zu zehn Jahren verurteilte Vergewaltiger die Erlaubnis für einen begleiteten Ausgang? Der Mann war im Zentrum für Sozialtherapie La Pâquerette im Kanton Genf inhaftiert, einer Institution des Gefängnisses Champ-Dollon, in der gefährliche Verbrecher untergebracht werden. Ein Genfer Anwalt sagt gegenüber «Le Matin», dass diese Institution unter anderem dazu dient, Verurteilte an ein Leben ausserhalb des Gefängnisses zu gewöhnen. Er geht davon aus, dass der Flüchtige als «nicht mehr gefährlich» eingestuft worden ist. Ob das so ist und wer die Entscheidung getroffen hat, ist zurzeit nicht bekannt.

Dass dem verurteilten Vergewaltiger jedoch eine einzelne Frau als Begleitung zugewiesen wurde, ist mehr als fragwürdig. «Das ist unfassbar», sagt dazu Vincent Spiro, Präsident der Anwaltskammer, gegenüber «Le Matin». Er hofft, dass durch diesen Vorfall nicht gleich die ganze Institution La Pâquerette infrage gestellt wird: «Mehrere meiner Klienten konnten dank dieser Einrichtung erfolgreich in die Gesellschaft wiedereingegliedert werden.»

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