Live-Krimi: Polizeikommando stürmt Kinder-Lesenacht
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Live-KrimiPolizeikommando stürmt Kinder-Lesenacht

15 Kinder erlebten in Glarus eine besonders actionreiche Lesenacht. Weil sie mit ihren Taschenlampen für Einbrecher gehalten wurden, tauchten Polizisten bei ihnen auf - mit Pistolen im Anschlag.

von
bat
Die vermeintlichen Einbrecher beim Apéro in der Buchhandlung Baeschlin Bücher, zusammen mit Buchhändlerin Gaby Ferndriger.

Die vermeintlichen Einbrecher beim Apéro in der Buchhandlung Baeschlin Bücher, zusammen mit Buchhändlerin Gaby Ferndriger.

Manchmal werden die abenteuerlichsten Geschichten plötzlich real. Zumindest für 15 Kinder in Glarus, die in der Buchhandlung Baeschlin an der ersten Lesenacht am vergangenen Freitag teilnahmen. Viel Spass stand auf dem Programm: Die Kinder duften zu Abend essen, sich als Buchhändler verkleiden, zusammen Bücher lesen und übernachten. Und wie es sich bei richtigen Geistergeschichten gehört, wurden dabei natürlich das Licht aus- und die Taschenlampen eingeschaltet.

Dass es wegen diesen Taschenlampen später noch viel Action geben würde, ahnten die Kinder zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Denn wie die «Die Südostschweiz» aufgrund eines Artikels von «Glarus24» berichtet, traf ein Bote, der mitten in der Nacht eine Lieferung Bücher im Hauseingang deponieren will, auf diese von aussen verdächtig wirkende Szenerie. Der Lieferant fackelte nicht lange und rief die Polizei. Er vermutete, dass sich in der Buchhandlung Einbrecher zu schaffen machen.

In Vollmontur auf Verbrecherjagd

Sofort rückte eine Patrouille mit zwei Mann morgens um halb zwei Uhr zur Buchhandlung aus. Die Kinder schliefen zu dieser Zeit bereits. Doch als die Polizisten verdächtige Geräusche hörten, schien für sie klar zu sein: Hier drin sind Einbrecher. Also zogen sie Schutzwesten an, nahmen Pistolen in die Hand und schlichen über den Lieferanteneingang in den Gang der Buchhandlung und warteten hinter der Türe erstmal ab.

Erst als die 10-jährige Karima aufs WC musste und deshalb den Gang betrat, erfolgte der Zugriff. «Die Polizisten forderten das Mädchen auf, sich sofort auf den Boden zu legen», sagt Buchhändlerin Gaby Ferndriger gegenüber 20 Minuten Online. Auch Ferndriger selber, die nach dem rechten sehen wollte, wurde gezwungen, sich sofort hinzulegen. «Die sind mit Pistolen im Anschlag richtig in den Raum hinein gesprungen», sagt sie.

Für die Kinder ein Abenteuer

Die Polizisten hätten aber schnell bemerkt, dass es sich um ein Missverständnis handelte und entschuldigten sich. «Die Kinder fanden das nicht so schlimm, eher abenteuerlich», sagt Ferndriger. Nur die kleine Karima habe, wie sie erzählte, am Samstag noch wegen des «Überfalls» einen Albtraum gehabt.

Ferndringer will trotz des Spezialeinsatzes der Polizei auch in Zukunft Lesenächte durchführen. «Dann werde ich aber der Polizei vorher ein kurzes Mail schreiben.»

Eigenschutz steht im Vordergrund

Auch die Kantonspolizei Glarus ist froh, dass der vermeintliche Ernstfall sich als harmlos herausstellte. «Die Polizisten waren erleichtert, als sie sahen, dass es sich um eine Gruppe von Kindern handelt», sagt Polizeimediensprecher Daniel Menzi. Dass die Beamten mit gezogener Waffe den Raum betraten und Personen aufforderten, sich auf den Boden zu legen, sei das richtige Vorgehen gewesen. «Solange die Situation nicht geklärt ist, steht der Eigenschutz der Polizisten im Vordergrund.» Selbstverständlich hätten sich die Beamten nach dem Einsatz entschuldigt und die Kinder darüber aufgeklärt, wie ein solcher Polizeieinsatz vonstatten geht.

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