Aktualisiert 01.03.2018 11:16

Baselland

Polizeimitarbeiter prahlte mit gefälschtem Ausweis

Ein ziviler Angestellter der Baselbieter Polizei druckte sich illegal einen Ausweis aus, um Vergünstigungen zu erschleichen. Zum Verhängnis wurde ihm, dass er damit angab.

von
sis
Den illegal hergestellten Ausweis, das Beweismittel, hat der Chef des Zivilangestellten geschreddert.

Den illegal hergestellten Ausweis, das Beweismittel, hat der Chef des Zivilangestellten geschreddert.

Keystone/Georgios Kefalas

Ein Polizeiausweis bringt einige Vorteile mit sich: So dürfen die Gesetzeshüter im dienstlichen Einsatz gratis mit dem ÖV fahren odere andere Leistungen vergünstigt beziehen.

Ein ziviler Angestellter der Polizei Basel-Landschaft wollte sich das offenbar nicht entgehen lassen. Dieser arbeitet als leitender Angestellter bei der Abteilung Sachmittel, Raum und Unterhalt und stellt unter anderem die Polizeiausweise für das 600 Mann starke Korps her, wie die «Basler Zeitung» berichtet. Obwohl er selbst keinen Anspruch auf das Dokument hat, druckte er sich eines Tages einfach selbst einen Ausweis aus.

Er flog auf, weil er mit dem Ausweis prahlte

Der Fall wäre wohl lange unentdeckt geblieben, hätte sich der Mann nicht selbst verraten. Er flog auf, weil er sich auf einem Sommerfest im Jahr 2016 vor seinen vereidigten Polizeikollegen mit dem Ausweis gebrüstet haben soll.

Obwohl bereits da schon der Verdacht auf Amtsmissbrauch und Urkundenfälschung bestand, dauerte es noch gut ein Jahr, bis die Polizei Basel-Landschaft tätig wurde. Erst am 2. August 2017 bekam die Staatsanwaltschaft den Antrag, den Fall auf allfällige strafrechtliche Relevanz zu prüfen, wie sie gegenüber der «BaZ» bestätigte.

Chef schreddert Beweismittel

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft nebst dem vereidigten Polizisten vom Sommerfest, der von der Straftat zwar wusste, aber nichts unternommen haben soll, noch eine weitere Person wegen Begünstigung ins Visier genommen: Der Chef des zivilen Mitarbeiters hat angeblich das wichtigste Beweisstück – den illegal hergestellten Polizeiausweis – einfach geschreddert und die Sache nicht weiter verfolgt.

«Einvernahmen durchgeführt»

Gemäss Michael Lutz, Sprecher der Staatsanwaltschaft, wurden in dieser Angelegenheit Einvernahmen durchgeführt, weitere Untersuchungshandlungen sollen noch folgen.

Wer die zweite Person sei, gegen die ermittelt werde – der untätig gebliebene Polizeikollege oder der Chef, der das Beweismittel vernichtete – wollte die Polizei nicht sagen.

Der «falsche Polizist» ist noch immer für das Koprs tätig: «Da für den Zivilangestellten die Unschuldsvermutung gilt, wurde er nicht suspendiert und arbeitet er weiterhin für die Polizei Basel-Landschaft», sagt Polizeisprecher Adrian Gaugler.

Ziviler Mitarbeiter verweist auf Software-Fehler

Der zivile Mitarbeiter scheint sein Fehlverhalten zu bereuen, wie er der Zeitung telefonisch mitteilte: «Es war ein dummer Fehler, ich habe mich bei meinen Vorgesetzten entschuldigt», soll er gesagt haben. Weiter behauptete er, dass der Ausweis nie zum Einsatz gekommen und durch einen Software-Fehler entstanden sei. Ausserdem würde intern gegen ihn intrigiert.

Experten halten einen Software-Fehler für unmöglich. Es seien mehrere aktive Schritte nötig, um einen solchen Ausweis herzustellen. Unter anderem müsse dafür ein digitalisiertes Bild hinzugefügt werden.

Gratis-ÖV für Polizisten nur im Einsatzfall

«Nur Polizisten, also Mitarbeiter der Polizei, welche eine offizielle Polizeiausbildung durchlaufen haben, dürfen auch einen offiziellen Polizeiausweis tragen. Mit diesem dürfen sie nur während eines dienstlichen Einsatzes, zum Beispiel einer Observation, gratis ÖV fahren.

Zivile Mitarbeiter der Polizei hingegen bekommen einen anderen Ausweis ausgestellt, der sie als Zivilangestellter identifiziert.

Anders als Zivilangestellte sind Polizisten offiziell vereidigt, haben Dienstgrade und dürfen eine Waffe tragen.»

Adrian Gaugler, Sprecher Polizei Basel-Landschaft

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